Erster Bär im Kanton Bern seit 190 Jahren – Behörden reagieren professionell und kompetent

Bär

Bär im Eriz

von Claus Obermeier

Am Freitag, 26. Mai 2017, wurde in der Gemeinde Eriz ein Bär gesichtet und fotografiert. Es ist der erste Nachweis eines wilden Bären im Kanton Bern seit mehr als 190 Jahren.

Der Bär hat sich nach Angaben der Schweizer Behörden bisher völlig unauffällig verhalten. Die Wildhut des Kantons Bern arbeitet daran, die Identität des Bären zu klären, den aktuellen Standort einzugrenzen und im Bedarfsfall konkrete Empfehlungen zu publizieren.

Der Bär von Eriz ist der erste wilde Bär, der im Kanton Bern seit mehr als 190 Jahren gesichtet wurde. Die letzte historisch belegte Sichtung war 1823 im Saanenland. «Das Wappentier ist in den Kanton Bern zurückgekehrt – das ist ein historischer Moment», sagt Jagdinspektor Niklaus Blatter, der aber auch von einer Herausforderung spricht. «Wir werden die Situation genau beobachten und so viele Fakten zusammentragen wie möglich.» Er hoffe, dass sich der Bär von Eriz so unauffällig verhalte wie jener aus dem Kanton Uri.

2016: Bären in Graubünden, Schwyz und Uri

Seit 2005 wandern immer wieder Braunbären aus dem italienischen Nationalpark im Trentino in die Schweiz ein und stossen dabei immer weiter nach Norden vor. 2016 wurde der Kanton Graubünden vermutlich von drei Bären besucht. Der bereits im Februar im Val Müstair aufgetauchte M32 wanderte anschliessend ins Unterengadin. Dort wurde er bei einem Zusammenstoss mit einem Zug tödlich verletzt. Ein zweiter Bär machte sich im April im Oberengadin, beziehungsweise im Puschlav bemerkbar. Ein dritter Bär wanderte Ende April via Rheinwald nach Thusis. Es dürfte sich dabei um das gleiche Individuum handeln, das sich anschliessend über Trun in die Innerschweiz verschob. Er wurde im Hoch Ybrig (Kanton Schwyz) und bis im Spätherbst im Kanton Uri wiederholt registriert. Der «Urner Bär» hat in den letzten zwei Jahren auf Schweizer Boden gezeigt, wie unauffällig sich ein Bär in unserer dicht besiedelten Landschaft bewegen kann.

Ein Mann aus der Region hat am Freitag, 26. Mai 2017, in der Gemeinde Eriz einen Bären gesehen und fotografiert. Es handelt sich wahrscheinlich um einen jungen männlichen Bären, der in kurzer Zeit grosse Distanzen zurücklegen kann. Es ist daher unklar, ob sich der Bär weiterhin in der Region aufhält. Ebenfalls ist offen, ob es sich um den Bären handelt, der im vergangenen Jahr mehrfach im Kanton Uri gesichtet wurde.

Presseinfo CH/CO


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Bayerischer Jagdverband: Positionspapier zu Luchs und Wolf vorgestellt

Luchs und Wolf galten viele Jahrzehnte in Bayern und Deutschland als ausgestorben. Begründet durch eine Auswilderung vor rund 30 Jahren ist der Luchs in Bayern wieder heimisch geworden. Seit rund 12 Jahren dringt der Wolf durch natürliche Zuwanderung auf verschiedenen Routen nach Deutschland. Auch in Bayern werden immer häufiger EinzeltiFelines Immundefizienz Virus Luchs - Positionspapier zu Luchs und Wolfere gesichtet. Der Bayerische Jagdverband veranstaltete zusammen mit seiner Naturschutzstiftung, der Wildland-Stiftung Bayern, und der Bayerischen Akademie für Jagd und Natur am 6./7.4. ein internationales Symposium „Große Beutegreifer“. Fachreferenten beleuchteten die aktuellen Situationen der beiden Tierarten wie Ansiedelung, Wanderverhalten, Nahrungsverhalten und insbesondere den Umgang mit Konflikten und bringen Erfahrungen auch aus den Nachbarländern ein. Diese hervorragende Arbeit des BJV zu diesem Thema begrüssen wir sehr.

Anlässlich des Symposiums veröffentlichte der BJV auch ein Grundsatzpapier „Große Beutegreifer“.  Neben vielen unstrittigen und pointiert formulierten Punkten enthält es insbesondere zum Luchs auch Passagen, die aus Sicht des Naturschutzes intensiv diskutiert und zu denen eigene fachlich fundierte Stellungnahmen veröffentlicht werden müssen.  Wir werden es also in den nächsten Wochen unter diesen Aspekten gründlich durcharbeiten.

Claus Obermeier

Weitere Infos / Grundsatzpapier


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Herdenschutz – eine Aufgabe für alle

Herdenschutz - Wir können Nutztiere vor Übergriffen von Wölfen geschützt werden? Mit dem Thema müssen wir uns heute auseinandersetzen, bevor morgen der Wolf da ist. (Foto: S. Jaeger)

Wie können Nutztiere vor Übergriffen von Wölfen geschützt werden? Mit dem Thema müssen wir uns heute auseinandersetzen, bevor morgen der Wolf da ist. (Foto: S. Jaeger)

Herdenschutz wird auch in Bayern ein zunehmend drängendes Thema. Mit der Rückkehr der Wölfe müssen sich Nutztierhalter damit auseinandersetzen wie sie ihre Tiere vor Übergriffen weitgehend schützen können. Dass dies zunächst mit Umdenken, Arbeit und Geld verbunden ist, ist kein Geheimnis. Ebenso ist es aber auch kein Hexenwerk. Die Rückkehr großer Beutegreifer allein ist nicht der Grund für das Aussterben der Schafbetriebe. Hierfür gibt es seit Jahren wesentlich unmittelbarere Probleme – aber das ist ein anderes Thema.

Herdenschutz beginnt im Kopf

Mit der Ausrottung großer Beutegreifer, wie Bär, Wolf und Luchs mussten wir uns keine weiteren ernsthaften Gedanken zum Schutz unserer Nutztiere auf freien Fläche machen. Füchse und Kolkraben töten ab und an v.a. Lämmer, in manchen Gegenden sind freilaufende Hunde mit laizze-faire Hundebesitzern oder ganz ohne Begleitung eher das Problem. Nun steht der Wolf vor der Tür und stellt v.a. die Schafhaltung auf eine neue Probe. Begeistert hört man wohl kaum einen Schafhalter von der Rückkehr der Wölfe sprechen. Dennoch gibt es ein paar, die sich schon seit Jahren damit befassen, sich fortbilden und Systeme (von Zäunung bis Schutzhund) ausprobieren. Sie wollen gerüstet sein, wenn es eines Tages heißt: Wölfe sind dauerhaft zurück in Bayern. Eine Verweigerungshaltung löst das Problem nicht. Eine Nutztierhalterin, die sich mit dem Thema eingehend befasst, erzählte, dass sie von Kollegen als „Wolfsfreund“ beschimpft wurde. „Ich bin nicht für den Wolf. Ich bin für meine Tiere“ war ihre Antwort. Jetzt ist die Chance ohne akuten Druck durch dauerhafte Wolfspräsenz, zu lernen, wie sich Tiere schützen lassen, wie die Arbeit und der Umgang mit Herdenschutzhunden ist etc. Das sollten wir alle – Nutztierhalter, Behörden und Naturschutzverbände – nutzen!

Herdenschutz in Bayern – erste Hilfestellung  

Bereits vor Jahren veröffentlichte das Landesamt für Landwirtshaft den Leitfaden: Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär – Was tun als Nutztierhalter? . Hier wird ausführlich auf die Schutzmaßnahmen von Bienen, Schafen und Dammwild eingegangen. Das Heft gibt eine gute Zusammenfassung der Situationen und Möglichkeiten. In der Praxis wird noch viel diskutiert und gefachsimpelt. Letztendlich müssen wir gestehen: keine Ahnung, wie es in Bayern sein wird, wenn es wieder Wolfsrudel gibt. Es gibt Erfahrungen aus Ländern in denen Bär, Wolf und Luchs nie ausgestorben waren (hier gibt es auch heute noch Schafhaltung!), wie z.B. Slowenien oder Rumänien. Es gibt Erfahrungen aus Ländern, in denen es wieder Wölfe gibt, wie z.B. Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern etc oder Frankreich. Und hier gehen die Meinungen dann schon auseinander. Die einen sagen: alles kein Problem. Die anderen: alles unmöglich. Die Wahrheit wird, wie so oft, dazwischen liegen. Landschaften und Haltungsformen unterscheiden sich, ebenso die gesellschaftlichen Voraussetzungen (Besiedlung, Lohn…). So helfen uns die Erfahrungen aus anderen Gebieten sicher ein Stück weit, letztendlich müssen wir alle aber so frei sein selbst zu lernen.

Finanziell unterstützt werden Herdenschutzmaßnahmen in Bayern bislang nur in geringem Umfang. Beispielsweise muss der Nutztierhalter die Anschaffung und die Haltung von Herdenschutzhunden selbst leisten, ebenso Kosten für evtl. Umbau des Zaunes.  Unterstützung erfährt man von Seiten des Landesamt für Umwelt über Beratung, Informationsveranstaltungen oder Exkursionen. Ebenso werden Elektrozäune bereitgehalten, die bei  Übergriffen durch den Wolf angefordert werden können und so ein erster Schutz vor weiteren Angriffen sein können.

Eine Förderrichtlinie Herdenschutz gibt es in Bayern, anders als bspw. Sachsen oder Niedersachen, noch nicht. Mit der Beratungsstelle ist ein erster Schritt gemacht, der hier aber nicht enden kann. Von staatlicher Seite muss weiterhin daran gearbeitet werden, wie die Rückkehr von Wölfen und die Nutztierhaltung zusammengebracht werden können.

Herdenschutz in Bayern – praktische Umsetzung

Ein paar Nutztierhalter in Bayern testen bereits Formen der Schutzmaßnahmen. Neben Zäunen, die entsprechende Standards erfüllen, finden Herdenschutzhunde Einsatz bei Schafen, Rindern und Pferden. Sie bringen bereits Erfolge gegen Übergriffe von Füchsen und Kolkraben und lehren ihre Besitzer, was es bedeutet einen Herdenschutzhund als Mitarbeiter zu führen. Auswahl des geeigneten Tieres und Umgang will gelernt sein. Auch als Spaziergänger und Wanderer dürfen wir uns darauf einstellen, dass ein Herdenschutzhund seinem Namen alle Ehre macht und seine Herde beschützt. Das müssen wir verstehen und akzeptieren.

Herdenschutz - Freiwilligen-Einsatz in Mecklenburg-Vormpommern. Hier werden Zäune Wolfssicher gemacht.

Freiwilligen-Einsatz in Mecklenburg-Vorpommern. Hier werden Zäune Wolfssicher gemacht.

Eine Initiative, die ihren Ursprung in Mecklenburg-Vorpommern nahm, breitet sich nun in mehrere Bundesländer aus: WikiWolves. Hier helfen Freiwillige mit ihrem Engagement und ihrer Arbeitskraft Nutztierhaltern bei Zaunbau und weiteren Arbeiten, die zum erfolgreichen Herdenschutz beitragen. Neben der praktischen Hilfe ermöglicht dieser Einsatz ein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen. Eine prima Initiative, die wir weiterhin verfolgen werden und der wir bald einen eigenen Blogeintrag widmen!

In Deutschland unterstützen zwei Vereine die Arbeit mit Herdenschutzhunden: Die AG Herdenschutzhunde und der Verein für arbeitende Herdenschutzhunde. Hier finden Interessierte kompetente Ansprechpartner, Erfahrung und Beratung.

Herdschutz ist eine Aufgabe für alle

Herdenschutz ist eine Aufgabe für Nutztierhalter, die sich konkret mit der Fragestellung auseinandersetzen und praktische, praktikable Lösungen finden müssen. Naturschutzverbände, die ihren eigenen Forderungen nach Rückkehr von heimischen Wildtieren und Erhalt von angepassten Tierhaltungsformen/Pflege von Naturschutzflächen zusammenbringen müssen und letztendlich die politische Instanz, die die Voraussetzungen und Unterstützung dafür schaffen muss.

 

 


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Angriff der Windenergie-Lobby auf Artenschutz

Windenergie-Lobby – NABU entlarvt Lobby-Studie zu Rotmilan und Mäusebussard

Anlässlich der für heute angekündigten Studie „Windenergie und Rotmilan – Ein Scheinproblem“ des Schweizer Ingenieurbüros KohleNusbaumer kritisiert der NABU den Versuch von Teilen der Windenergie-Branche, mit unhaltbaren Aussagen den Eindruck zu erwecken, dass ein Konflikt zwischen Windenergie und dem Schutz von Greifvögeln gar nicht existiert.

Windenergie-Lobby„Der NABU ist enttäuscht von der mangelnden Bereitschaft von Teilen der Windenergie-Branche, ein real existierendes Artenschutzproblem anzuerkennen und gemeinsam an sinnvollen, von geltendem Recht gedeckten Lösungen für eine naturverträgliche Energiewende zu arbeiten. Stattdessen hofft man, mit dieser Vogel-Strauß-Taktik einfach weitermachen zu können wie bisher. Verstöße gegen das Artenschutzrecht werden durch Wegdiskutieren des Problems aber nicht geheilt und haben vor Gericht keine Chance“, sagte NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Greifvögel, wie der weltweit bedrohte und vor allem in Deutschland heimische Rotmilan, gehören zu jenen Arten, die am meisten durch Kollisionen mit Windrädern gefährdet sind. Dieses Problem ist wissenschaftlich hinlänglich belegt. Es muss, genau wie andere naturschutzfachliche Belange, von der Branche anerkannt und bei der Planung von Vorranggebieten und jedes einzelnen Windrads berücksichtigt werden. Andernfalls ist der dringend erforderliche naturverträgliche Ausbau der Windenergie nicht möglich.

Erst im vergangenen Jahr wurde im sogenannten „Helgoländer Papier“ der Länderarbeitsgemeinschaft der staatlichen Vogelschutzwarten der aktuelle Stand der Wissenschaft zur Gefährdung von Vögeln durch Windkraft an Land zusammengestellt. Für die betroffenen Arten empfiehlt das Papier fachlich fundierte Mindestabstände zwischen windkraftsensiblen Vogelvorkommen und Windenergieanlagen. Diese Angaben dienen auch den Gerichten als fachliche Messlatte. Die nun vorgestellte Studie des Büros KohleNusbaumer und andere durch die Windenergiebranche in den letzten Monaten gestreute Dokumente sollen suggerieren, dass die weltweit anerkannte Gefährdung von Greifvögeln durch Windenergie nicht existiert. So erhofft sich ein Teil der Branche, die Windenergie ausbauen zu können, ohne Rücksicht auf den Artenschutz und in der Praxis bewährte Regeln wie das Helgoländer Papier nehmen zu müssen.

„Bei näherer Betrachtung entpuppen sich diese Studien schnell als interessengeleitete Lobby-Papiere. Hier werden selektiv ausgewählte Fakten aus nicht vergleichbaren Quellen in irreführender Weise vermengt. So schafft es der Autor beispielsweise, einen deutschlandweit leicht zurückgehenden Rotmilanbestand in einen dramatischen Bestandsanstieg umzudeuten. Fakt ist allerdings: Der Rotmilan nimmt zwar in der Heimat des Autors, also in der Schweiz, zu. Doch die Schweiz ist auch weitgehend windenergiefrei. In Deutschland hingegen nimmt der Rotmilan nur im bisher windkraftarmen Südwesten zu, während seine Bestände im windkraftreichen Norden und Osten Deutschlands zurückgehen“, so NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann.

Eine 2013 im Fachblatt Journal for Nature Conservation veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung berechnete, dass allein im Land Brandenburg jährlich vermutlich um die 320 Rotmilane an Windkraftanlagen tödlich verunglücken. Für ganz Deutschland muss bei einem aktuellen Brutbestand von 12.000 bis 18.000 Paaren entsprechend von über 1.000 Todesfällen pro Jahr ausgegangen werden. In Regionen mit vielen Windenergieanlagen wird damit bereits heute die Grenze der Belastbarkeit der Population erreicht. Umso wichtiger ist es dafür zu sorgen, dass neue Windräder nur dort gebaut werden, wo keine erhöhte Tötungsgefahr besteht.

Für den wesentlich häufigeren Mäusebussard ist nach den Ergebnissen einer neuen, vom Bundeswirtschaftsministerium finanzierten Studie sogar mit 10.000 bis 12.500 kollidierten Vögeln pro Jahr zu rechnen. Dies kann in bestimmten Regionen ebenfalls zu einem Zusammenbruch der Bestände führen, wie er beispielsweise in Schleswig-Holstein bereits zu beobachten ist.

Windenergie-Lobby: Presseinfo NABU

Windenergie-Lobby: Hintergrundpapier NABU


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Filme für die Umweltbildung

Filme für die UmweltbildungFilme für die Umweltbildung: Unter www.filme-umweltbildung.de entsteht in den nächsten Wochen und Monaten ein Portal für Filme zur Umweltbildung.
Den Anfang hat bereits eine Serie aus Kurzfilmen über Moore gemacht. Der bekannte Naturfilmer Jan Haft führt uns in dieser Kurzfilmreihe in das faszinierenden Ökosystem der Moore und stellt uns einige wichtige Pflanzenarten und Zusammenhänge vor.
Doch die Kurzfilme über Moore stellen nur den Auftakt einer ganzen Reihe von Filmbeiträgen dar, denn wir konnte einige gewichtige Partner für unsere Filme für die Umweltbildung gewinnen.
Diese sind unter anderem:

– Naturhistorisches Museum Wien, Abteilung Umweltbildung: „Einer unserer Leitsätze: Erkennen allein ist nicht genug – erst das Verstehen,ist die Motivation und der „Therapieansatz“, den die Gesellschaft heute, in einer sich rasch verändernden Welt, am dringendsten benötigt. Im Hintergrund und an der „Front“ arbeitet ein eingespieltes Team, um umweltbezogene Themen in frischer und lebendiger Form aufzubereiten – und vor allem, um ein selbstverständliches „Auf-die Natur-Zugehen“ zu ermöglichen“.

– nautilusfilm, Dorfen: „Mit über 180 Auszeichnungen auf internationalen Naturfilmfestivals ist nautilusfilm Deutschlands meist prämierte Naturfilmproduktion. Und das hat einem Grund: Wir lieben die Natur. Und unseren Beruf“.

– polyband, München: „polyband ist ein Medienunternehmen, das audiovisuelle Rechte an nationalen und internationalen Filmen und Programmen erwirbt oder koproduziert und vorwiegend im deutschsprachigen Raum auswertet. Die Verwertung erfolgt über verschiedene Formate und Vertriebswege: Kino, DVD, Blu-ray Disc und zunehmend über das Internet. Dank des großen Engagements und der Leidenschaft und Begeisterung für außergewöhnliche Themen ist es polyband gelungen, ein interessantes, vielseitiges Filmangebot aufzubauen und im Bereich Special Interest zu einem der Marktführer zu werden.  Im Jahr 2010 wurde polyband mit dem Video Champion Business-Award für die herausragende Programmvermarktung im Bereich Special Interest ausgezeichnet“.

Neugierig geworden, dann sehen Sie sich doch gleich die ersten Filme an. Vergessen Sie auch nicht, sich die Seite www.filme-umweltbildung.de als Lesezeichen zu hinterlegen, denn Sie können also auch in Zukunft mit spannenden und lehrreichen Filmen auf unserem neuen Film-Portal rechnen.


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Luchs im bayerischen Alpenraum: Salzburger Positionspapier (Stand: 26.2.2016)

Luchs Vorkommen in Bayern - Luchs im bayerischen AlpenraumLuchs im bayerischen Alpenraum: Wir setzen uns insbesondere für eine umfassende Rückkehr des Luchses in die geeigneten Lebensräume in den bayerischen Alpen ein. Wir danken ausdrücklich für die engagierte Arbeit der Naturschutzinitiativen und Jagdverbände in den angrenzenden Alpenländern und deren umfassende Luchsschutzprojekte inkl. Bestandsstützung, die das möglich machen[i].

Bayern hat jetzt einen großen Nachholbedarf, um auch in den bayerischen Alpen kompetente und handlungsfähige Strukturen, hinausgehend über die Teilnahme an diversen Arbeitsgruppen, dazu zu schaffen.Insbesondere müssen folgende Projektmodule umgesetzt werden:

  • Monitoring
  • umfassende Umweltbildung
  • umfassende Info- und Herdenschutzangebote für betroffene Zielgruppen (Gehegewildhalter etc.)
  • umfassende Beratungsangebote für den Bereich Jagd
  • umfassende Fortbildung und Sensibilisierung der Polizeibehörden gegenüber Straftaten.
  • Soll der Alpenraum wieder dauerhaft mit einer stabilen Luchspopulation besiedelt werden, werden bestandsstützende Wiederansiedlungsmaßnahmen auch in Bayern unumgänglich sein, wie sie seit geraumer Zeit gefordert[ii], auch in Bayern geplant  und seit den 1970er Jahren beispielsweise in der Schweiz, Slowenien, Österreich, Frankreich, Italien geschehen sind[iii].

Alle Aktivitäten sollten mit den Luchsprojekten in den angrenzenden Alpenländern[iv] umfassend koordiniert und vernetzt werden , um langfristig eine vitale und überlebensfähige Alpenluchspopulation zu erreichen. Die einzelnen Subpopulationen des Alpenraumes sind weit voneinander entfernt und aufgrund von menschlichen Wanderbarrieren (Autobahnen etc.) sowie natürlichen Wanderhindernissen (große Flüsse) kaum vernetzt. [v]

Die bayerische Politik muss beim Luchsschutz Anschluss an die internationalen Bemühungen zum Schutz der Artenvielfalt finden. Es ist ein Armutszeugnis, wenn in Bayern ambitionierte Projekte zum Luchsschutz nicht vorankommen, während in unseren Nachbarländern engagiert am Aufbau überlebensfähiger Luchspopulationen gearbeitet wird und wir gleichzeitig von den viel ärmeren Ländern in Afrika und Asien gigantische Anstrengungen und wirtschaftliche Einbußen zum Schutz bedrohter Arten einfordern.

Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung
Stefanie Jaeger, Projektstelle Bayern wild

 

[i] SCALP  Status and Conservation of the Alpine Lynx Population. Ziel des SCALP ist es, (1) Monitoring-Standards zu entwickeln, die es erlauben, die erhobenen Daten aus verschiedenen Ländern zu vergleichen; (2) regelmässig Statusberichte zu veröffentlichen; (3) Erhaltungs- und Managementkonzepte zu entwickeln und (4) Expertisen zum Luchs in den Alpen zu erstellen. In der Arbeitsgruppe sind alle Alpenländer vertreten.

WISO: Plattform WISO der Alpenkonvention, die im Mandat u.a. die Managementoptionen für Erholung und Erhaltung von Wolf- und Luchspopulationen, Koordinierung von Schutzmaßnahmen für den Luchs, genetisches Monitoring (Risiken für Erhaltung der Luchspopulation) beinhaltet.

[ii] Vgl. Der Luchs im deutschsprachigen Alpenraum mit Schwerpunkt Westösterreich – Ausgangssituation und Perspektiven. Johannes Rüdisser, Bericht im Auftrag des WWF Österreich.

[iii] Experten gehen davon aus, dass eine Wiederbesiedlung durch selbst einwandernde Luchse in den bayer. Alpen unwahrscheinlich ist, da die Wanderstrecken der weiblichen Tiere bei max. 44km liegt (SCALP News Jan. 2016).

[iv] Auf ca. 200.000km² Alpenraum wurden im Jahr 2011 138-180 selbstständige Luchse geschätzt.

[v] Außerhalb Bayerns gab es bereits umfangreiche Projekte zur Biotopvernetzung und zum Abbau von Wanderbarrieren für Säugetiere. Vgl. Feasibility Study for a transnational Alpine-Carpathian-Corridor Projekt. WWF Österreich, 2007; Lebensader für Europas Artenvielfalt – der Alpen-Karpaten-Korridor. WWF Österreich ohne Zeitangabe; Ökologische Korridore im Alpenraum – ein Hintergrundbericht. CIPRA 2006 (Übersetzung: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.


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Mehr Naturwälder für Bayern – BN und Greenpeace legen neue Studie vor

Buchenschutzgebiet im Steigerwald - Naturwälder

Buchenschutzgebiet im Steigerwald

Der BUND Naturschutz in Bayern (BN) und Greenpeace legen eine Studie für ein Naturwaldverbundsystem in Bayern vor. Damit soll der große Mangel an Naturwäldern und alten Bäumen in Bayern behoben werden und die biologische Vielfalt in den Wäldern besser bewahrt werden. Als zentrale Bausteine eines Naturwaldverbundes schlagen BUND Naturschutz und Greenpeace neue Großschutzgebiete von über 2.000 Hektar Größe im Spessart, Nordsteigerwald, Gramschatzer Wald, Hienheimer Forst und Ammergebirge vor.

Der Vernetzung sollen mittelgroße Gebiete in weiteren 27 Waldgebieten Bayerns und viele kleine Waldgebiete dienen, insgesamt 88.000 Hektar. „Wir appellieren an die Bayerische Staatsregierung einen Dialogprozess zu starten, bei dem geeignete Flächen für ein Naturwald­verbundsystem diskutiert und ausgewählt werden“ so Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN. „Die vorgelegte Studie stellt dazu eine geeignete Diskussionsgrundlage dar.“ „Bayern hat nicht nur die Verpflichtung sondern auch das Potenzial in fast 50 Waldgebieten der Natur und Schöpfung Vorrang vor wirtschaftlicher Nutzung einzuräumen“, so Martin Kaiser, Leiter Wälder, Meere und Biodiversität bei Greenpeace Deutschland. „Davon profitieren auch die Regionen und die Menschen.“ „Die Einrichtung von Naturwäldern ist nicht nur eine Notwendigkeit für Natur- und Klimaschutz in Bayern, sondern auch eine Verpflichtung, die die bayerische Regierung umsetzen muss“, fordern Greenpeace und BN. Die vorgeschlagenen Wald­gebiete liegen nur im öffentlichen Wald, vor allem im Staatswald und nicht im Privatwald.

Bayern ist sehr arm an alten Bäumen und an Naturwäldern, die sich frei und ohne Holznutzung entwickeln dürfen. Viele Waldarten, die in diesen Wäldern ursprünglich vorhanden waren, sind in Bayern ausgestorben oder hoch bedroht und fristen ein ständiges Dasein weit oben auf den Roten Listen. Um diese Defizite zu beheben, hat die Bundesregierung mit der Nationalen Biodiversitäts­strategie 2007 beschlossen, dass deutschlandweit zehn Prozent der öffentlichen Wälder bis 2020 der natürlichen Entwicklung überlassen werden sollen. Im Gegensatz zu fast allen anderen Bundesländern lehnt es Bayern bislang ab, diese Ziele umzusetzen. „Bevor die wenigen geeigne­ten Waldgebiete infolge der praktizierten forstlichen Intensivnutzung noch weiter schwinden, soll der Holz­einschlag in den alten staatlichen Laubwäldern ruhen, bis auch Bayern diese Ziele umsetzt“, so Richard Mergner, Landesbeauftragter des BN. Gegenwärtig werden in Bayern nur drei Prozent der öffentlichen Waldfläche als Naturwälder geschützt. Da es bis heute kein Gesamtkonzept für holznutzungsfreie Wälder in Bayern gibt, haben BN und Greenpeace dieses Konzept für ein Naturwaldver­bund­system entwickelt. Die Grundlagen dafür erarbeitete Norbert Panek, ein renommierter Experte für Buchenwälder.

TROTZ DEFIZITE NOCH POTENTIAL FÜR NATURWÄLDER IN BAYERN VORHANDEN

„Obwohl Bayern das waldreichste Bundesland ist, gibt es wegen des verbreite­ten Nadelholzanbaus nur noch wenige Waldgebiete, die für eine Naturwald­entwicklung geeignet sind“, stellt Panek fest. Aktuell sind in Bayern nur 33.000 Hektar als Naturwälder geschützt und diese sind auch sehr ungleich in den Regionen verteilt. In weiten Teilen Nordost- und Ostbayerns, in ganz Mittel­franken sowie in großen Landesteilen zwischen Donau und Alpenvorland exis­tieren kaum mehr größere naturnahe Waldgebiete bzw. allenfalls klein­flächige Wälder, die für eine Natur­waldentwicklung geeignet sind. Dort sind wegen der historischen und aktuellen Waldbehandlung großflächig naturferne Nadelforsten entstanden.

BUNTER MIX AUS GROSSEN, MITTELGROSSEN UND KLEINEN NATURWÄLDERN

Nur in ausreichend großen Gebieten können sich Wälder in den verschiedenen Ausprägungen ohne Randeinflüsse natürlich entwickeln und erneuern. Nur dort können Populationen anspruchsvoller Waldarten langfristig überleben, was ja das Ziel sein muss. Als Ergebnis der Studie lassen sich nur noch in fünf der 15 Wuchsgebiete Bayerns geeignete Großschutzgebiete finden (+43.800 Hektar). Es war unmöglich mindestens ein Großschutzgebiet je Wuchsgebiet zu finden. Umso wichtiger war es Potentialgebiete für mittelgroße Naturwälder (500 – 2.000 Hektar) zu identifizieren. In dieser Kategorie werden 27 Waldgebiete in neun von 15 Wuchsgebieten vorgeschlagen (+ 20.300 Hektar). In die Kategorie kleine Naturwaldgebiete fallen einige konkrete Gebietsvorschläge, die durch Vorschläge aus neun identifizierten Auwaldregionen in Südbayern ergänzt werden sollen (+5.900 Hektar). Zusätzlich soll die Fläche der Naturwald­reservate um 50 Prozent vergrößert werden (+3.300 Hektar) und dauerhaft holznutzungs­freie, kleinere Altholzinseln eingerichtet werden (+10.800 Hektar). Dadurch ließe sich die Fläche kleiner Naturwaldgebiete von derzeit 10.470 Hektar auf 34.700 Hektar mehr als verdreifachen.

Presseinfo BN 22.2.2016


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Zur Konferenz „Beutegreifer / Almwirtschaft“ in der bayerischen EU-Vertretung Brüssel: Almwirtschaft und Naturschutz gehören zusammen

Wölfe in Deutschland - Dank des strengen Schutzes sind sie wieder zurück. Illegale Jagd auf unliebsame heimische Wildtiere stellt eine Gefahr für deren Fortbestand in Deutschland dar. (Bild: Gehegeaufnahme Tierfreigelände Neuschönau, R. Simonis) - Almwirtschaft

Wölfe in Deutschland – dank des strengen Schutzes sind sie wieder zurück. (Bild: Gehegeaufnahme Tierfreigelände Neuschönau, R. Simonis)

Almwirtschaft und Schutz der großen Beutegreifer Wolf, Bär und Luchs im Alpenraum gehören zusammen – Almwirtschaft in Bayern wird hauptsächlich aus naturschutzbezogenen Förderprogrammen der EU und des Freistaates finanziert und sollte daher eine Vorreiterrolle beim Artenschutz einnehmen.

Am kommenden Montag findet in der bayerischen Landesvertretung in Brüssel eine Konferenz und Podiumsdiskussion zum Thema „Auswirkungen der Rückkehr großer Beutegreifer auf die alpine Landwirtschaft“ statt. In speziellen Fällen wie der Almwirtschaft mit Schafen im Gebirge kann der Schutz von Herden vor Wolfsübergriffen mit erheblichem Aufwand verbunden sein. Es handelt sich dabei in den Hochlagen (heute) nicht um eine produktionsorientierte Landwirtschaft, sondern um eine staatlich finanzierte Landbewirtschaftung, um bestimmte Ziele wie die Erhaltung von Blumenwiesen oder des Landschaftsbildes zu sichern. Die naturschutzgerechte Almwirtschaft muss auch nach der Rückkehr des Wolfes sichergestellt sein.

Die Rückkehr der großen Beutegreifer ist – besonders im Alpenraum durch die freie Weide und die topografischen Gegebenheiten – mit Schwierigkeiten und erhöhtem Einsatz verbunden. Hier muss Unterstützung durch Politik und Naturschutz stehen. Die Rückkehr der ehemals heimischen Arten wie Luchs und Wolf zeigt die erfolgreiche Naturschutzpolitik und –arbeit der letzten Jahre. Almwirtschaft hat eine große kulturelle und auch naturschutzfachliche Bedeutung. Beides – große Beutegreifer in almwirtschaftlichen Bereichen – kann, ja muss sogar nebeneinander funktionieren. Es obliegt  Politik, Naturschutz und Landwirtschaft gemeinsam daran zu arbeiten und größtmögliche Unterstützung für betroffene Gruppen zu schaffen.

Bayerische Almwirtschaft ist aus Naturschutztöpfen  und Programmen zur naturschutzgerechten Landwirtschaft hoch gefördert – Alm-Aktionsplan Wolf existiert bereits

Das bayerische Umweltministerium veröffentlichte folgende Zahlen: 2010 wurden über das Vertragsnaturschutzprogramm in den bayerischen Landkreisen mit Alpenanteil 5,5 Millionen Euro ausbezahlt. Für den Erhalt von 5500 Hektar Alm- und Alpflächen wurden im Jahr 2010 665000 Euro bereitgestellt. Aktuelle Zahlen sind nur mit hohem Rechercheaufwand zu erhalten, da viele verschiedene Fördertöpfe und Förderprogramme sowie reguläre EU-Agrarsubventionen zusammengeführt werden müssten. Einen Überblick geben die folgenden Dokumente des Bayerischen Landtages:

Vom Bayerischen Umweltministerium wurde bereits vor Jahren ein eigener, mit zusätzlichen Finanzmitteln ausgestatteter Alm-Aktionsplan Wolf ausgearbeitet. Weitere Infos: http://s65fcd70143c51ffd.jimcontent.com/download/version/1306568200/module/5192026363/name/almaktionsplan_wolf.pdf

Allianz für Naturschutz und Landwirtschaft in den Alpen hat Position für den Schutz von Wolf & Co. bezogen

Dazu die „Allianz für Naturschutz und Landwirtschaft in den Alpen“ aus Naturschutzverbänden und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft am 22.1.2013: Eine Ökologisierung der EU-Agrarpolitik ist gerade für die kleinstrukturierte Land(wirt)schaft des Alpenraumes eine zentrale Chance und Notwendigkeit zugleich. „Nur so können wir einerseits eine Intensivierung und andererseits eine flächige Aufgabe der Bewirtschaftung verhindern und den Artenreichtum erhalten“, sagte damals Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN).„Die Aufrechterhaltung der Almwirtschaft darf nicht zu einer Straßenerschließung jeder Alm oder einer Ablehnung zurückkehrender Wildtiere wie Wolf und Luchs führen, nur weil höherer Arbeitsaufwand für naturschutzkonforme Almwirtschaft nicht entsprechend höher belohnt wird.“ In Bayern ist die Zahl der Almen und Alpen in den letzten Jahrzehnten relativ konstant geblieben, während italienische und französische Almgebiete einen enormen Rückgang verzeichnen.

Schutz der Herden auch im Alpenraum möglich

Wölfe lebten und leben auch heute meistens in Gebieten mit Schaf- und Ziegenhaltung. Dazu wurden über Jahrhunderte bewährte Schutzmaßnahmen entwickelt, die Tierverluste durch Wölfe minimieren. Besonders bewährt haben sich in Mitteleuropa spezielle Herdenschutzhunde, die die Herde aktiv gegen Wölfe verteidigen. Heute stehen mit mobilen Elektrozäunen weitere technische Mittel zur Verfügung, die Übergriffe von Wölfen weitgehend ausschließen. Kommt es trotzdem mal zu einem Schaden, wird er in Bayern vom Staat übernommen. Am Landesamt für Umwelt in Bayern existiert eine eigene Stelle „Herdenschutz“.

Presseinfo GLUS 11.2.2016

 


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BUND-Waldreport analysiert auch Fälle aus Bayern – Licht und Schatten in Bayerns Wäldern

Waldreport

Fällung alter Buchen im Forstbetrieb Ebrach, c. Freundeskreis Nationalpark Steigerwald.

Licht und Schatten in Bayerns Wäldern: Der BUND zeichnet in seinem neu erschienen Waldreport 2016 ein aktuelles Bild, wie der Wald in Deutschland behandelt wird. In zwanzig Fallstudien aus elf Bundesländern, darunter auch drei Fallstudien aus Bayern, dokumentiert der Report Defizite und positive Entwicklungen in der Forstwirtschaft. Dabei wird deutlich, dass es in Bayern noch großen Verbesserungsbedarf gibt.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeichnet in seinem Waldreport 2016 ein aktuelles Bild, wie der Wald in Deutschland behandelt wird. In zwanzig Fallstudien aus elf Bundesländern, darunter auch drei Fallstudien aus Bayern, werden Defizite und positive Entwicklungen in der Forstwirtschaft dokumentiert. „Wir freuen uns über positive Entwicklungen, wie beim vorbildlichen Waldumbauprojekt „Zukunftswälder im Landkreis Roth“, und werben dafür diese zu verstärken“, so Richard Mergner, Landesbeauftragter der BUND Naturschutz in Bayern. Als Negativbeispiele kritisiert der BN die massiven Waldzerstörungen im Naturschutzgebiet Pähler Schlucht am Ammersee und das massenhafte Fällen von Biotopbäumen und Totholz in den Eichenwäldern im Spessart. „Diese Vorfälle machen deutlich, dass es noch großen Verbesserungsbedarf in der bayerischen Forstwirtschaft gibt“, betont Ralf Straußberger, BN-Waldreferent. „Wir brauchen endlich klare gesetzliche Vorgaben, was Waldwirtschaft darf und was nicht, vor allem in Schutzgebieten“, so Mergner. Defizite gibt es aber auch beim Umgang mit den Verstößen, die nicht konsequent geahndet werden. Noch wichtiger wäre es, sie im Vorfeld zu vermeiden, wozu vor allem mehr Beratungsförster und Fördergelder nötig sind.

WALDZERSTÖRUNGEN IN DER PÄHLER SCHLUCHT

Obwohl die Pähler Schlucht im Landkreis Weilheim-Schongau sogar mehrfach als Naturschutzschutzgebiet und FFH-Gebiet geschützt ist, hat es die sensiblen Schluchtwälder nicht vor massiven Schäden bewahrt. Doch die BN-Kritik richtet sich nicht nur an uneinsichtige Waldbesitzer und Forstunternehmer. Deutlich wurde auch ein Zuständigkeitswirrwarr zwischen Forst- und Naturschutzbehörden und die oftmals schlechte Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Behörden in Bayern. Der BN fordert, dass derartige massive Umweltschäden konsequent geahndet werden. Dazu sind die Forst- und Naturschutzbehörden personell und finanziell besser auszustatten und deren Zuständigkeiten klar festzulegen. „Angesichts der schlimmen Waldverwüstungen steht natürlich die Staatsregierung in der Verantwortung, endlich einen gesetzlichen Rahmen für die Waldwirtschaft in Bayern als gute fachliche Praxis konkret gesetzlich festzulegen“, appelliert Mergner an die Staatsregierung. „Nur wenn alle Beteiligten wissen, was zulässig ist und was nicht, und wenn grobes Fehlverhalten entsprechend geahndet wird, lassen sich solche schlimmen Waldbilder künftig vermeiden“, so Waldexperte Straußberger.

VORBILDLICHER WALDUMBAU IM LANDKREIS ROTH

„Wir erkennen durchaus an, dass es engagierte Waldbesitzer und Förster sowie positive Entwicklungen in Bayern gibt“, so Mergner. „Dies zeigt das vorbildliche Waldumbauprojekt „Zukunftswälder im Landkreis Roth““. Dort wurde das größte Waldumbauprojekt im Privatwald in Bayern auf den Weg gebracht, weil hier engagierte Förster neue Wege gingen. Anstatt einzelne Waldbesitzer zu beraten, wurden viele Waldbesitzer dafür gewonnen, großflächig ihre Kiefernwälder mit Buchen zu unterpflanzen. Weil die Jäger frühzeitig eingebunden wurden und das Rehwild intensiv bejagten, konnte auf den aufwendigen und teuren Zaunschutz zumeist verzichtet werden. Eine aktuelle Brisanz und große Dringlichkeit bekommt das Thema Waldumbau, weil infolge des Hitzesommers 2015 vielerorts Kiefern beginnen abzusterben. Der BN fordert, die Waldbesitzer besser zu unterstützen: durch mehr Forstpersonal für die Beratung und durch eine höhere finanzielle Förderung.

FÄLLAKTIONEN VON BIOTOPBÄUMEN IM SPESSART

Der BN kritisiert das massenhafte Fällen von ökologisch sehr wertvollen Eichen in den Staatswäldern im Spessart. Darunter befinden sich auch viele Biotopbäume und Totholz, die eigentlich geschützt werden sollen, weil hier hochgradig gefährdete Arten leben. Mit diesen Fällaktionen will insbesondere der Forstbetrieb Rothenbuch die Ausbreitung des Zweipunktprachtkäfers verhindern, der für Erkrankungen der Eichen verantwortlich gemacht wird. „Wir sind uns mit Käferexperten einig, dass dieses Vorgehen des örtlichen Forstbetriebes völlig überzogen ist, weil nicht bekannt ist, in welchem Umfang dieser Käfer die kranken und dann gefällten Eichen im Einzelnen befallen hat und ob er für deren Erkranken und Absterben verantwortlich ist“, kritisiert Straußberger. „Wir fordern deshalb diese Fällungen umgehend einzustellen.“ Gerade in den Staatswäldern, die dem Gemeinwohl und Naturschutz besonders verpflichtet sind, müssen erst die Ursachen für die Erkrankungen wissenschaftlich zu untersucht werden, bevor man zu derart einschneidenden Maßnahmen wie diesen großflächigen Fällungen greift.

Presseinfo BN 29.1.2016


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Zur Diskussion: Jagd in Bayern und Naturschutz – Interview mit Sebastian Jutzi, Chefredakteur natur

Das Gespräch mit dem Chefredakteur von natur (seit kurzem selbst Jäger) führten für die BJV-Zeitschrift „Jagd in Bayern“ (JiB) Thomas Schreder, Diplom-Biologe und zuständiges Präsidiumsmitgliedes des Bayerischen Landesjagdverbandes. Wir stellen den Beitrag hier mit freundlicher Genehmigung des Bayerischen Jagdverbandes als Diskussionsgrundlage online. Claus Obermeier

JiB: Herr Jutzi, wie und wann kamen Sie zur Jagd?
Jutzi: Ich habe die Leidenschaft für die Jagd sprichwörtlich in die Wiege gelegt bekommen. Mein Vater war Jäger und ich war von klein auf mit
ihm draußen im heimischen Revier in der Nähe von Mainz unterwegs. Mit 16 habe ich dann mit der Ausbildung zum Jugendjagdschein begonnen,
doch standen zunächst andere Interessen im Vordergrund. Und so kam es, dass ich die ganzen Jahre über eine offene Wunde mit mir rumgetragen
habe und erst vor ein paar Jahren mit Mitte 40 den Jagdschein beim BJV gemacht habe. Die Ausbildung hat mir sehr viel Spaß gemacht und
ich bin glücklich, das grüne Abitur endlich in der Tasche zu haben.

JiB: Der Naturschutz ist ja ein eigenes Ausbildungsfach in der Jagdausbildung. Sehen Sie die Lerninhalte in diesem Fach als ausreichend oder könnten sie noch ausgebaut werden?
Jutzi: Aus meiner Sicht könnte man sie durchaus noch verstärken und sogar einen Schwerpunkt auf den Naturschutz legen. Denn gerade
der Naturschutz ist ja ein wichtiges Verbindungsglied zwischen Jagd und Gesellschaft. Die meisten Menschen kommen ja sonst mit der Jagd
höchstens in Kontakt, wenn sie mal Wild essen, zufällig eine Treibjagd beobachten oder der Jäger mit dem Auto im Wald an ihnen vorbeifährt.
Meiner Meinung nach ist also der Naturschutz der Hauptanknüpfungspunkt, wie man die Menschen an die Jagd heranführen kann. Denn Naturschutz interessiert eigentlich jeden – und das wird sich mit der Zeit noch verstärken.
JiB: Sind Naturschutz und Jagd in Ihren Augen Gegensätze oder Synergien? Steckt in dieser Verbindung viel Konfliktpotential?
Jutzi: Sicher ist in diesem Komplex sehr großes Konfliktpotential enthalten, aber meiner Meinung nach zu Unrecht. Denn: Naturschutz und
Jagd sind in meinen Augen natürliche Verbündete. Ohne Natur gibt es keine Jagd. Und ohne Jagd sähe unsere Natur heute auch ganz anders aus,
vor allem was die Artenvielfalt und die Landschaft betrifft.
JiB: Wie sehen das die Naturschützer beziehungsweise Ihre Leser, hat die Jagd im Bereich der Natur Aufgaben oder wird sie eher als Störenfried in der Natur wahrgenommen?
Jutzi: Als Störenfried eher nicht, würde ich sagen. Unsere Leserschaft ist sehr heterogen. Natürlich sind auch viele Veganer und Vegetarier
darunter, die das Töten von Tieren grundsätzlich ablehnen, was ja durchaus legitim ist. Doch wir haben auch Jäger als Leser. Die sehen das
natürlich anders. Grundlage unserer redaktionellen Arbeit ist der Respekt gegenüber der Meinung des anderen. Als Blatt haben wir eine relativ klare
Position, lassen aber alle zu Wort kommen. Meine persönliche Meinung ist ganz klar, dass die Jagd elementare Aufgaben im Naturschutz hat. Ich
verstehe sie als nachhaltige Nutzung. Wer sein Handwerk als Jäger ernst nimmt, muss sich auch um den Naturschutz kümmern – und damit um
den Schutz von Wildlebensräumen. Die Jäger sind Teil des natürlichen Gefüges und wichtige Botschafter in Sachen Natur.
JiB: Der BJV ist ja ein anerkannter Naturschutzverband. Trägt er diesen Titel zu Recht?
Jutzi: Luft nach oben gibt es natürlich immer. Aber meiner Meinung nach ist dieser Titel gerechtfertigt. Der Großteil der Jäger nimmt sein Handwerk
ernst und tut sehr viel im Bereich des Naturschutzes.
JiB: Wie sehen Sie die Zukunft der Jagd in den nächsten 20 Jahren? Wo sollte sie sich Ihrer Meinung nach hinbewegen, damit sie zukunftsfähig ist und akzeptiert wird?
Jutzi: Sicherlich ist die allgemeine Akzeptanz am größten, wenn die Naturschutzleistungen der Jäger noch weiter herausgestellt werden. Ich sehe
eine Trendwende, die Menschen haben Sehnsucht nach Natur. Sie werden bald elementar erkennen, dass sie von der Natur abhängig sind. Wir sind
ohne funktionierende Natur am Ende.Deshalb müssen wir uns um die Natur kümmern, die Natur schützen. Da  tragen die Jäger einen ganz entscheidenden Teil dazu bei. Sie müssen sich mit Förstern und Landwirten, und allen, die draußen zu tun haben, zusammenschließen und dann
den Kompromiss suchen. Denn wenn jeder auf seiner Ansicht beharrt, kommen wir nicht weiter. Da muss jeder dem anderen etwas entgegenkommen.
JiB: Aktuell beschäftigt uns besonders der Bestandseinbruch beim Niederwild. Wie sehen Sie die Zukunft der wiesenbewohnenden Arten und wo sollten sich die Jäger stärker einbringen, damit sich die Bestände wieder stabilisieren?
Jutzi: Dieses Thema liegt mir besonders am Herzen. Dass es dem Niederwild so schlecht geht, liegt zum einen an den sich verändernden Landschaftsstrukturen. Kleinräumige, mosaikartige Landschaften verschwinden ja zusehends in Deutschland und das macht dem Niederwild natürlich sehr zu schaffen. Bei diesem Punkt würde ich mir auch von den Jägern wünschen, dass sie sich mehr einbringen. Und das funktioniert nur in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft. Die Landwirte haben da eine sehr große Verantwortung und müssten sich eigentlich mit den Jägern eng zusammentun, damit es dem Niederwild bald wieder besser geht. Deshalb muss auch hier wieder ein Konsens gefunden werden. Konflikte mit den Landwirten sollten nicht bestehen. Auch viele Landwirte haben ein Herz für die Natur und sind gesprächsbereit, wenn der Jäger vorschlägt,
mal einen Randstreifen stehen zu lassen oder ähnliches.
JiB: Was war Ihr schönstes Erlebnis im Revier? Gibt es etwas, das Ihnen nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist?
Jutzi: Allgemein finde ich es am Schönsten, mit dem Hund unterwegs zu sein. Mit einem Jagdhund zusammenzuarbeiten, ist etwas sehr faszinierendes. Mein persönlich prägendstes Erlebnis bisher war, dass ich bei einer Exkursion des BJV und seiner Wildland-
Stiftung in der Rhön neun Birkhühner beobachten konnte. Für jemanden wie mich, der noch nie zuvor eines gesehen hat, war das grandios. Das
ist natürlich wieder den Jägern vor Ort beziehungsweise den Gebietsbetreuern und dem Berufsjäger der Wildland zu verdanken, die dafür sorgen, dass es dort überhaupt noch Birkwild gibt.

Das vollständige Interview finden Sie auf der Seite des BJV, www.jagd-bayern.de, Menüpunkte „Naturschutz“, „Naturschutz und Jagd“.


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