Luchsnachweis im bayerischen Alpenraum

Nach längerer Pause wurde wieder ein Luchs im bayerischen Alpenraum abgelichtet. Diesmal im Forstbetrieb Sonthofen.

Luchsnachweis: Im Forstbetrieb Sonthofen, am südwestlichsten Eck Bayerns, wurde mit einer Wildkamera im Februar ein Luchs abgelichtet. Damit konnte nach langer Zeit wieder diese schöne Wildkatze im bayerischen Alpenraum nachgewiesen werden.

Luchsnachweis -  (Foto: Kai Bomans)
Das offizielle Fotofallenbild des gesichteten Luchses (Foto: Kai Bomans/Bayerische Staatsforste)

Leider sind Luchse im bayerischen Alpenraum noch selten. Für die Alpenpopulation kommt aber auch Bayern eine wichtige Bedeutung als Lebensraum und Trittstein zur Vernetzung der einzelnen Vorkommen in der Schweiz, Österreich, Italien und Slowenien zu. Seit Jahren fordert die Gregor Louisoder Umweltstiftung die Verantwortung in Bayern wahr zu nehmen und dem Luchs auch in dieser Region auf die Beine zu helfen. Dringend notwendig ist die Überarbeitung des Managementplans Luchs. Dieser besteht seit 2008. „Dass hier keine aktuellen Entwicklungen berücksichtigt werden, zeigt allein der Blick auf das Erscheinungsjahr“, kritisiert Stefanie Morbach, Projektleiterin bei der Gregor Louisoder Umweltstiftung. „Im Bayerisch-Böhmisch-Österreichischem Grenzgebiet läuft das Luchs-Monitoring sehr gut. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bayern auch für andere Lebensräume eine Verantwortung trägt und aktiv werden muss.“
Gezielte Bestandsstützung und Wiederansiedlungsprojekte müssen durch einen neuen Managementplan möglich werden. Die Auswirkungen eines kleinen Genpools sind noch nicht klar. Dennoch ist jeder Art der Wanderbewegung und des genetischen Austauschs zu fördern.

Luchsnachweis
Luchsnachweis im Fortsbetrieb Sonthofen, hier ein Symbolfoto eines Luchses

Auch die Schweizer Luchsforscherin Anja Molinari freut sich über die Fotofallenaufnahme: „Im November 2017 wurden fünf Luchse, darunter 3 Jungtiere, in Vorarlberg etwa 50-60 km vom jetzigen Aufnahmeort entfernt, gefilmt. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass es sich um eines dieser Jungen handelt.“ Molinari begleitet seit Jahren die Entwicklung der Luchse im Alpenraum. Sie koordiniert und sammelt die Monitoring-Daten aller Länder, um einen Überblick der gesamten Alpen-Population zu bekommen. „Die aktuelle Aufnahme zeigt, dass eine Besiedlung des Bayerischen Alpenraums, sowohl von Vorarlberg, als auch von den Südostalpen her möglich wäre.“ Über geeignete Fotofallenaufnahmen könnte festgestellt werden, ob das Tier schon bekannt ist und woher es tatsächlich kommt. Aussagen dazu liegen uns derzeit nicht vor.

Der zuletzt nachgewiesene Luchs im Bayerischen Alpenraum namens Alus war seit 2015 im Grenzgebiet Berchtesgaden-Salzburger Land unterwegs. In guter Kooperation mit den Bayerischen Staatsforsten führte die Gregor Louisoder Umweltstiftung ein Fotofallenmonitoring durch und konnten den Kuder über mehrere Monate hinweg dokumentieren. Alus wurde im September 2017 ohne Kopf und Vorderläufe aufgefunden. Er wurde illegal getötet.

Hier weitere Infos zum Luchsnachweis:
Pressemitteilung Bayerische Staatsforste
Video Luchse in Vorarlberg 2017


Unsere Autoren


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Bayerischer Aktionsplan Wolf – Wo bleibt die Nachgeburt?

Aktionsplan Wolf
Wolfswelpe © Sabine Hamberger

Ein Kommentar von Stefanie Morbach

Zäh war die Geburt des bayerischen „Aktionsplan Wolf“. Sie dauerte viele Jahre. Das hält die beste Mutter und das engagierteste Geburtshelferteam nicht durch.
Leider merkt man das dem Kind nun auch an. Tatsächlich fühlen sich alle Interessenverbände nicht ausreichend involviert und sind mit dem Aktionsplan unzufrieden. (In diesem Punkt sind sich nun alle einig!) Dass die Presswehen losgehen, das hat man gewusst, dass das Kind querliegend entbunden und auf der Welt ist, haben manche erst aus den Medien erfahren.

Nicht, dass die Mitglieder der AG Große Beutegreifer nicht um Ihre Meinung zum Entwurf gefragt worden wären. Einige sind der Aufforderung zur ausführlichen Stellungnahme nachgekommen. Ich mag mich täuschen, doch zwischen Entwurf und veröffentlichtem Papier sind lediglich Schönheitsreparaturen erfolgt. Schade um die investierte Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu Anpassungen, kritischen Hinweisen und Fragen zu machen.

Was hat sich geändert? Ursprünglich war der Aktionsplan Wolf als Managementplan 1 und 2 geführt, nun die Neuerung in AKTIONsplan (Managementplan 3). Darf das Hoffnung machen, nun mehr Action aus den Ministerien bei Beratung, Förderung etc. zu erwarten?

Angekündigt sind nun noch die Förderrichtlinie und das Förderprogramm der beiden Ministerien Landwirtschaft und Umwelt. Angekündigt möchte man schreien?! An was sollen sich Nutztierhalter für diese Saison orientieren? Ganz zu schweigen davon, dass sie nicht wissen wie sie das finanzieren können, sollen, dürfen.

Aktionsplan Wolf
Wolf im Wald @ Sabine Hamberger

Wenn das Kind nun schon einen neuen Namen hat, dann hätte die Umbenennung in Managementplan – meinetwegen auch Aktionsplan – „Herdenschutz“, dem Ganzen mehr Rechnung getragen. Ach ja, aber dann hätte natürlich auch der Inhalt ein anderer sein müssen.

In der x-ten Wiederholungsschleife ist zu bemerken: 1% der Wolfsbeute sind Nutztiere. In Bayern waren das vereinzelt kleine und große Wiederkäuer nach Angaben des Landesamts für Umwelt im Jahr 2018 fünf Schafe und drei Kälber.
Noch. Und da liegt doch das eben entbundene Kind – ähh der Hund bzw. der Wolf – begraben. Nicht, dass es nicht für den einzelnen schlimm ist ein oder mehrere gerissene Tiere an den Wolf zu verlieren. Ein Promille in der Gesamtstatistik zu sein, tröstet da wenig. Dennoch: Warum um alles in der Welt wird nicht das was DA ist ausreichend beachtet: Weidetiere.
Die Verantwortung des Nutztierhalters seinen Tieren gegenüber.
Die Verantwortung des Landwirtschaftsministeriums diesen gegenüber, ordentliche Weidewirtschaft betreiben zu können. Die Verantwortung des Umweltministeriums gegenüber dem Artenschutz. Hier kreuzen sich halt die Wege von Offenhaltung durch Beweidung und dem eben auch zu unserer Natur gehörenden Wölfen.

Aktionsplan Wolf: Wo bleibt der Herdenschutz?
Aktionsplan Wolf: Wo bleibt der Herdenschutz?

Gerade wenn man die Pressemitteilung aus dem Umweltministerium liest, könnte man Ausschnittsweise meinen, ein Verbandsvertreter aus der Landwirtschaft hätte sie verfasst.

„Die Weidetierhaltung in Bayern braucht eine klare Zukunftsperspektive.“ Jaaa, Herr Glauber, richtig. Aber die bekommt sie doch nicht mit einem Wolfsmanagementplan! Ganzfurchtbar schnell müssen Sie die Förderrichtlinien herauspressen! Mit sanfter Geburt ist da nichts mehr. Die Richtlinien hätten spätestens mit dem Managementplan als Zwillingsgeburt kommen müssen. Ein Frühchen – zeitlich, nicht inhaltlich – wäre auch gut gewesen!

„…eine Entnahme eines Wolfes…auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen…“, soll dort erfolgen können, wo der Aufwand unverhältnismäßig (finanziell und emotional, wie es auf S. 43 im Aktionsplan heißt) ist und Wiederholungsgefahr besteht. Bei ungeschützten Tieren besteht natürlich Wiederholungsgefahr. Wär er ja schön blöd, der Wolf, wenn er hier nicht nochmal am Buffet vorbeigehen würde. Leider fehlt die Definition von unverhältnismäßig. Unverhältnismäßig in Sachen Artenschutzbemühungen (eben auch Wolf) oder unverhältnismäßig in Sachen Weidetierhaltung, die im bayerischen Alpenraum auf 8,5% der Fläche stattfindet.
Unverhältnismäßig heißt: Allzu sehr vom normalen Maß abweichend. Das wäre für mich – Achtung sehr subjektiv und damit eine Gefahr auch bei denjenigen in der Weidetierkommission, die das dann entscheiden sollen – exorbitanter Arbeitseinsatz und Kosten für Material, technischer Aufwand, der über die jährlichen Kosten und die Grundeinrichtung bspw. einer Almfläche hinausgehen.

Das LfL hat das doch vor Jahren einmal berechnet. Wie realistisch diese Zahlen sind, mag ich nicht zu beurteilen, aber daran orientiert wäre es dann doch schlüssig: Veranschlagte Kosten LfL minus Kosten die ohne extra Herdenschutzaufwand geleistet werden müssten, ist gleich die Summe, die aus dem Fördertopf der Präventionszahlungen kommen muss. Und was heißt da dann unverhältnismäßig? Wenn die Zusatzkosten für beispielsweise Behirtung, Gesteinsbohrungen für das Zaunpfostensetzen etc. etc. gezahlt werden, ich externe Trupps anstellen kann, dann ist das doch für mich nicht mehr unverhältnismäßig. Alles eine Frage des Geldes.
Noch größer die Unklarheit bei „emotional unverhältnismäßig“. Der eine hält den schlimmsten Splatterfilm aus. Der andere verkrampft, wenn im Disney-Kitsch Rapunzel die Haare abgeschnitten werden.
Welche Psychologen sitzen in der Weidetierkommission, um das zu beurteilen?
Ergo: raus mit den Förderrichtlinien. Sie sollen ja schon gezeugt worden sein. Kursieren nun durch diverse Hände – ich hoffe die richtigen – und werden hoffentlich sehr bald das Licht der Welt erblicken.


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Erfahrungsbericht Einsatz Herdenschutzhunde und Rinder in Bayern

Herdenschutzhunde

Annäherung und Kontakt zwischen Herdenschutzhund und Rind – ein langer Weg, (Foto: C. Homburg)

von Stefanie Morbach

Eigene Erfahrungen in Sachen Herdenschutz sind bei uns in Bayern noch selten. Bislang gab es nur seltene, wenige Anlässe sich akut mit den Thema als Nutztierhalter zu befassen. Es waren einzelne Wolfsmeldungen in den letzten Jahren und wenige Risse, die tatsächlich auf die Tat eines Wolfes schließen liesen.
Der Wolf ist zurück in Bayern. Zwei Wölfe streifen gemeinsam durch den Bayerischen Wald. Mindestens ein Tier ist auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr seßhaft geworden. Hinzu kommen Einzeltiere, die immer wieder (und überall!) auftauchen können.

Auch in Bayern gibt es ein paar Nutztierhalter, die sich zum Teil seit Jahren mit den Möglichkeiten des Herdenschutzes auseinandersetzen. Ihnen ist bewusst, dass die Wölfe nach Bayern zurückkehren werden und möchten ihre Tiere bestmöglich schützen. Und dies ist ohne Erfahrung und Vorbereitung kaum möglich.

Letztes Jahr besuchte ich Chris Homburg im Norden von Bayern. Sie hält Hinterwälder Rinder. Seit 2016 gewöhnt sie zwei Kangals an ihre Herde. Tatsächlich ist bei den hunde-ungewohnten Rinder der Annäherungsprozess an ihre Aufpasser langwieriger als umgekehrt. Und auch die jungen Hunde müssen in ihre Rolle als Herdenschutzhunde hineinwachsen.

Auf der Seite des Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. berichtet Chris Homburg von ihren Erfahrungen und dem Stand der Dinge ihres Projektes. Ein wunderbarer Ansatz, der sicherlich früher oder später auch anderen Nutztier-/Rinderhaltern helfen wird. Solche Projekte und vorallem öffentlich für alle zugängliche Berichte sollte es mehr geben!

Hier nun ein Auszug aus dem neuen Bericht Herdenschutzhunde und Rinder von Chris Homburg (Ausführlicher Bericht hier)

Der aktuelle Stand sieht sehr gut aus – Rinder und Hunde finden immer mehr zusammen, die Wohlfühldistanz der Rinder, in der sie die Hunde akzeptieren, nimmt immer mehr ab und es finden schon regelmäßig freundliche soziale Interaktionen zwischen den Tierarten statt, die endlich auch mal von den Rindern ausgehen, bisher waren immer allein die Hunde die Initiatoren.  Auch in Sachen Herdenschutz stehen wir auf altersentsprechendem Niveau bereits gut da.

Das gegenseitige Belecken ist bei Rindern ein wichtiges Element im Sozialverhalten und gehört zu den wenigen Aktionen, bei denen der sonst eingehaltene Individual-Abstand unterschritten wird. Wegen des Beleckens und der Angewohnheit der Rinder alles mit ihrer Zunge zu bearbeiten, aber auch wegen der Hörner tragen die Mc`s mittlerweile keine Halsbänder mehr. Für den Fall, dass man sie mal anleinen muss, haben sich Retrieverleinen mit integriertem Zugstophalsband bewährt, die griffbereit parat hängen.

(…)

Herdenschutzhunde

Geht die Besitzerin den Rindern voran, wenn es auf die Weide geht, nehmen die Herdenschutzhunde eine Position am Ende der Herde ein. (Foto: C. Homburg)

Wenn man mit Herdenschutzhunden anfängt, bekommt man immer wieder den Satz „Die Hunde machen das schon“ zu hören. Je mehr sich dieser Satz mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen füllt, umso stimmiger wird er dann auch. Es ist immer wieder bemerkenswert, was in diesen,  gerade mal 11 Monate jungen Hunden jetzt schon alles an Fähigkeiten drin steckt – neben der enormen Leistung in Sachen Bindungsverhalten bei den Rindern, lassen sich schon sehr viele Herdenschutz-Elemente erkennen, die die Hunde je nach Situation und Lernerfahrungen immer weiter ausbauen und anpassen. Den bisher größten Entwicklungssprung haben die Mc`s dabei unmittelbar nach der Junghund-Unsicherheitsphase mit etwa 6 Monaten abgeliefert, ab da ging mit den Junghunden Vieles, was den Welpen bis dahin schon allein aufgrund der noch mangelnden körperlichen und „mentalen“ Fähigkeiten noch gar nicht möglich war. Grad, weil sie soviel leisten, darf man aber nicht vergessen, dass die Mc`s noch lange nicht fertig mit ihrer körperlichen und mentalen Entwicklung sind und man darf erst Recht nicht vergessen, wie unglaublich anstrengend die lange Integrationszeit bei den Rindern für die Hunde ist, da die Hunde da wirklich kontinuierlich auf Zack sein müssen, um drangsalierenden/übermütigen Rindern rechtzeitig aus dem Weg zu gehen. Kommt da dann noch anstrengende Herdenschutz-Arbeit hinzu, wie Wochenenden mit vielen Fremdhund-Spaziergängern, dichter Nebel mit viel Laufarbeit bei der Geländekontrolle, lustige Krähen, die sich einen Spass daraus machen, die Hunde zu ärgern oder wie  jetzt die noch neuen Ski-Langläufer, die den Hunden auch herdenschutztechnisch einiges abfordern, ist man schnell an einem Punkt, der die Hunde bei aller Leistungsbereitschaft noch überfordern kann.

(…)

Ich jedenfalls bin froh, dass wir den Schritt zum Herdenschutz mit Hunden bei unseren Rindern gewagt haben. Wir dachten ursprünglich, wir hätten sehr frühzeitig damit angefangen und hätten noch viel Zeit, bis es in Sachen Wölfen hier in Oberfranken richtig ernst wird. Aber mittlerweile häufen sich auch in Bayern die Wolfssichtungen und in 50 km Entfernung am TÜP Grafenwöhr scheint sich einiges zu tun, so dass wir wohl tatsächlich grad noch rechtzeitig mit den Hunden angefangen haben, um es den Hunden zu ermöglichen, sich in Ruhe mit den Rindern zu arrangieren und allmähliche, sich steigernde Herdenschutzerfahrungen machen zu können, bis es irgendwann wirklich ernst wird.

Dank McGee und McGyver können wir der weiteren Ausbreitung der Wölfe hier in der Region mittlerweile gelassen entgegen sehen und das ist ein Aspekt, der alles an Arbeit und Zeitaufwand, was wir bisher dafür geleistet haben, um ein Mehrfaches aufwiegt.

 

Aktuelles zur weiteren Entwicklung des Projekts finden Sie hier.

 


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Erstes Wolfspaar in Bayern nachgewiesen

Wolfspaar

Zwei Wölfe konnten gemeinsam auf einer Fotofalle im Nationalpark Bayerischer Wald dokumentiert werden (Foto: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)

Natürlich wurde es schon seit Wochen vermutet, nun haben aber die genetischen Analysen es auch bestätigt: durch den Bayerischen Wald zieht ein Wolfspaar. Damit ist das erste Rudel absehbar.

Die Rückkehr der Wölfe nach Bayern ist bekannter Weise nicht von allen gerne gesehen. Gerade für Nutztierhalter wird dies eine Umstellung sein. In vielen Bereichen – von Herdenschutz bis Präventionszahlungen – besteht Nachholbedarf.

http://www.lfu.bayern.de/presse/pm_detail.htm?ID=754

| Stefanie Morbach


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Der zurückgekehrte Wolf

Der zurückgekehrte Wolf

Zwei Wölfe konnten gemeinsam mit einer Fotofalle im Nationalpark Bayerischer Wald dokumentiert werden (Foto: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)

Seit einigen Wochen ist klar: es ziehen nicht mehr nur einzelne Wölfe durch das Land, mindestens zwei haben sich niedergelassen, einer davon auch einen Partner gefunden. (Monitoring Wolf Landesamt für Umwelt)

Und schon schlagen die (politischen) Wogen hoch. Was seit Jahren, gar Jahrzehnten absehbar war, scheint jetzt bei manchem doch Erstaunen hervorzurufen. Bayern ist umzingelt von Wolfvorkommen: Italien, Österreich (Niederösterreich), Tschechien, Sachsen… Quasi aus allen Richtungen kann der Wolf zurückkommen. Und er tut es auch.

Jüngst, mit Bekanntwerden des Wolfpaares (m, ?) im Bayerischen Wald, brachten alle (!) Landtagsfraktionen Eilanträge im Umweltausschuss des Bayerischen Landtages ein. Dringlichkeitsanträgen finden Sie hier. Stattgegeben wurden den Anträgen der CSU und der FW. Weiteres wird nun diskutiert. Sinnvoll und überfällig ist die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Herdenschutz. Reine Augenwischerei ist die Forderung nach Herabsetzung des Schutzstatus. Sicherlich kann man dies fordern, jedoch unterliegt dem Wolf diversen Schutzbestimmungen, u.a. FFH Richtlinien und damit EU-Recht. Dieses zu ändern dürfte wohl nicht in naher Zukunft möglich sein. Viel wichtiger und dringlicher ist die Prävention vor Übergriffen auf Nutztiere voranzutreiben. Was sind Minimalanforderungen, wie wird hier finanziell unterstützt…? Gefordert wurde „schnellstmöglich Fördermöglichkeiten für Präventionsmaßnahmen zu prüfen“. Die Prüfung allein reicht nicht aus. Daraus muss unmittelbar eine Umsetzung und Festlegung der Förderung hervorgehen.

Nicht zuletzt schlägt jetzt die Bayerische Staatszeitung in die Kerbe: Wolfsabschuss in Bayern Ja oder Nein? Es ist das Recht eines jeden, sich hier zu äußern und abzustimmen. Nur: bringen wird es nichts. Es ist kein Volksbeschluss ob er im Allgemeinen geschossen werden soll oder nicht, ob der Wolf bei uns leben kann oder nicht. Die Meldungen der letzten Jahre zeigen: er kann, will und wird. Nun gilt es vielmehr dies bestmöglich zu begleiten.

| Stefanie Morbach

 


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Luchs Alus streift noch immer durchs Revier

Luchs Alus

Projekt Bayern Wild, GLUS

Neues aus unserem Projekt Fotofallenmonitoring Luchs im Pinzgau. Wiederholt konnten wir Alus aufnehmen! Drei Ablichtungen sind diesmal gelungen. Es scheint so, als fühle er sich hier wohl.

 

 

Alle paar Monate werden die Fotofallenstandorte des Projektes kontrolliert. Wie bereits beim ersten Durchgang, konnte auch diesmal wieder der Luchs Alus abgelichtet werden, diesmal sogar an drei Standorten. Die Aufnahmen wurden in den Monaten November und Dezember 2016 gemacht.

Bei den Fotofallenkontrollen werden nicht nur die Bilder ausgelesen, sondern auch die Funktion der Kameras überprüft. Die professionellen Geräte ermöglichen eine lange Laufzeit, aber gerade im Winter sind die Bedingungen auch für die Technik eine Herausforderung. „Unsere Auftragnehmerin ist für alle Eventualitäten ausgerüstet, hat neue Speicherkarten, Batterien und Kameras bei ihren Kontrollen der Standorte dabei“, weiß Stefanie Morbach, Projektleiterin bei der Gregor Louisoder Umweltstiftung. Die Kontrollen sind im Winter in diesem Gelände nicht ohne weiteres möglich. „Wegen starkem Schneefall mussten wir diesmal die Kontrollen auf zwei Einsätze Anfang Januar und Anfang Februar verteilen. Daher können wir auch jetzt erst ein endgültiges Ergebnis, drei erneut geglückte Aufnahmen von Alus, melden“, erklärt Morbach. Ein weiterer Luchs wurde nicht aufgenommen. Viele weitere Wildtiere wie Fuchs, Reh- und Rotwild und Gämsen wurden ebenfalls fotografiert.

| Stefanie Morbach


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Zwei Wölfe durchstreifen gemeinsam den Bayerischen Wald

Wölfe

Zwei Wölfe konnten gemeinsam auf einer Fotofalle im Nationalpark Bayerischer Wald dokumentiert werden (Foto: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)

Mit der Pressemitteilung vom 1.2.2017 machte das Landesamt für Umwelt bekannt, was schon vermutet wurde: zwei Wölfe durchstreifen den Bayerischen Wald – gemeinsam, wie ein dazu veröffentlichtes Fotofallen-Bild des dortigen Nationalparks zeigt.

Handelt es sich bei den beiden Tieren um Männlein und Weiblein wird der erste Nachwuchs und damit das erste bayerische Wolfsrudel nicht lange auf sich warten lassen.

Dringlichkeitsanträge zum Umgang mit dem Wolf (Management, Herdenschutz) aller Landtagsfraktionen werden heute im Umweltausschuss des Bayerischen Landtages verhandelt. In Kürze werden wir dazu einen ausführlichen Blogbeitrag veröffentlichen.

| Stefanie Morbach


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Straftaten an Luchsen

Straftaten an Luchsen: Abgetrennte Luchspfoten bei Cham im Lamer Winkel

Abgetrennte Luchspfoten bei Cham im Lamer Winkel

Straftaten an Luchsen: Werden die Straftaten nun aufgeklärt? Erstmal wurde eine Hausdurchsuchung im Bayerischen Wald durchgeführt. Es besteht Anfangsverdacht gegen einen Bauern und Jäger der Region.

Die illegale Tötung von Luchsen in Bayern hat in den Medien wieder großen Wiederhall gefunden. Diesmal – soweit bei dem Thema überhaupt möglich – im positiven Sinn. Im Fall der abgetrennten Luchsläufe (2015) scheint es erste konkrete Hinweise zu geben.

Wie schon oft auf unseren Seiten berichtet nimmt das illegale Töten geschützter Tierarten ein höheres Ausmaß an, als bislang gedacht. Unsere Blogbeiträge dazu finden Sie hier. Berühmtheit erlangten in Bayern v.a. die getöteten Luchse.

Straftaten an Luchsen:

2012 die besenderte Luchsin Tessa wurde vergiftet
2013 trächtige Luchsin wurde mit Schrot geschossen
2015 Luchsläufe zweier Luchse (m,w) wurden aufgefundeN
2015 junge Luchsin wurde erdrosselt am Straßenrand aufgefunden

Mangels ausreichender Beweise konnten bislang keine gezielten Ermittlungen im Sinne von Hausdurchsuchungen durchgeführt werden. Dies hat sich nun im Fall der abgetrennten Luchsläufe geändert. Die Hinweise scheinen nun ausgereicht zu haben: erstmals gab es eine Hausdurchsuchung im Landkreis Cham (Dez. 2016). Verschiedene Medien haben bereits darüber berichtet

http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/luchs-toetung-ohr-als-trophaee-100.html

http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.anwesen-durchsucht-luchs-toetungen-polizei-hat-eine-spur.1617fe94-cdb3-4d50-aeec-8e0399bdc61b.html

http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/ermittlungen-zu-zerstuckeltem-luchs_536973

http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/luchs-toetung-durchsuchung-landkreis-cham100.html

Nach Meldungen der Medien scheint es sich um einen Bauern und Jäger zu handeln, bei dem Polizei und Staatsanwaltschaft nun vorbeigeschaut und Waffen sichergestellt haben. In wie weit sich der Anfangsverdacht erhärtet, wird sich zeigen. Dennoch: die Aktivität und Präsenz der ermittelnden Behörden ist ein großer Schritt und ein wichtiges Zeichen. Bislang konnte in keinem der bayerischen Fälle, abgesehen von Befragungen, weiter ermittelt werden.

Die Arbeit der Naturschutzverbände hat sicher maßgeblich dazu beigetragen. In den letzten Jahren wurde die Bedeutung, das Ausmaß und die mangelhafte Ermittlungsarbeit immer wieder thematisiert. Es hat sich viel getan: das Interesse und die Aufmerksamkeit wurde gesteigert. Medial hat gerade der Bayerische Rundfunk dem Thema mehrmals Beiträge gewidmet. Auch jetzt wird wieder ein Beitrag dazu ausgestrahlt (BR, Samstag 17.12.2016, 18.45Uhr). Sicherlich ist dadurch auch der Druck auf die Region und die Behörden gewachsen. Zum Positiven, denn viele heißen die Taten aus Gründen des Artenschutzes, der Verbundenheit zur bayerischen Heimat und aus moralischen Gründen nicht gut.

Das Projekt „Bayern Wild“ setzt sich dafür ein das Thema immer wieder aufzubereiten und nicht locker zu lassen. Mit Partnern aus dem Naturschutz, aber auch im Kontakt mit Naturschutz- und Polizeibehörden wurden immer wieder Gedanken ausgetauscht (bspw. Tagung Naturschutzkriminalität) und der Kontakt gepflegt. Über Informationsarbeit in Presse und an Infoständen wurde immer wieder auf Taten und mangelnde Beweise hingewiesen. Mitarbiterin Stefanie Morbach gab dazu unlängst sein Interview, nachzuhören hier in der Sendung vom Oktober 2016 “Tatort Wald“.

| Stefanie Morbach

 


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Aktiv für den Herdenschutz

Anfang September trafen sich erstmals Interessierte aus Bayern, um sich Gedanken zu machen, wie Nutztierhalter beim Herdenschutz unterstützt werden können.  In anderen Bundesländern gibt es bereits die Initiative “Wikiwolves”, die mit ihren Freiwilligen-Einsätzen v.a. Schafhaltern beim Zaunbau hilft. In Bayern gibt es erste Überbelegungen hierzu, eine Struktur ist noch nicht aufgebaut.

Herdenschutz

Erstes Treffen und Lageplanbesprechung am Materiallager.

Wie können wir Nutztierhaltern aktiv helfen, wenn sie ihre Herde möglichst sicher vor Übergriffen von Großen Beutegreifern – in erster Linie Wölfen – einzäunen wollen? Dies war eine zentrale Frage, die Anfang September in einer bunten Runde aus Schafhaltern, Vertretern von Naturschutzverbänden und Wolfsgruppen diskutiert wurde.

Mit der Rückkehr der Wölfe nach Bayern wird auch das Thema Herdenschutz immer präsenter und wichtiger. Gerade die Schafhalter sind hier vor große Fragen, mögliche größere Investitionen und Veränderungen ihrer bisherigen Bewirtschaftungsweise gestellt. Es gibt fachliche Informationen und Unterstützung von Seiten der Schafverbände und Behörden. Weitere finanzielle Hilfe bei der Prävention gibt es nicht. Erst im Fall eines bestätigten Risses gibt es Ausgleichszahlungen.

Herdenschutz

Bislang ist die Fläche nur von Rindern genutzt. Bald sollen auch Schafe hier weiden.

Bei dem Treffen in der Nähe von Mühldorf auf einem Bio-Milchviehbetrieb wurde eine Rinderweide möglichst Schafausbruch- und Wolfseinbruch-sicher gemacht. Auf die Weide sollen im Herbst 25 Waldschafe einziehen. Die Schafhalterin steigt in den Milchviehbetrieb ein und nimmt ihre Schützlinge mit. Dabei war die Überlegung: Wenn sowieso ein Zaun für Schafhaltung gezogen werden muss, warum dann nicht gleich nach Kriterien des Herdenschutzes?! Eine gute Möglichkeit Interessierte aus anderen Bereichen dazu zuladen: zum Helfen und zum Austausch zu weiteren Überlegungen zum Thema “aktiv im Herdenschutz” für Bayern.

 

Herdenschutz

Pfosten wurden im Abstand von 6-8m gesetzt. Später werden dann 4 Litzen gezogen.

Die Gruppe arbeitete an der Rinderweide. Bislang wurden hier 1-2 Strom-Litzen geführt. Es wurden weitere T-Post Metallpfähle gesetzt. Der Abstand der Pfosten beträgt nun 6-8m, Isolatoren wurden zur Litzenführung auf 20, 43, 70, 100cm gesetzt. Spannung am Zaun: 4000V.

Erfahrung:

Gerade bei einem ersten Arbeitseinsatz mit vielen unbekannten Variablen ist viel Zeit notwendig: fehlende praktischer Erfahrung mit Zaunsystem, individuelle Problemlösung an Ort und Stelle. Da der Nutztierhalter auch der Entscheidungsträger ist, ist dauerhafte Anwesenheit und Ansprechbarkeit unumgänglich.

Je mehr Erfahrung die Tierhalter als auch Freiwillige haben, desto schneller. Diskussion, Austausch und „Erarbeitung“ vor Ort gibt den Freiwilligen einen guter Einblick in die Arbeit. Für einen effektiven Einsatz sind wichtig:

 

  • Gute Vorbereitung durch Betrieb bzw Koordinationsstelle für den Einsatz (Material, ggf Hinweise an Freiwillige was an Arbeitsausrüstung mitzubringen ist, Plan was wie zu tun ist)
  • eventuell ist eine Einweisung in das jeweilige Zaunsystem notwendig
  • Wünschenswert: Verpflegung vor Ort

Herdenschutz

Auch der Erfahrungsaustausch war wichtig: Schafhalter und Vertreter von Gesellschaft zum Schutz der Wölfe und Wolfsbotschafter im Gespräch.

Freiwilligeneinsätze bieten eine gute Möglichkeit in Kontakt zu kommen. Die Helfer bieten ihre Arbeitskraft an und erfahren aus erster Hand die Umstände zu Tierhaltung, Weidesystem und Herdenschutz.

In Bayern hat sich eine kleine Gruppe gebildet, die weiter daran arbeiten will, Nutztierhaltern beim der Umsetzung des Herdenschutzes aktiv zu helfen. Zum Aufbau einer solchen Struktur werden weitere Gespräche mit dem Landesverband Bayerischer Schafhalter und der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe geführt.

 

 

 

Weiterführende Information:

Empfehlungen Herdenschutz Landesamt für Umwelt in Bayern.

 

| Stefanie Morbach

 

 


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Rückkehr der Wölfe nach Bayern

Die Rückkehr der Wölfe nach Bayern ist kein Geheimnis. Die bestätigten Hinweise nehmen in letzter Zeit zu. Einen Überblick gibt die aktuelle Tabelle des Landesamtes für Umwelt in Bayern. Aus aktuellem Anlass – dem achten Hinweis in diesem Jahr (Stand Sept 2016) – weisen wir gerne nochmals darauf hin.

Fotofallenaufnahme Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr am 5.9.2016. (Foto: Bundesforstbetrieb Grafenwöhr) - Wölfe

Fotofallenaufnahme Wolf auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr am 5.9.2016. (Foto: Bundesforstbetrieb Grafenwöhr)

Anfang September war ein Wolf in eine Fotofalle auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr (Oberpfalz) gegangen. Genaue Angaben zu Abstimmung und Geschlecht konnten (bislang) nicht gemacht werden. Hinweise aus der Region gab es nach Angaben des Landesamtes für Umwelt bereits seit einigen Monaten.

Die immer wieder auftretenden Wolfmeldungen scheinen in Bayern langsam zur Gewohnheit zur werden. Kann man dem Eindruck der Medien glauben, so sind Jäger und Landwirte in der Region entspannt. Je nach Region, Haltungsform von Nutztieren und Vorkommen von Wildtieren wird die Präsenz des Wolfes unterschiedlich ins Gewicht fallen und mögliche Umstellungen in Kopf und Praxis erforderlich machen. In allen Fällen gilt, sich nun mit der Thematik auseinanderzusetzen!

Die offizielle Pressemitteilung Landesamt für Umwelt finden Sie hier.

| Stefanie Morbach

 


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