Vorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) äußert sich gegen geschützte heimische Wildtierarten Bär, Wolf und Luchs

Vorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) äußert sich gegen geschützte heimische Wildtierarten Bär, Wolf und Luchs und macht damit die Arbeiten des BJV im Bezug auf Artenschutz unglaubwürdig. Der BJV wurde um eine Stellungnahme gebeten. Diese ist bis zur Veröffentlichung dieses Beitrages nicht eingegangen und wird, sobald sie vorliegt, hier veröffentlicht.

heimische WildtierartenProf. Dr. Jürgen Vocke, Präsident des BJV, hat sich mit seinen Äußerungen auf einer Veranstaltung in Krumbach zum Thema Große Beutegreifer auf dünnes Eis begeben. Im Bezug auf große Beutegreifer meint er: „Sie passen einfach nicht in eine derart übernutzte Landschaft mit beispielsweise 144 000 Straßenkilometern.“ Des Weiteren ist in der Frankenpost zu lesen , dass Vocke eine Gefahr mit Großraubtieren sieht: für eine weitere Zunahme der Wildunfälle im Straßenverkehr, für Schafe und auch für den Menschen. Im Nordbayern Kurier wird er zitiert: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob ein Tier wie der Wolf noch in unsere übernutzte Natur passt“, sagt Vocke. Er sagt: „Wenn der Wolf in unseren Wäldern wieder heimisch wird, haben wir schlagartig keine Jogger, keine Geocacher und keine Mütter mit Kindern mehr im Wald. Darauf gebe ich Ihnen mein Wort.“ Die Frage stellt sich nicht, denn Vorkommen von Luchsen (Bayerischer Wald, Harz) und Wölfen (Brandenburg, Sachsen, Sachens-Anhalt, Niedersachsen..) in freier Wildbahn bestätigen, dass die Tiere geeigneten Lebensraum finden und wieder besiedeln. Die Furcht vor dem Wolf zu schüren und leere Wälder zu prophezeien ist vollkommen überholt und basiert auf keiner fachlichen Grundlage. Was natürlich nicht bedeutet den Wildtieren nicht mit angemessenem Respekt und gesunder Vorsicht zu begegnen. „Erst der Mensch macht aus dem Wolf eine Bestie“, meint Ulrich Wotschikowsky und fasst einige Studien zur Gefahr durch Wölfe in einem Beitrag zusammen.

Der BJV rühmt sich anerkannter Naturschutzverband zu sein und für den Schutz der heimischen Tierwelt einzustehen und zu sorgen. In der Diskussion um die illegalen Tötungen geschützter Tierarten wie Beispielsweise dem Luchs hatte sich der BJV klar distanziert und in einer Resolution aller Kreisgruppen gefordert: „Stopp! Naturschutzvergehen muss der Riegel vorgeschoben werden genauso wie diesbezüglichen Vorverurteilungen der Jägerschaft!“ Von „ungerechtfertigten Schuldzuweisungen, die das weitreichende und langjährige Engagement des BJV zur Förderung insbesondere der geschützten Tierarten missachten“ ist die Rede. Mit seiner Aussage gegen Große Beutegreifer hat BJV Präsident Vocke die Absichten des BJV gezeigt: die Weste der Jäger des BJV rein zu halten und keine ernsthaften Absichten die Bemühungen um den Erhalt bzw. der Rückwanderung der große Beutegreifer in Bayern voranzutreiben.

Der BJV ist über die Wildlandstiftung Mitglied in der Trägergemeinschaft Große Beutegreifer, die das Luchsprojekt im Bayerischen Wald unterstützt und Ausgleichszahlungen im Schadensfall ermöglicht. Die Bemühungen der letzten Monate durch klare Positionierung gegen Naturschutzkriminalität (getötete Luchse), Resolution und Teilnahme an Podiumsdiskussion zu diesem Thema sind mit der Aussage gegen große Beutegreifer in Bayern unglaubwürdig. Eine ernsthafte Zusammenarbeit der Naturschutzverbände und des BJV ist damit hinfällig. Mit dem vom BJV selbst zugesprochenen „weitreichenden und langjährigen Engagement“ scheint es nicht weit her zu sein. Dies enttäuscht sicherlich auch eine Vielzahl der Jäger.

Reaktionen dazu in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 17.11.2015.
Reaktion des BUND Naturschutz in Bayern e.V. vom 24.11.2015

Nachfrage an Prof. Vocke:
Auf Nachfrage prazisierte und ergänzte Prof. Vocke seine Aussagen.
Prof. Vocke: „Die Meldungen über die Zuwanderung von Wolf und Luchs in Bayern nehmen zu. Der Bayerische Jagdverband mit seinen rund 47.000 Jägerinnen und Jägern verfolgt diese Entwicklung mit Interesse und steht voll hinter dem hohen Schutzstatus der großen Beutegreifer. Die Rechtslage ist eindeutig. Illegale Verfolgungen werden vom BJV strikt abgelehnt.  Allerdings geben wir zu bedenken, dass das dicht besiedelte Bayern mit seiner vom Menschen geprägten Kulturlandschaft kaum den richtigen Lebensraum für die großen Beutegreifer mehr bieten kann. Ziel muss es deshalb sein, die Rahmenbedingungen für Wild und Jagd so zu gestalten, dass die Rückkehr des Wolfes nicht zu Verwerfungen führt. Daher ist es unserer Meinung nach notwendig, mit allen, von der Zuwanderung betroffenen Verbänden gemeinsame Lösungsstrategien zu erarbeiten.“


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Comments

  • Uwe sagt:

    Herr Vocke ist wohl ein klassischer Vertreter der Lodenfraktion. Ja, es gibt auch hier andere, aber leider in der Minderheit. Er sieht sich als Krone der Schöpfung und selbst ganz weit oben – mit dem SUV durch den Wald pflügen und mit der Knarre in Hand als Herr über Leben und Tod. Konkurrenz durch evolutionär ältere Beutegreifer geht für ihn gar nicht. Er ist offensichtlich ein akuter Fall für eine andere akademische Disziplin.

  • Gerhard W sagt:

    Als Verbandspräsident disqualifiziert ? Ich denke in diesem Fall ja !
    Eine persönliche Meinung sei freigestellt, aber nicht in der Form, dass ausgerechnet den Wilderern auch noch Argumente zugespielt werden. Und Panikmache ist offensichtlich ein Grund für Schlagzeilen.
    Damit verhält sich Herr Vocke wie ein Politiker : erst gross Wind machen und dann, wenn Widerspruch kommt, zurückrudern.
    Und Politiker haften ausser mit ihrem (guten?)Ruf nicht für die Aussagen von gestern.
    Dabei ist bei näherer Betrachtung das Argument der dichten Besiedelung nicht nur in Bayern ein Thema. Und trotzdem gibt es für Wildtiere in unserer „Kulturlanschaft“ noch Flächen, die bei gutem Willen und der Zusammenarbeit aller Beteiligten ein Leben ermöglichen–auch mit Hilfe von privaten Flächen. Die Novellierung des Jagtrechts z.B. in Baden-Württemberg hat hier einiges bewegt, auch gegen den Widerstand der etablierten Jagtgemeinden.
    Ich würde gern Herrn Vocke einen Bären aufbinden — wie wäre es mit „Bruno „, der ist jetzt leider etwas ungefährlicher !

  • Thomas Münch sagt:

    Bei uns kann man auch so schon schwer genug durch den Wald joggen, geschweige denn, Mütter und Kinder sind im Wald unterwegs. Aber nicht, weil dort Wolf, Luchs und Co. auf diese ,,lauern“, sondern, weil ständig irgendwelche Jagdpächter o.ä. mit ihren Geländewagen die noch einigermaßen begehbaren Waldwege aufwühlen. Die anderen Waldgebiete werden in unregelmäßigen Abständen gesperrt, weil dort mit riesigen Harvestern der Wald geerntet wird. Die Menschen hier im Ort gehen nicht in den Wald aus Angst vor wilden Tieren, sondern aus Angst vor Jägern, die auch schon mal drohen. Beim nächsten Mal……

  • Xenia Riedl sagt:

    Ich finde es sehr traurig, dass man den wenigen großen Beutegreifern, die ihren Weg wieder nach Deutschland finden, keinen Platz gönnen will. Wie steht es denn mit den Massen von streunenden Hauskatzen, die Vögel töten, und den wildernden Hunden, die für Mensch und Haustier eine wesentlich größere Gefahr darstellen als z.B. Wölfe? Und Wildunfälle ereignen sich ja wohl doch eher mit Rehen und den durch Maisanbau gemästeten Wildschweinen als mit Bären!

  • Krämer Andreas sagt:

    Ob sich der Präsidente jemals gefragt hat, ob er und allgemein der Mensch in die Natur passt?
    Schließlich sind wir der größte Beutegreifer!
    Wir haben 144000km Strasse verbrochen.
    Und jeden Tag mehr…
    Nur um noch schneller von A nach B zu kommen.
    Traurig.
    Gruß
    Krämer Andy

  • Johann Pollinger sagt:

    Ich habe vor knapp 2 Wochen dem BJV eine Petition mit 1.864 Unterschriften überreicht und ihn aufgefordert, Stellung zu beziehen zu den Wildereifällen aus den eigenen Reihen bzw. sich an die Spitze eines Wiederansiedlungsprojektes für den Luchs zu setzen. Bislang keine Reaktion. Die Naturschutzverbände sollten sich dafür einsetzen, dass dem BJV der Status einer Naturschutzvereinigung aberkannt wird. Die Äußerungen seines Präsidenten sind dafür entlarvend genug.

    • Peter Luchs sagt:

      Unter den Jägern finden sich sehr seltsame Menschen.
      Manche werden nur Jäger wegen dem Waffenschein.
      Besonders der Waffenkult ist äusserst fragwürdig.
      Genauso die eigenartigen Ideologien in manchen Köpfen.
      Habe sehr gemischte Erfahrungen mit einigen Jägern gemacht.

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