Der Wolf im Spannungsfeld von Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Tourismus und Artenschutz von Klaus Hackländer (Herausgeber) – Teil 7

 

Teil 7 Reguliert der Wolf das Schalenwild von Christine Miller

Dr. Christine Miller ist Wildtierbiologin und Journalistin aus Bayern. http://www.christine-miller.de/

Christine Miller sieht den Wolf als Projektionsfläche – für Gut und Böse. Den übertriebenen (gute) Einfluß auf Waldentwicklung und tropische Kaskaden sieht sie kritisch. Da Studien oft nur kurze Aspekte im Gesamtsystem betrachten. Zentral ist natürlich die gegenseitige Einflussnahme zwischen Jäger und Beute. In einer Untersuchung an der Universität für Bodenkultur in Wien wurde versucht die Vielzahl an weltweiten Studien zusammenzutragen und die Einflussnahme von Wölfen auf Schalenwild herauszuarbeiten. 200 Studien wurde dazu näher betrachtet.

Einfluss von Beutegreifern

Fünf ebenen definiert Miller, auf denen Wölfe direkte und indirekt Einfluss auf Beutetiere nehmen.

  1. Stressreaktionen mit Auswirkungen auf Stoffwechsel, Immunsystem, Fortpflanzung
  2. Verhaltensreaktion mit Auswirkung auf Einstände, Wachsamkeit, Raum- Zeit-Nutzung, Sozialgefüge
  3. Dynamik Beutepopulation mit Auswirkung auf Sterblichkeits- und Geburtenrate
  4. Konkurrenzverhältnisse mit Auswirkung auf das Artengefüge
  5. Evolutionsprozesse mit Auswirkung auf genetische Veränderung/Erbanlagen

Gerade die letzten beiden Punkte bedürfen eines langen Betrachtungszeitraumes.

Können Wölfe krank machen?

In der Wildbahn ist es ein ewiges fressen und gefressen werden. Miller ergänzt hier den schönen Satz “Das Leben in der Natur ist kein Ponyhof.“
Anmerkung am Rande: Wer schonmal auf einem Ponyhof war, weiß, dass es auch hier ein Hauen und Stechen gibt. Zwischen den Ponys und auch zwischen den großen und kleinen PonyliebhaberInnnen…

Kurz: Stress gehört zur Natur der Sache. Es gibt wenige Studien, eine davon in Polen, die sich mit der Auswirkung von Stress (und ob dieser in wie weit überhaupt erfolgt und wie lang er anhaltend ist) auf Stoffwechsel, Immunsystem, Nahrungsaufnahme etc. befassen. Die polnische Studie zeigte, dass Rot und Rehwild in Wolfsgebieten weniger Stresshormone freisetzte als in  Gebieten mit hohem menschlichen Jagddruck.

Anmerkung: Im Nationalpark Bayerischer Wald läuft derzeit eine Arbeit über das Verhalten von Schalenwild in Gebieten mit und ohne Beutegreifer und it und ohne Jagd. Mehr dazu hier: https://www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de/forschung/projekte/raubtiere_wald_wild_konflikt.htm

Wölfe als Auslöser von Verhaltensänderungen

Beutegreifer wollen nicht gefressen werden. Ganz logisch eigentlich. Dafür bildeten sich im Lauf der Zeit grundlegende Verhaltensmuster heraus:

  1. Aufmerksamkeit, wenn notwendig: fliehen
  2. Wahl der Aufenthaltsorte (Ruhe, Fressen) nach Aspekten: guter Überblick oder gute Versteckmöglichkeit
  3. Änderung Sozialgefüge: größere Gruppen oder auch kleiner Gruppen
  4. Raum-Zeit Gefüge: andere Zeiten, Flächen variieren, um „unerechenbar“ zu bleiben

All diese Möglichkeiten können in unterschiedlicher Intensität und Zeitdauer auftreten. Ob sich Hirsche nach erfolgtem Riss dauerhaft aus einem Gebiet zurückziehen oder kaum reagieren ist nicht pauschal vorhersehbar.

Haben Wölfe einen Einfluss auf die Auswahl von Gebieten ihrer Beutetiere? Wieder zieht Miller die polnische Studie heran: hier meidet Rotwild dichte, unübersichtliche Bereiche zum Fressen. Nicht zu unterschätzen ist auch der menschliche Einfluss. „…Wolfsgebiete werden von Rotwild nicht generell gemieden.“
Beispiel aus den Karpaten zeigt, dass es im Sommer keine Strategieänderung gab. Im Winter gab es zwei Varianten: Verbleib in Hochlagen über 700m mit Aufsuchen risikoarmer Gebiete oder Schutz durch größere Gruppe. Oder Abwanderung in niedrigere Lagen mit weniger Futterverfügbarkeit, aber geringerem Risiko eines Wolfsangriffes.

Anmerkung: Sicherlich stellen Wildtiere keine klassische Kosten-Nutzen Kalkulation auf. Dennoch gibt es eine Art Abwägen zwischen Risiko und Vorteil, die das Verhalten der Tiere beeinflusst.

Es gibt Studien die zeigen, dass Beutetiere /Rotwild/Wapiti bei Wolfspräsenz Offenflächen eher nutzen, aber auch die Untersuchungen, die das Gegenteil herausgefunden haben.
Wir merken an (wie schon oft in dieser Reihe): alles Natur… es kommt eben drauf an…

Erfahrungen aus Niederachsen zeigen, dass die Rotwildgruppen eher in offenes Flächen wandern. Ein natürliches Verhalten, dass ihnen besseren Überblick und Fluchtmöglichkeiten schafft. Untersuchungen aus dem italienischen Alpenraum zeigt allerdings, dass Risse v.a.  in steilem offenem Geländer stattfand. Daraufhin verschoben sich die Aktivitäten der Beutetiere in waldreichere Gebiete.

In Deutschland werden eher größere Rotwildrudel beobachtet, im Vergleich zur Zeit vor der Wiederbesiedlung durch den Wolf. Dies gilt vor allem für offenen Landschaften. Es scheint aber unterschieldich hohe Dichten in unmittelbarer Nähe zueinander zu geben, wie aus Befragungen von Jägern, Förstern und Wissenschaftlern in Deutschladn und der Solwakei hervorgeht. Einheitlich ist, dass die Tiere aufmerksamer werden und vermehrt sichern. Sie zeigen größere fluchtdistanzen und reagieren auf geringe Störungen. Ihr verhalten wird unregelmäßiger. Manchenorts bilden sich Großrudel, die sich teils nur zur Futteraufnahme zusammenschließen, dann wieder aufteilen. Es kommt aber auch zur Bildung kleinerer Rudel, die mobiler und weniger sichtbar sind.

Die Verteilung vieler Winterfütterungen erscheint Miller sinnvoll, da nach Rissereignissen die Tiere die Futterstelle wechseln können. Wintergatter seien nicht emrh sinnvoll. Eine gute Zäunung der Flächen ist nahezu unmöglich.

Mehr Wölfe weniger Wild?

Die Entwicklung der Rotwildpopulation ist nicht klar vorhersehbar.  Viele Faktoren spielen eine Rolle. Da die Populatioszahl der Beutetiere oftmals schlecht zu analysieren ist, ich auch eine Einwirkung auf die Anzahl durch den Wolf schwer zu sagen.
Einfluss besteht nicht nur durch das Gefressenwerden, sondern auch durch Risikoeffekte, wie sie Miller nennt: Verhaltensänderung, Energieaufwand, Auswirkungen auf Fitness der Beutetiere (in Folge dann Parasiten, Krankheiten). Auch dei Bejagung durch den Menschen spielt eine Rolle.

Einfluss auf kleinere Schalenwildarten

Damwildvorkommen in Ostdeutschland sind mit Anwesenheit der Wölfe zurückgegangen. Hier spielt wohl Die “Ortstreue” der Tiere eine Rolle.
Gämsen sind laut Miller rückläufig. Unabhängig vom Wolf. Die Anweseneheit großer Beutegreifer wird diese Populationen weiter belasten.
Muffelwild verschwindet in Regionen mit Wölfen.
Wildschweine sind gerade in den Westalpen und dem Apenin eine Hauptbeute der Wölfe. Wölfe richten ihre Hauptbeute nach der Verfügbarkeit. Ob Wölfe hier einen Einfluss auf die opulationsentwicklung der Wildschweine haben ist nicht klar.

Trophische Kaskade

Wölfe als Hetzjäger selektieren. Schwache Tiere fallen ihnen leichter zum Opfer. Wölfe können Strukturen in der Landschaft (auch menschengemachte) nutzen, um Beute zu machen. Die Gesundheitswirkung (in dem schwache Tiere herausgenommen werden) von Wölfen ist also wieder abhängig von Landschaft, Aufenthalt der Beutetiere, Dichte.

“Wir sollten uns hüten, einzelne Arten mit unseren Vorstellungen, Wünschen und Sehnsüchten zu belasten.”

WEITER ZU TEIL 8

 

 

 

 

 


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Länder kooperieren beim Umgang mit Wölfen – wird sich Bayern anschließen?

von Franziska Baur

Der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller hat Anfang März eine enge Zusammenarbeit der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland im Umgang mit Wölfen angekündigt. „Mit unserem länderübergreifenden Konzept erweitern wir unser Wolfsmanagement um einen wesentlichen Faktor und tragen dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und der Landwirtschaft Rechnung“, statiert der für den Natur- und Artenschutz im Land zuständige Minister.

Umgang mit Wölfen

Herdenschutzhund Maremmano Abruzzese

Baden-Württemberg steht – wie auch Bayern – vor der Herausforderung, dass sich Wölfe weiterhin ausbreiten. Da diese Tiere sehr mobil sind und sehr weiter Strecken zurücklegen können, liegt eine länderübergreifende Zusammenarbeit nahe. Ziel des gemeinsamen Konzepts sei ein umfassendes Wolfsmanagement, das sowohl Nutztierhalterinnen und -halter und deren Tiere und wirtschaftliche Existenz schütze, als auch dem Artenschutz gerecht werde. „Wir haben vereinbart, uns dabei gegenseitig zu unterstützen, Kenntnisse auszutauschen, Erfahrungen und Knowhow zu teilen sowie Personal bereitzustellen.“, kommentiert Untersteller.

Eine gemeinsame Managementgruppe soll den gegenseitigen Informationsaustausch – über Wolfssichtungen oder das Verhalten einzelner Tiere – gewährleisten und Aktivitäten zum Schutz von Nutztieren und Menschen koordinieren. Dabei geht es darum, wandernde Wölfe im Rahmen des Monitorings effektiver zu beobachten. Einzelne Wölfe sollen besendert werden, um ihre Wege nachvollziehen zu können oder auch um verhaltensauffällige und potenziell gefährliche Tiere bei Bedarfsfall leichter entnehmen zu können. Die Entscheidung, ob eine Ausnahme nach dem Bundesnaturschutzgesetz möglich ist und ein Wolf geschossen werden kann, bleibe aber weiterhin jedem Bundesland selbst überlassen. Die Kosten für den Einsatz des Eingreifteams würden untereinander aufgeteilt.

Nach Untersteller könnten sich weitere Bundesländer jederzeit an der Zusammenarbeit beteiligen, er könne sich beispielsweise vorstellen, ein Land wie Bayern in die Kooperation einzubeziehen.

Das erste Rudel ist in Bayern seit 2017 bestätigt und mit weiteren Rudelgründungen ist dieses Jahr zu rechnen. Gerade für Weidetierbetriebe erfordert dies eine Umstellung und ein Umdenken. Die bayerische Politik und insbesondere die zuständigen Behörden (LfU, LfL) sind jetzt in der Pflicht zu handeln. Dazu müssen Präventionsmaßnahmen, die landesweite Beratung der Weidetierhalter und ein professionelles Wolfsmanagement etc. umgehend in Kraft gesetzt werden. Dies alles kostet Geld und Zeit, daher müssen die Nutztierhalter umfassend und professionell von den Behörden unterstützt werden.

Leider lässt diese Umsetzung nach der bitteren Kabinettsentscheidung Ende Januar weiterhin auf sich warten und dies auf Kosten der bayerischen Weidetierhalter.

Umgang mit Wölfen: Ein länderübergreifendes gemeinsames Management, bei dem sich auch Bayern anschließt, wäre eine neue Chance und von unserer Seite ausdrücklich zu befürworten.

 


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Erstes Wolfsrudel in Bayern: 3 Jungtiere im Bayerischen Wald nachgewiesen

von Franziska Baur

Wolfsrudel in Bayern - Wolfswelpen Bayern

 

Wolfsrudel in Bayern: Behörden hatten 10 Jahre Zeit, sich mit professionellen Strukturen und Angeboten im Bereich Herdenschutz vorzubereiten

Nach der Bestätigung zweier Wolfspaare in Bayern – auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr und im Bayerischen Wald – hat sich nun der erste Nachwuchs dreier Welpen von letzterem Pärchen gezeigt. Im Februar 2017 wurden dort erstmals zwei Wölfe gemeinsam mit einer Wildtierkamera abgelichtet. Weitere genetische Analysen ergeben die Anwesenheit von einer Fähe aus der zentraleuropäischen Tierlandpopulation und einem Rüden aus der südwestlichen Alpenpopulation. Eine baldige Rudelbildung wurde erwartet und hat sich nun durch das Video einer automatisierten Wildtierbeobachtungskamera bestätigt.

Wir freuen uns über die erste Rudelgründung, ist sie doch ein Zeichen für jahrelange Artenschutzbemühungen. Wölfe brauchen, anders als oftmals propagiert, keine menschenleere Wildnis. Möglich, dass der Mensch sie lieber dort hätte, richten sie für ihn dort weniger Schäden an und sind fernab seiner Komfortzone.

Nichts desto trotz müssen wir uns weiterhin naturschutzfachlich und politisch mit der Rückkehr und Wiederansiedlung befassen. Wölfe werden nicht überall und für jeden unsichtbar und unbemerkt bleiben. Laut einer NABU Umfrage sprechen sich 80% der Bevölkerung in Deutschland für Wölfe in Deutschland aus (https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/19530.html). Mag sein, dass diese 80% (vermutlich weitaus mehr) niemals direkten oder indirekten Kontakt mit Wölfen haben werden. Dennoch ist dies kein Argument gegen das Ergebnis. Es entspricht einer Demokratie, den Wunsch der Mehrheit gerecht zu werden. Was durchaus nicht bedeutet, dass die Minderheit, die tatsächliche Probleme und Umstände haben könnte, allein gelassen werden soll.

Was machen wir nun mit dem ersten Wolfsrudel in Bayern?
Nichts. Wie in den anderen Bundesländern, in denen bereits Wölfe und Rudel ansässig sind, werden sich auch die hiesigen Wölfe vermehren und deren Nachkommen neue Gebiete besetzen, sofern sie geeignet sind und man sie lässt. Die Rudelgründung ist keine Überraschung. Bayern ist umringt von Wolfsgebieten (Sachsen und andere Bundesländer, Tschechien, Österreich, Italien, Slowenien, Slowakei, Schweiz). Somit war es nur eine Frage der Zeit bis sich einzelne Tiere hier sehen lassen. Seit vielen Jahren werden immer wieder Einzeltiere nachgewiesen, seit 2014 mehrmals jährlich. Wölfe sind bei uns streng geschützt. Solange der hohe Schutzstatus (EU Recht) besteht, ist die Störung, das Nachstellen und Töten verboten. Ausnahmen regelt der Managementplan: https://www.bestellen.bayern.de/application/eshop_app000009?SID=1968470597&ACTIONxSESSxSHOWPIC(BILDxKEY:%27stmugv_nat_00073%27,BILDxCLASS:%27Artikel%27,BILDxTYPE:%27PDF%27)

Konfliktpotenzial
So freudig diese Meldung für viele sein wird, so wird sie bei manchen Tierhaltern auf Missmut stoßen. Gerade für Weidetierbetriebe kann die Rückkehr des Wolfes eine Umstellung und ein Umdenken erfordern. Hierzu haben wir mehrfach umfangreiche Forderungen an die bayerischen Behörden zur sofortigen Etablierung von professionellen Förder- und Beratungsstrukturen erhoben. Leider haben es diese in den letzten 10 Jahre versäumt, einen Managementplan Stufe 3 für etablierte Wolfspopulationen – und den damit verbundenen notwendigen Herdenschutz – zu erstellen. Um Konflikte abzumildern, Lösungen zu finden und einen vernünftigen Umgang mit dem Wolf zu erreichen, gibt es in Bayern die Steuerungs- und Arbeitsgruppe „Große Beutegreifer“ aus Naturschützern, Umweltverbänden, Schafhaltern, Berufsjägern und Behörden, aber auch hier wurde bisher keine Einigung erzielt. Weitere umfangreiche Infos zu diesem Thema Herdenschutz.

Was ist ein Rudel?
Als Rudel wird ein Familienverband von Wölfen verstanden, der im Regelfall aus den Elterntieren, den Welpen und den Jungtieren des Vorjahres besteht. Pro Wurf werden im Durchschnitt 5 Welpen geboren. Die Sterblichkeit bis zum Erreichen der Selbstständigkeit (1-2 Jahre) liegt bei bis zu 60-80 %, im ersten Lebensjahr bei 20-30 %, je nach Informationsquelle. Im Alter von 1-2 Jahren verlassen die Jungwölfe ihre Familie und suchen einen Partner und ein eigenes Revier. Dabei können sie viele 100 km zurücklegen.

Welche Reviergröße braucht ein Wolfsrudel in Bayern?
Wie so oft ist die Antwort: kommt drauf an. Ausschlaggebend ist unter anderem die Verfügbarkeit von Nahrung. Rudelgrößen in Ostdeutschland liegen bei etwa 250 km². Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr umfasst eine Fläche von 226 km². Der Nationalpark Bayerischer Wald ist 243 km² groß. Natürlich halten sich Tiere nicht an imaginäre Grenzen.

Wie verhält sich ein Rudel?
Rudel können effektiv gemeinsam jagen. Zunächst werden die Welpen ausschließlich gesäugt. Später dann bringen die Eltern oder auch Geschwister Futter zu den Welpen an sogenannten Rendezvous-Plätzen. Gerade junge Wölfe sind, wie alle Jungtiere, neugierig und müssen lernen. Wölfe sind vorsichtig, können aber durchaus auch von Menschen gesehen werden.

Was tun bei einer Begegnung zwischen Wolf und Mensch?
Wölfe sind Wildtiere. Sie sind Raubtiere, keine Fluchttiere. Sie müssen weder dämonisiert, noch dürfen sie verharmlost werden. Grundsätzlich haben Wölfe kein Interesse an einer Begegnung mit Menschen. Einige Aufnahmen zeigen, dass, sollte es zu Begegnungen kommen, der Mensch ignoriert wird. Ausnahmen sind die Nähe zu Beutetieren oder Hunden. Überraschen Sie die Tiere nicht, locken Sie sie nicht an. Für ein gutes Nebeneinander ist es wichtig, dass Wölfe den Menschen und seine Umgebung nicht als Nahrungslieferant kennenlernen. Halten Sie Abstand und halten sie den Wolf auf Abstand.

Was frisst ein Rudel?
Naturgemäß hat ein Rudel mit Welpen und Jungtieren einen höheren Bedarf an Fleisch als ein einzelner Wolf oder ein Wolfspaar. Ein ausgewachsener Wolf braucht ca. 2-3 kg Fleisch pro Tag, das bedeutet in der Natur: an manchen Tagen, je nach Verfügbarkeit, mehr, an anderen Tages gar nichts. Hauptnahrung bei uns sind Rehe, auch (wo vorhanden) Rotwild, Wildschwein und Nager. Ebenso Nutztiere, allen voran Schafe und Ziegen, können Beute der Wölfe werden. Übergriffe auf alle Weidetiere können nicht ausgeschlossen werden. Daher gilt es möglichst zeitig und sorgfältig Herdenschutz (Elektrozäune, auch Hunde etc.) zu betreiben.

 

Weitere häufig gestellte Fragen zum ersten Wolfsrudel in Bayern werden vom zuständigen Landesamt für Umwelt beantwortet: https://www.lfu.bayern.de/natur/wildtiermanagement_grosse_beutegreifer/wolf/doc/faq_wolf.pdf

 

Steckbrief Wolf: http://woelfeindeutschland.de/steckbrief-wolf/

 

Das Foto wurde uns von Biologe Axel Gomille zur Verfügung gestellt, welcher die Rückkehr der Wölfe in Deutschland seit einigen Jahren sachkundig begleitet und mit seinem Buch “Deutschlands Wilde Wölfe” zu einem möglichst konfliktfreien Nebeneinander von Menschen und diesen faszinierenden Tieren beitragen möchte. Die Welpen auf dem Foto sind nicht aus dem Wolfsrudel in Bayern.

von Franziska Baur


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Der zurückgekehrte Wolf

Der zurückgekehrte Wolf

Zwei Wölfe konnten gemeinsam mit einer Fotofalle im Nationalpark Bayerischer Wald dokumentiert werden (Foto: Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald)

Seit einigen Wochen ist klar: es ziehen nicht mehr nur einzelne Wölfe durch das Land, mindestens zwei haben sich niedergelassen, einer davon auch einen Partner gefunden. (Monitoring Wolf Landesamt für Umwelt)

Und schon schlagen die (politischen) Wogen hoch. Was seit Jahren, gar Jahrzehnten absehbar war, scheint jetzt bei manchem doch Erstaunen hervorzurufen. Bayern ist umzingelt von Wolfvorkommen: Italien, Österreich (Niederösterreich), Tschechien, Sachsen… Quasi aus allen Richtungen kann der Wolf zurückkommen. Und er tut es auch.

Jüngst, mit Bekanntwerden des Wolfpaares (m, ?) im Bayerischen Wald, brachten alle (!) Landtagsfraktionen Eilanträge im Umweltausschuss des Bayerischen Landtages ein. Dringlichkeitsanträgen finden Sie hier. Stattgegeben wurden den Anträgen der CSU und der FW. Weiteres wird nun diskutiert. Sinnvoll und überfällig ist die ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Herdenschutz. Reine Augenwischerei ist die Forderung nach Herabsetzung des Schutzstatus. Sicherlich kann man dies fordern, jedoch unterliegt dem Wolf diversen Schutzbestimmungen, u.a. FFH Richtlinien und damit EU-Recht. Dieses zu ändern dürfte wohl nicht in naher Zukunft möglich sein. Viel wichtiger und dringlicher ist die Prävention vor Übergriffen auf Nutztiere voranzutreiben. Was sind Minimalanforderungen, wie wird hier finanziell unterstützt…? Gefordert wurde „schnellstmöglich Fördermöglichkeiten für Präventionsmaßnahmen zu prüfen“. Die Prüfung allein reicht nicht aus. Daraus muss unmittelbar eine Umsetzung und Festlegung der Förderung hervorgehen.

Nicht zuletzt schlägt jetzt die Bayerische Staatszeitung in die Kerbe: Wolfsabschuss in Bayern Ja oder Nein? Es ist das Recht eines jeden, sich hier zu äußern und abzustimmen. Nur: bringen wird es nichts. Es ist kein Volksbeschluss ob er im Allgemeinen geschossen werden soll oder nicht, ob der Wolf bei uns leben kann oder nicht. Die Meldungen der letzten Jahre zeigen: er kann, will und wird. Nun gilt es vielmehr dies bestmöglich zu begleiten.

| Stefanie Morbach

 


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Der Wolf in den Medien

Wolf„Der Wolf ist der Moslem unter den Tieren“, hieß es in einem satirisch gemeinten Radiobeitrag aus dem Jahr 2015. Man kann Satire immer einiges vorwerfen. Sachverhalte nicht knackig und überspitzt, dafür aber schnell auf den Punkt zu bringen, gehört in diesem Fall aber nicht dazu.
Der Autor nahm damals die mediale Berichterstattung mit ihrer an Hysterie grenzenden Stimmungsmache, gegen die in unsere Wälder zurückgekehrten Wölfe aufs Korn.
Knapp zwei Jahre ist dies nun her. Hat sich seitdem irgendetwas an der Art der Berichterstattung geändert?
Ganz im Gegenteil. Reißen Wölfe Nutztiere, zum Beispiel Lämmer, ist schnell von einem „Massaker“ die Rede. Von „Mord auf der Weide“ und „Blutbad“. Dass diese Lämmer für die baldige Schlachtung und Verzehr menschlicherseits vorgesehen waren, steht an dieser Stelle übrigens nicht.
Ein passendes Foto, meist des immer gleichen Wolfs aus einer Bilddatenbank ist schneller dazu platziert als ein Sachverständiger sich die „Opfer“ überhaupt anschauen kann. Ergeben Gentest dann später, dass die „Taten“ durch wildernde Hunde und nicht durch Wölfe begangen wurden, kann der Wolf nicht immer mit einer Richtigstellung in einer der großen Tageszeitungen rechnen.
Um eines klar zu stellen, Wölfe sind keine Kuscheltiere. Sie reißen Lämmer, wenn sie die Gelegenheit dazu bekommen. Herdenschutzmaßnahmen sind dringend angeraten! Doch wie diese Maßnahmen, die so notwendig sind, in einer emotional stark aufgeheizten Stimmung sachlich diskutiert werden sollen, steht auf einem anderen Blatt.
Angst schürende Berichterstattungen in den Medien über den Untergang des Abendlandes, Verzeihung der Weidehaltung, konterkarieren jegliche Bemühungen um eine sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema, bringen aber Auflage. Es ist daher an der Zeit, dass sich Redakteure wieder ihrer Verantwortung für eine ausgewogene, sachliche Berichterstattung bewusst werden.
Denn nur wenige Leser sind Wolfsberater oder Landwirt. Für die meisten Menschen ist die Diskussion über ein Zusammenleben mit Wölfen ziemlich weit weg von ihrem Alltag. Sie sind auf Informationen angewiesen, nicht auf Panikmache. Diese bekommen wir alle ohnehin schon reichlich und völlig ungefragt zu einem anderen Thema fast täglich frei Haus.

Weiterführende Links: Infopaket über Wölfe

| Gastautor: Andreas Abstreiter


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