Bayerischer Aktionsplan Wolf – Wo bleibt die Nachgeburt?

Aktionsplan Wolf
Wolfswelpe © Sabine Hamberger

Ein Kommentar von Stefanie Morbach

Zäh war die Geburt des bayerischen „Aktionsplan Wolf“. Sie dauerte viele Jahre. Das hält die beste Mutter und das engagierteste Geburtshelferteam nicht durch.
Leider merkt man das dem Kind nun auch an. Tatsächlich fühlen sich alle Interessenverbände nicht ausreichend involviert und sind mit dem Aktionsplan unzufrieden. (In diesem Punkt sind sich nun alle einig!) Dass die Presswehen losgehen, das hat man gewusst, dass das Kind querliegend entbunden und auf der Welt ist, haben manche erst aus den Medien erfahren.

Nicht, dass die Mitglieder der AG Große Beutegreifer nicht um Ihre Meinung zum Entwurf gefragt worden wären. Einige sind der Aufforderung zur ausführlichen Stellungnahme nachgekommen. Ich mag mich täuschen, doch zwischen Entwurf und veröffentlichtem Papier sind lediglich Schönheitsreparaturen erfolgt. Schade um die investierte Zeit, sich ernsthaft Gedanken zu Anpassungen, kritischen Hinweisen und Fragen zu machen.

Was hat sich geändert? Ursprünglich war der Aktionsplan Wolf als Managementplan 1 und 2 geführt, nun die Neuerung in AKTIONsplan (Managementplan 3). Darf das Hoffnung machen, nun mehr Action aus den Ministerien bei Beratung, Förderung etc. zu erwarten?

Angekündigt sind nun noch die Förderrichtlinie und das Förderprogramm der beiden Ministerien Landwirtschaft und Umwelt. Angekündigt möchte man schreien?! An was sollen sich Nutztierhalter für diese Saison orientieren? Ganz zu schweigen davon, dass sie nicht wissen wie sie das finanzieren können, sollen, dürfen.

Aktionsplan Wolf
Wolf im Wald @ Sabine Hamberger

Wenn das Kind nun schon einen neuen Namen hat, dann hätte die Umbenennung in Managementplan – meinetwegen auch Aktionsplan – „Herdenschutz“, dem Ganzen mehr Rechnung getragen. Ach ja, aber dann hätte natürlich auch der Inhalt ein anderer sein müssen.

In der x-ten Wiederholungsschleife ist zu bemerken: 1% der Wolfsbeute sind Nutztiere. In Bayern waren das vereinzelt kleine und große Wiederkäuer nach Angaben des Landesamts für Umwelt im Jahr 2018 fünf Schafe und drei Kälber.
Noch. Und da liegt doch das eben entbundene Kind – ähh der Hund bzw. der Wolf – begraben. Nicht, dass es nicht für den einzelnen schlimm ist ein oder mehrere gerissene Tiere an den Wolf zu verlieren. Ein Promille in der Gesamtstatistik zu sein, tröstet da wenig. Dennoch: Warum um alles in der Welt wird nicht das was DA ist ausreichend beachtet: Weidetiere.
Die Verantwortung des Nutztierhalters seinen Tieren gegenüber.
Die Verantwortung des Landwirtschaftsministeriums diesen gegenüber, ordentliche Weidewirtschaft betreiben zu können. Die Verantwortung des Umweltministeriums gegenüber dem Artenschutz. Hier kreuzen sich halt die Wege von Offenhaltung durch Beweidung und dem eben auch zu unserer Natur gehörenden Wölfen.

Aktionsplan Wolf: Wo bleibt der Herdenschutz?
Aktionsplan Wolf: Wo bleibt der Herdenschutz?

Gerade wenn man die Pressemitteilung aus dem Umweltministerium liest, könnte man Ausschnittsweise meinen, ein Verbandsvertreter aus der Landwirtschaft hätte sie verfasst.

„Die Weidetierhaltung in Bayern braucht eine klare Zukunftsperspektive.“ Jaaa, Herr Glauber, richtig. Aber die bekommt sie doch nicht mit einem Wolfsmanagementplan! Ganzfurchtbar schnell müssen Sie die Förderrichtlinien herauspressen! Mit sanfter Geburt ist da nichts mehr. Die Richtlinien hätten spätestens mit dem Managementplan als Zwillingsgeburt kommen müssen. Ein Frühchen – zeitlich, nicht inhaltlich – wäre auch gut gewesen!

„…eine Entnahme eines Wolfes…auch ohne vorangegangene Herdenschutzmaßnahmen…“, soll dort erfolgen können, wo der Aufwand unverhältnismäßig (finanziell und emotional, wie es auf S. 43 im Aktionsplan heißt) ist und Wiederholungsgefahr besteht. Bei ungeschützten Tieren besteht natürlich Wiederholungsgefahr. Wär er ja schön blöd, der Wolf, wenn er hier nicht nochmal am Buffet vorbeigehen würde. Leider fehlt die Definition von unverhältnismäßig. Unverhältnismäßig in Sachen Artenschutzbemühungen (eben auch Wolf) oder unverhältnismäßig in Sachen Weidetierhaltung, die im bayerischen Alpenraum auf 8,5% der Fläche stattfindet.
Unverhältnismäßig heißt: Allzu sehr vom normalen Maß abweichend. Das wäre für mich – Achtung sehr subjektiv und damit eine Gefahr auch bei denjenigen in der Weidetierkommission, die das dann entscheiden sollen – exorbitanter Arbeitseinsatz und Kosten für Material, technischer Aufwand, der über die jährlichen Kosten und die Grundeinrichtung bspw. einer Almfläche hinausgehen.

Das LfL hat das doch vor Jahren einmal berechnet. Wie realistisch diese Zahlen sind, mag ich nicht zu beurteilen, aber daran orientiert wäre es dann doch schlüssig: Veranschlagte Kosten LfL minus Kosten die ohne extra Herdenschutzaufwand geleistet werden müssten, ist gleich die Summe, die aus dem Fördertopf der Präventionszahlungen kommen muss. Und was heißt da dann unverhältnismäßig? Wenn die Zusatzkosten für beispielsweise Behirtung, Gesteinsbohrungen für das Zaunpfostensetzen etc. etc. gezahlt werden, ich externe Trupps anstellen kann, dann ist das doch für mich nicht mehr unverhältnismäßig. Alles eine Frage des Geldes.
Noch größer die Unklarheit bei „emotional unverhältnismäßig“. Der eine hält den schlimmsten Splatterfilm aus. Der andere verkrampft, wenn im Disney-Kitsch Rapunzel die Haare abgeschnitten werden.
Welche Psychologen sitzen in der Weidetierkommission, um das zu beurteilen?
Ergo: raus mit den Förderrichtlinien. Sie sollen ja schon gezeugt worden sein. Kursieren nun durch diverse Hände – ich hoffe die richtigen – und werden hoffentlich sehr bald das Licht der Welt erblicken.


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Warum wir alle das Volksbegehren Artenvielfalt „Rettet die Bienen“ unterstützen sollten…

Von Franziska Baur

Feststeht: Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sind bereits unwiderruflich von unserer Erde verschwunden (54% aller Bienen sind bedroht oder bereits ausgestorben). Die Aussterberate der artenreichsten Klasse – nämlich die der Insekten – hat in den letzten Jahren hierzulande ein gewaltiges Medienecho verursacht: verbildlicht durch die symbolische „saubere Windschutzscheibe“.

Ausgelöst wurde diese Welle durch die vielfach zitierte Krefelder Studie. Diese basiert auf Untersuchungen in 63 Schutzgebieten in Nord-West Deutschland und belegt einen Rückgang der Insekten Biomassen um 76% zwischen 1989-2016. Die dahinterliegenden Gründe wurden evaluiert und aufgezeigt, Daten über die Populationsentwicklung und Gebietsnutzung gesammelt. Dieser Schwund zieht viele andere wertvolle Arten (z.B. Wiesenbrüter, Fledermäuse etc.) mit in den Abgrund – und die Ursachen finden sich nicht in den Großstädten, sondern in den industriell landwirtschaftlich geprägten Gegenden: übermäßiger Pestizideinsatz (Glyphosat, Neonics etc.), Monokulturen (Mais, Raps), Biotop- und Lebensraumzerstörung – und das alles staatlich gefördert und in den Ausbildungsstätten gelehrt: Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf die Natur!

Nun müssen dringend Maßnahmen entwickelt bzw. Gesetzesänderungen forciert werden, um das Fortschreiten dieses massiven Artenschwundes einzudämmen!

Fest steht: die Sicherung naturnaher Flächen reicht nicht aus, um Insektenarten zu erhalten. Deren Ökologie ist ein hochkomplexes, multifaktorielles Gefüge. Die wesentlichen Ursachen dieses weltweiten massenhaften Aussterbens sind nachgewiesenermaßen anthropogener Natur, wie das Millennium Ecosystem Assessment bereits 2005 gezeigt hatte:

1. Agrarrevolution: Wandel zur intensiven, industriellen Landwirtschaft mit der einhergehenden veränderten Landnutzung und chemischen Belastung (Düngung, Pestizide).

Gerade die nährstoffarmen Offenlandschaften und Magerrasen sind Hotspots der Biodiversität und werden immer rarer. Aber warum sind eigentlich bestimmte Arten (z.B. Widderchen, ein Tagfalter) überhaupt so interessant für den Naturschutz? Weil Spezialisten durch nitrophile Generalisten (Allerweltsarten) ersetzt werden. Außerdem folgt dem Insektensterben das Vogelsterben (besonders betroffen: Singvögel, Wiesenbrüter wie z.B. die Feldlerche). Nicht zu vernachlässigen ist stetig wachsende Stickstoff-Belastung, welche sogar mobil auftreten kann, wie z.B. die sogenannte „Luftdüngung“.

2. Habitatfragmentierung: Fehlende Wiederbesiedlung und eingeschränkter genetischer Austausch lässt Inselpopulationen entstehen, bis hin zur Inzucht und genetischer Verarmung.

3. Fehlgeleitete Politik, welche industrielle Landwirtschaft mit einhergehenden chemischen Belastungen und die steigende Habitatfragmentierung zulässt und legitimiert.

Es herrscht ein extremes Ungleichgewicht zwischen Ökologie und Ökonomie. Und dieses politische Fehlverhalten reitet uns direkt in das sechste Aussterbe-Event der Erdgeschichte.

 

Es hat sich also bald ausgeflattert, wenn dieser globalen Umweltkatastrophe nicht bald durch entsprechende politische Maßnahmen Einhalt geboten wird!

 

Hier kommt das Volksbegehren zur Artenvielfalt und Naturschönheit in Bayern „Rettet die Bienen“ ins Spiel: Dem Innenministerium wurde ein vorbildhafter Gesetzesentwurf zur Änderung des Bayerischen Naturschutzgesetzes vorgelegt – eine historische Chance! Die erste Hürde ist bereits genommen und dank der fast 100.000 Unterschriften wurde das Volksbegehren zugelassen. Nun heißt es 10% der Wahlberechtigten (das macht 1 Millionen Bayern!) zu den Rathäusern zu bewegen, um sich für ihr Naturjuwel Bayern einzusetzen!

Die Resonanz ist gewaltig und es sind neben den vielen ehrenamtlichen Helfern (z.B. Rathauslotsen) bereits über 170 Organisationen/Partner/Parteien mit an Bord und haben sich zu einem gigantischen Bündnis formiert: u.a. Landesbund für Vogelschutz, Bund Naturschutz in Bayern e.V., Gregor Louisoder Umweltstiftung, ÖDP (Initiatoren), Die Grünen, Tollwood, Hofpfisterei, Green City, Kartoffelkombinat u.v.m.).

 

Nun aber zum Inhalt. Das Bündnis zum Volksbegehren fordert ganz konkret:

Biotopvernetzung (Ausweich- und Wanderbewegungen klimasensibler Arten…)

Ökolandbau (private Flächen 20% bis 2025, 30% bis 2030; staatliche Flächen ab sofort)

Verbot/Reduktion Pestizideinsatz außerhalb intensiv landwirtschaftlich genutzter Flächen

Gewässerrandstreifen (5m), Ackerrandstreifen

Blühwiesen (mind. 10% der Naturflächen)

Regulierung der Mahd (10% der Flächen nicht vor dem 15. Juni)

Änderungen im Lehrplan für Agrarberufe

Reduktion künstliche Beleuchtung im Außenbereich

Streuobstwiesen

Schutz der Alleen

Ausgleichsflächen (alte Kultursorten)

Transparenz: Verpflichtung Öffentlichkeit und Landtag über Status & Entwicklung der biologischen Vielfalt, ökologisch bewirtschafteter Flächen und Biotopverbund zu informieren

 

– Und zu Guter Letzt: Menschen wieder für die faszinierende Schönheit ihrer bayerischen Natur zu begeistern

 

In diesem Zuge haben wir von BAYERN WILD TV den bekannten Schmetterlingsforscher Dr. Andreas Segerer zur Dringlichkeit der Situation interviewt (free download):

 

 

Geben Sie der bayerischen Natur ihre Unterschrift und tragen Sie sich zwischen 31. Januar – 13. Februar in Ihrem Rathaus ein.

 

Weitere Infos bekommen Sie unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de

 

Es liegt an uns die aktive Sterbehilfe der einheimischen Artenvielfalt zu beenden – denn am Ende geht es um unsere eigene Lebensgrundlage (und die der Kleinbauern), welche gefährdet ist wie nie zuvor!

 

JETZT haben wir die einzigartige Chance, das bayerische Naturschutzgesetz zu ändern und Geschichte zu schreiben!

 

Volksbegehren Artenvielfalt

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Aktionsplan Wolf Bayern: Unterwegs in den Abgründen des Artenschutzes

Wir müssen das Erbe der Vorkämpfer des Naturschutzes bewahren und dürfen nicht zulassen, dass es Populismus und Wahlkampf geopfert wird. Ein Statement von Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung.

Der jetzt von der Staatsregierung vorgestellte Aktionsplan Wolf ist das traurige Ende eines jahrelangen Niederganges des Naturschutzes in der Staatsregierung. Fachlich oft unsinnig, in weiten Teilen offensichtlich rechtwidrig, gespickt mit juristischen Winkelzügen, um den Artenschutz zu schwächen. Im Einzelfall kann ein Abschuss eines Wolfes allerdings notwendig sein – dafür bietet das bestehende Naturschutzgesetz ein umfassendes und seriöses Verfahren.

„Zu dem uns vorliegenden Entwurf zum so genannten Aktionsplan Wolf ist eine seriöse Stellungnahme auf dem NWolfswelpen Bayerniveau der internationalen Debatte zum Wolfsmanagement in vielen Punkten leider nicht möglich. Grund sind die teils absurden fachlichen und rechtlichen Widersprüche innerhalb und zwischen den einzelnen Kapiteln. So steht in der Einleitung, dass Grundlage des Aktionsplanes Wolf die nationalen und internationalen rechtlichen Vorgaben sind, also das Bundesnaturschutzgesetz als unmittelbar und uneingeschränkt geltende Rechtsgrundlage und die Europäische Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie sowie die Berner Konvention als mittelbar geltende internationale Rechtsgrundlagen. Bei vielen relevanten Punkten kommen dann aber Phantasiekonstruktionen (zum Beispiel ein abstrakter Bedrohungsbegriff gegenüber Weidetieren) als möglicher Abschussgrund zum Einsatz – dies ist nach unserer Auffassung offensichtlich rechtwidrig. Das dürfte eher der Arbeitsbeschaffung für Richter dienen als dem Schutz der Weidetiere in Bayern. Damit wird kein einziges Schaf wirksam vor Wolfsübergriffen geschützt, aber mit den zu erwartenden Klagen sicher diverse Juristen gut beschäftigt“. Diese Bilanz zieht Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung, die mit dem Projekt Bayern wild seit dem Auftreten des ersten Wolfsnachweises im Jahr 2006 mit den Herausforderungen des Wolfsmanagementes beschäftigt.

Auch in weiteren Kapiteln finden sich auf den ersten Blick rechtlich fragwürdige, möglicherweise sogar illegale Passagen. So wird die mehrtätige völlig unbeaufsichtigte Haltung von Weidetieren als “traditionell” bezeichnet und nicht als nach der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung verboten.

Die bayerische Politik und insbesondere die zuständigen Behörden (Bayerisches Umweltministerium, Bayerisches Landwirtschaftsministerium) waren seit dem ersten Wolfsnachweis im Jahr 2006 und dem Aufbau von Populationen im Alpenraum und Nordosten in der Pflicht, sich auf die Rückkehr des Wolfes umfassend vorzubereiten – wie andere deutsche Bundesländer und unsere Nachbarstaaten auch. Leider sind sie an dieser Aufgabe bisher gescheitert. Dazu hätten schon lange ausreichende personelle und finanzielle Ressourcen flächendeckend bereitgestellt werden müssen, zum Beispiel für die flächendeckende finanzielle Förderung des Herdenschutzes und die flächendeckende qualifizierte Fachberatung von Weidetierhalter und weiteren betroffenen Akteuren. Dazu Claus Obermeier weiter: „Wir erleben hier ein Versagen der amtierenden Staatsregierung auf Kosten von Mensch, Landwirtschaft und Natur in Bayern“.

Wölfe lebten und leben auch heute meistens in Gebieten mit Schaf- und Ziegenhaltung. Dazu wurden über Jahrhunderte bewährte Schutzmaßnahmen entwickelt, die Tierverluste durch Wölfe minimieren. Besonders bewährt haben sich in Mitteleuropa spezielle Herdenschutzhunde, die die Herde aktiv gegen Wölfe verteidigen. Heute stehen mit mobilen Elektrozäunen weitere technische Mittel zur Verfügung, die Übergriffe von Wölfen weitgehend verhindern können. Dies alles kostet Geld und Zeit, daher müssen die schafhaltenden Betriebe umfassend und professionell von den Behörden unterstützt werden, da der Schutz des Wolfes auf der Basis der Gesetze und internationalen Verpflichtungen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist.

Wölfe konnten schon immer in Ausnahmefällen getötet werden – umfassende rechtliche Regelungen dazu liegen schon lange deutschlandweit vor.

Eine Entnahme (Tötung) einzelner Wölfe ist schon immer möglich gewesen, zum Beispiel, wenn festgestellt wurde, dass fachgerechte Präventionsmaßnahmen im betroffenen Bereich nicht greifen, Weidetiere getötet wurden und daher ein unzumutbarer wirtschaftlicher Schaden für den betroffenen Betrieb droht – ein  seltener Ausnahmefall. Rechtliche Voraussetzung ist, wie es auch das deutsche Artenschutzrecht (§45 Bundesnaturschutzgesetz) vorgibt, eine ausführliche Einzelfallprüfung und Abwägungsentscheidung der verantwortlichen Naturschutzbehörde. Das ist also seit vielen Jahren Konsens, Rechtslage und unstrittig und hat keinen Neuigkeitswert. Auch wir tragen diese gesetzlichen Regelungen mit.

Es droht das Erbe der Berner Konvention geopfert zu werden

Für den Schutz bedrohter, aber in Schutz und Management unbequemer Arten wie die des Wolfes, haben Generationen von Naturschützern, Juristen und Politiker in allen Ländern Europas ihr Leben lang gekämpft haben und waren letzlich mit der Verabschiedung der Berner Konvention 1979 und der späteren Umsetzung im Naturschutzrecht erfolgreich. Sie formuliert als Begründung immer noch treffend, “dass wildlebende Pflanzen und Tiere ein Naturerbe von ästhetischem, wissenschaftlichem, kulturellem, erholungsbezogenen, wirtschaftlichem und ideellem Wert darstellen, das erhalten und an künftige Generationen weitergegeben werden muss”. Wir dürfen nicht zulassen, dass dies jetzt ausgerechnet in einem der reichsten Ländern der Welt geopfert wird. So wird der Wolf wieder in eine Rolle gedrängt, die er auch früher schon mal hatte – als Symbol für verschiedene Werte, als Lackmustest für die Ernsthaftigkeit von Naturschutzparolen. Wir wollten im Gegensatz dazu immer eine sachliche und ausgewogene Diskussion und ein Wolfsmanagement, bei dem neben dem Schutz des Wolfes auch die berechtigten Bedürfnisse der Weidetierhalter berücksichtigt werden. Wir werden aber auch nicht das Erbe von drei Generationen Naturschutz kampflos aufgeben.

Rechtsgutachten zum bayerischen Aktionsplan Wolf von Prof. Dr. Köck jetzt hier als PDF herunterladen

 


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Masterplan Moore – Herr Söder: Wir nehmen Sie beim Wort

Wie der Zufall es so will, waren wir kurz bevor der amtierende bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder den “Masterplan Moore” verkündete, für unser Format BAYERN WILD TV zu Besuch bei zwei überaus engagierten Moorschützern von der Greensurance Stiftung.

Im Trischelfilz – Masterplan MooreWas politische Lippenbekenntnisse unterm Strich wert sind, erfährt man wenn man eine Weile wartet und beobachtet, was dann davon am Ende umgesetzt wurde.
Zwei Personen, bei denen man nicht warten muss, sondern die selbst seit Jahren aktiv beim Moorschutz und der Moorrenaturierung hinlangen, statt Sonntagsreden zu schwingen, sind die Geschäftsführerin der Greensurance Stiftung, Anna Schirpke und der Geschäftsführer Marcus Reichenberg.
Ihre Vision ist: Das im bayerischen Oberland gelegene Trischelfilz – ein Hochmoor – wieder umfassend zu renaturieren und so einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zum Artenschutz zu leisten.

Denn was viele nicht wissen: So ein Hochmoor steckt auch ohne “Masterplan Moore” bereits voller Leben, wenn man es nur ein wirkliches Moor sein lässt. Doch die Bilanz der Moore ist traurig. Laut NABU existieren nur noch 5% der ursprünglichen Moore in Deutschland. 95% der einstigen Moorfläche gilt also als “tot”. Diese Moore wurden entwässert, der Torf verbrannt oder zu Blumenerde gemacht, die entwässerte Fläche dann für land- und forstwirtschaftliche Zwecke genutzt.

Im Trischelfilz – Masterplan MooreDass es so nicht weitergehen kann und darf, erklärten uns Anna Schirpke und Marcus Reichenberg bei ihrer Führung durch das Trischelfilz, dessen Entwässerung sie vollständig stoppen und so die Renaturierung dieses wertvollen Hochmoors vorantreiben wollen. In dem folgenden Interview zeigten sie uns nicht nur die ganze Schönheit und Artenvielfalt des Trischelfilzes, sondern erklärten auch was Moore für den Klimaschutz leisten können.

Vollständiges Interview als Video ansehen:

ÜBRIGENS: Wer selbst einen aktiven Beitrag zum Schutz unserern letzten verbliebenen Moore beitragen will, kann ganz konkret zwei Dinge tun. Das wären der Verzicht auf torfhaltige Blumenerde (Alternativen gibt es inzwischen sogar im gut sortierten Gartencenter) und die Unterstützung von Menschen und Organisationen, die Moore renaturieren. Zum Beispiel in Form einer Moorpatenschaft.


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Unterwegs im Luchsrevier – Filme für die Umweltbildung

Premiere für unsere neuen kostenlosen Filme für die Umweltbildung!

Unterwegs im Luchsrevier - Filmpremiere

Ein herzliches Dankeschön an den Nationalpark Bayerischer Wald, an unsere super Protagonisten Dr. Marco Heurich, Laura Hollerbach & Maple und an den Filmemacher Andreas Kastiunig (www.stube1.de)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die neuen – kostenlos verfügbaren – Kurzfilme zeigen Luchsforscher bei der Arbeit und werben für den Schutz von Deutschlands Luchsen.
Und dies zeigen unsere drei neuen Luchsfilme aus der Reihe “Unterwegs im Luchsrevier”: In zwei der drei Kurzfilme begleiten wir den bekannten Luchsforscher Dr. Marco Heurich durch den Nationalpark Bayerischer Wald und lernen, wie man Tierspuren im Schnee erkennt und mit Hilfe von Fotofallen die Verbreitung und Zahl der Luchse ermittelt.

Ein weiterer Film aus unserer Reihe “Unterwegs im Luchsrevier” zeigt Laura Hollerbach und Labradorhündin Maple vom Senckenberg Institut wie sie gemeinsam Losungen von Wildtieren suchen, um sie genetisch untersuchen zu lassen. Der Kurzfilm mit dem Thema „Luchslosung“ soll folgende Fragen beantworten und die Basis für entsprechende Einheiten in Unterricht und Umweltbildung legen: Wie erkenne ich Luchslosung? Aussehen? Bestandteile? Zusammensetzung? Konsistenz? Verwechslungsgefahr mit anderen Losungen? DNA Analyse im Labor? Was kann uns die Losung alles über den Luchs verraten?

Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung und Leiter des Projektes zur Premiere: “Faszinieren und begeistern statt belehren, Dialog und eigene Willensbildung unterstützen statt eigene Ideologien aufdrängen, fachübergreifendes Netzwerkwissen vermitteln – diese anspruchsvollen Aufgaben hat der Naturschutz in einer demokratischen und offenen Gesellschaft heute. Mit den neuen Kurzfilmen “Unterwegs im Luchsrevier” leisten wir dazu einen Beitrag, der sich optimal mit unseren umfangreichen Projekten im Luchsschutz verzahnt. Mit dem Kurzfilmportal Umweltbildung schließen wir eine echte Lücke. Gerade weil viele im Onlinebereich und in den sozialen Netzwerken eher auf Produktwerbung, Spendengewinnung und flaches Entertainment setzen, ist es eine große Herausforderung, hier etwas entgegenzusetzen. Hierzu sind neben der fachlichen Qualität und exzellenter Filmtechnik auch umfassende kommunikative Kompetenzen erforderlich”.

Die neuen Kurzfilme sind kostenlos für Unterricht, Umweltbildung und alle Naturfans unter www.filme-umweltbildung.de zu finden, dort können sie auch für eigene Einsatzzwecke heruntergeladen werden – ein tolles Angebot für Biologielehrer, Naturführer und Jugendgruppenleiter, zur eigenen Fortbildung und zum direkten Einsatz mit Schülern und Teilnehmern.


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Film “Auf der Jagd” – wem gehört die Natur wirklich?

Beeindruckende Szenen und erfreulich unideologische Betrachtung der Jagd, aber in der zentralen Eingangsfrage auf der falschen Fährte…

Ein Kommentar vor Claus Obermeier

Auf der Jagd – der Film

Auf der Jagd – wem gehört die Natur?

Ein beeindruckender Film, der viele Fragen rund um die Jagd, das Töten von Tieren für den menschlichen Verzehr und den Konflikt Wald-Forst-Schalenwild hervorragend filmisch bearbeitet und daher absolut sehenswert. Mit beeindruckenden Tieraufnahmen, Jagdszenen von traditionellen Jägern, modernen Jägern und dem Wolf sowie interessanten Statements ganz unterschiedlicher Akteure vom Forstbetriebsleiter bis zum Wolfsbeauftragten. Viele  kommen aus Bayern, bei den zentralen Fragen werden Beispiele aus dem Bayerischen Bergwald eingespielt. Ein Film, der  die Lanze für eine ausgewogenene Betrachtung von Jagd und Jägern bricht. Aber leider führt er bei den zentralen Fragen der Ankündigung (Wem gehört die Natur? Den Tieren? Den Menschen? Oder sollte sie einfach sich selbst überlassen sein? Und gibt es sie überhaupt noch, die unberührte Natur?)  in die Irre und blendet in teilweise naiver Weise fast alles aus, was in den letzten 100 Jahren dazu geforscht, geschrieben und an Fortschritten erkämpft wurde..

Die Beantwortung dieser Fragen wird angekündigt, aber leider nicht einmal ansatzweise eingelöst. Gerade zu diesen spannenden Themen bleibt der Film bei Parolen stecken, wo seit Jahrzehnten die ökologische Forschung und diverse Naturschutzkonzepte Antworten geliefert haben – sowohl auf der wissenschaftlichen Ebene als auch anwendungsorientiert zum Management von Zielkonflikten in der Landnutzung bzw. zwischen Landnutzung und Wildtierschutz. So ist (weltweit) vielen Akteuren klar, dass in einer offenen demokratischen Gesellschaft diese Fragen mit teils weitreichenden Eingriffen in Eigentumsrechte nur in Grosschutzgebieten mit entsprechender Verordnung geklärt werden können, so zum Beispiel mit der die Beschränkung der maximalen forstlichen Nutzung in manchen Bereichen sowie mit der Einrichtung grosser Wildnisgebiete zugunsten des Wildtierschutzes im Staatswald. Klar ist aber auch, dass in anderen Bereichen großflächig eine effektive Forstwirtschaft möglich sein muss, um unseren Bedarf nach diesem nachhaltigen Rohstoff regional zu decken.

Dass die praktische Lösung bei besonders anspruchsvollen Themen wie dem Rotwild im Bergwald nicht einfach ist, sondern gut durchdachte und mit Elan umgesetzte großräumige Konzepte erfordert, wird zwar gestreift, aber eben nicht ausreichend dargestellt und führt daher zu einer unsinnigen Polarisierung.

Elch in Tschechien März 2014

Wild lebender Elch im Bayerischen Wald. Elch und Rothirsch können in Nutzwäldern hohe wirtschaftliche Schäden verursachen, indem sie die Triebe junger Bäume fressen oder die Rinde schälen. Alka Wildlife, Trans Lynx.

Statt also als Antworten auf die Eingangsfragen kompetente und ambitionierte Naturschutzkonzepte für den Staatswald und auch private Forste einzufordern, führt er die nicht weiter belegte Parole ein, dass mit der Erreichung des sogenannten Anthropozäns es keine “echte” Natur mehr gäbe, sondern nur vom Menschen gesteuerte Systeme. Dazu blendet der Film zum zentralen Thema des Naturverständnisses des modernen Menschen fast alles aus, was in den letzten Jahrzehnten dazu im Zusammenhang mit der Wildnisdebatte an praktischen und ethischen Konzepten sowie philosophischen Betrachtungen geschrieben und diskutiert wurde, und versucht sie durch allgemeine extreme Parolen zu ersetzen.

Als Erstsemesterstudent im Studiengang Landschaftsökologie wurde mir vor vielen Jahren das schon damals ziemlich alte Büchlein “Ökologische Grundlagen des Umweltschutzes” von Prof. Wolfgang Haber empfohlen, das auf entsprechende Veröffentlichung aus des 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts zurückgeht. Dort und in seinen umfassenden Veröffentlichungen zu Zielkonflikten in der angewandten Landschaftsökologie sowie aktuellen Studien zur großräumigen Interaktion von Wald, Schalenwild und großen Beutegreifern  aus dem Nationalpark Bayerischer Wald finden sich zum Beispiel die Grundlagen, um Antworten auf fachlich seriöser Weise zu den im Film dargestellten Konfliktlinien finden zu können. Denn diesen Anspruch sollten wir als moderne, in einer demokratischen offenen Gesellschaft arbeitenden Naturschützer haben.

Claus Obermeier ist Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung und vertritt sie auch im Netzwerk “Wildnis in Deutschland”.

Infos zum Film: http://www.wemgehoertdienatur.de 


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Kinderbuchvorstellung “Hallo Zweibeiner”

von Franziska Baur

Im heutigen Blogbeitrag möchten wir ein besonderes Kinderbuch über Wölfe vorstellen: Hallo Zweibeiner – Kleiner Wolf erzählt aus seinem Leben von Rena Henke.Hallo Zweibeiner

Kleiner Wolf ist ein Welpe. Er lebt mit seiner Wolfsfamilie in Norddeutschland, und wie jedes Menschenkind, so macht auch ein Wolfsjunges mal Blödsinn oder tut Dinge, die es nicht darf! Dann muss Kleiner Wolf in der Höhle bleiben und einen Aufsatz schreiben. Das kann er so gut! Schließlich sagte seine Mama: „Mein Junges, du bist die Stimme unseres Rudels. Schreib Briefe an die Menschen, erzähl ihnen von uns, und wie wir leben.“ Dann überlegte sie einen Moment und fügte hinzu: „Weißt du, schreib deine Briefe an die kleinen Zweibeiner, die Kinder, ich glaube, die verstehen dich gut.“

Die Autorin Rena Henke fuhr als Nautikerin lange zur See, ist aber auch gelernte Redakteurin, Autorin und Sprecherin von Hörbüchern.

Wir können dieses Kinderbuch nur empfehlen, denn es ermöglicht den Kleinen ein natürliches, unvoreingenommenes Verständnis für Wölfe. Diese kindgerechte Publikation füllt eine wenig beachtete Nische in der Wolfsliteratur. Die alte Mär vom “bösen Wolf” kann so schnell vergessen werden, ohne den Wolf zum Kuscheltier zu verharmlosen.


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Länder kooperieren beim Umgang mit Wölfen – wird sich Bayern anschließen?

von Franziska Baur

Der Baden-Württembergische Umweltminister Franz Untersteller hat Anfang März eine enge Zusammenarbeit der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland im Umgang mit Wölfen angekündigt. „Mit unserem länderübergreifenden Konzept erweitern wir unser Wolfsmanagement um einen wesentlichen Faktor und tragen dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung und der Landwirtschaft Rechnung“, statiert der für den Natur- und Artenschutz im Land zuständige Minister.

Umgang mit Wölfen

Herdenschutzhund Maremmano Abruzzese

Baden-Württemberg steht – wie auch Bayern – vor der Herausforderung, dass sich Wölfe weiterhin ausbreiten. Da diese Tiere sehr mobil sind und sehr weiter Strecken zurücklegen können, liegt eine länderübergreifende Zusammenarbeit nahe. Ziel des gemeinsamen Konzepts sei ein umfassendes Wolfsmanagement, das sowohl Nutztierhalterinnen und -halter und deren Tiere und wirtschaftliche Existenz schütze, als auch dem Artenschutz gerecht werde. „Wir haben vereinbart, uns dabei gegenseitig zu unterstützen, Kenntnisse auszutauschen, Erfahrungen und Knowhow zu teilen sowie Personal bereitzustellen.“, kommentiert Untersteller.

Eine gemeinsame Managementgruppe soll den gegenseitigen Informationsaustausch – über Wolfssichtungen oder das Verhalten einzelner Tiere – gewährleisten und Aktivitäten zum Schutz von Nutztieren und Menschen koordinieren. Dabei geht es darum, wandernde Wölfe im Rahmen des Monitorings effektiver zu beobachten. Einzelne Wölfe sollen besendert werden, um ihre Wege nachvollziehen zu können oder auch um verhaltensauffällige und potenziell gefährliche Tiere bei Bedarfsfall leichter entnehmen zu können. Die Entscheidung, ob eine Ausnahme nach dem Bundesnaturschutzgesetz möglich ist und ein Wolf geschossen werden kann, bleibe aber weiterhin jedem Bundesland selbst überlassen. Die Kosten für den Einsatz des Eingreifteams würden untereinander aufgeteilt.

Nach Untersteller könnten sich weitere Bundesländer jederzeit an der Zusammenarbeit beteiligen, er könne sich beispielsweise vorstellen, ein Land wie Bayern in die Kooperation einzubeziehen.

Das erste Rudel ist in Bayern seit 2017 bestätigt und mit weiteren Rudelgründungen ist dieses Jahr zu rechnen. Gerade für Weidetierbetriebe erfordert dies eine Umstellung und ein Umdenken. Die bayerische Politik und insbesondere die zuständigen Behörden (LfU, LfL) sind jetzt in der Pflicht zu handeln. Dazu müssen Präventionsmaßnahmen, die landesweite Beratung der Weidetierhalter und ein professionelles Wolfsmanagement etc. umgehend in Kraft gesetzt werden. Dies alles kostet Geld und Zeit, daher müssen die Nutztierhalter umfassend und professionell von den Behörden unterstützt werden.

Leider lässt diese Umsetzung nach der bitteren Kabinettsentscheidung Ende Januar weiterhin auf sich warten und dies auf Kosten der bayerischen Weidetierhalter.

Umgang mit Wölfen: Ein länderübergreifendes gemeinsames Management, bei dem sich auch Bayern anschließt, wäre eine neue Chance und von unserer Seite ausdrücklich zu befürworten.

 


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Ulrich Wotschikowsky erhält Förderpreis Wilde Alpen

Ein Artikel von Claus Obermeier anlässlich der Verleihung des Förderpreises “Wilde Alpen” 2018 an Ulrich Wotschikowsky.

Förderpreis Wilde Alpen an Ulrich Wotschikowsky

Von links nach rechts: Bernd Louisoder, Ulrich Wotschikowsky, Claus Obermeier

Die Alpen und auch die bayerischen Gebietsanteile waren und sind für das Überleben zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten in Europa von zentraler Bedeutung. Das Wortspiel “Wilde Alpen” für unseren neuen Förderpreis soll dabei die ganze Breite der Debatte spiegeln: Denn die Alpen sind in den allermeisten Bereichen nicht Wildnis, sondern eine jahrtausendalte Kulturlandschaft mit einer langen Tradition der Koexistenz von Menschen, alpiner Land- und Viehwirtschaft und Wildtieren – sicher auch früher nicht ohne Konflikte – aber auch ohne die vollständige Ausrottung von tierischen Konkurrenten. Erst vor kurzer Zeit wurde aber dort alles, was irgendwie, irgendwen, aus irgendwelchen Gründen störte oder sich nicht (ausreichend) rentierte, aufgegeben oder entfernt: Adler, Luchse, Bären, aber auch traditionelle Wirtschaftsformen und altes Kulturgut wie lokale Nutztierrassen, der Schutz der Herden mit lokalen Schutzhundezuchten und entsprechend fachkundigen Hirten.

Manche Wildtierarten haben sich aber aufgrund strenger nationaler und internationaler Schutzgesetze erholt und sind wie wie der Steinadler in ihre ursprüngliche Heimat zurückgekehrt, andere stehe in den Startlöchern. Beim Luchs ist es leider noch nicht so weit. Die Einwanderung oder gezielte Wiederansiedlungsprojekte für diese diese faszinierenden Tierart in ihrer ursprünglichen Heimat bieten die einmalige Chance, Anschluss an die internationalen Bemühungen zum Schutz des Naturerbes zu finden.

Ulrich Wotschikowsky erhält daher den ersten Förderpreis in der für die Premiere ausgeschriebenen Kategorie Luchsschutz. Wie kaum jemand meldet er sich seit vielen Jahren kompetent und engagiert zu Wort, um eine Rückkehr dieser europaweit bedrohten Raubkatze auch nach Bayern zu ermöglichen und starre, festgefahrene Strukturen in Frage zu stellen, die das verhindern. Dabei scheut er nicht, politische Defizite und teilweise haarsträubende naturschutzfachliche Fehler von Bedenkenträgern aufzudecken und mit wildbiologischer Kompetenz und großem Engagement zu kontern. Als passionierter Jäger und Verfechter einer modernen, an heutigen gesellschaftlichen und ökologischen Anforderungen ausgerichteten Jagd ist er eine der wenigen Personen, die mit Positionen und Argumenten auch bei Jägern, Jagdgenossenschaften und Waldbauern gehört und respektiert wird – eine zwingende Voraussetzung zur Akzeptanzbildung für diese Art außerhalb der engeren Naturschutzszene.

BAYERN WILD TV: Anlässlich der Preisverleihung “Wilde Alpen” gab Ulrich Wotschikowsky ein Interview über sein langjähriges Engagement für Bayerns Luchse

So brachte er die seit vielen Jahren in Bayern auf Eis liegende Debatte um ambitionierte Luchsschutzprojekte mit seinem Statement “Lasst ihn wiederkommen” bei der Podiumsdiskussion Luchs 2015 erstmalig wieder in Fahrt. Er scheute sich dabei nicht, den jahrzehntelange Stillstand bei diesem Thema klar auszusprechen und Ross und Reiter zu nennen.

Mit seinem im Anschluss für den Bund Naturschutz ausgearbeitetem Memorandum legte er für viele Jahre die fachliche und naturschutzpolitische Grundlage für den Luchsschutz in Bayern und setzt darin Maßstäbe, an denen sich Politik, Behörden, aber auch Naturschutzinitiativen messen lassen müssen.

Neben dem langjährigem und größtenteils ehrenamtlichen Engagement für den Luchs in Bayern meldet er sich auch bei anderen Themen zu Wort. Er ist einer der wenigen, die sich trauen und die nötige wildbiologische Kompetenz besitzen, um bei politisierten Wildtierthemen biologische Fakten und Wahrheiten (auch wenn sie für manche unangenehm sind) offen und ohne Blick auf Verbandsinteressen, romantische Verklärungen oder Wählerpotentiale vorzutragen. Das gefällt nicht jedem und muss es auch nicht, ist aber immer Grundlage für konstruktive und produktive Debatten.

Ob Wildtiere wie der Luchs bei uns leben dürfen, entscheiden in einer demokratischen Gesellschaft letztendlich wir alle. Voraussetzung dafür aber ist, dass es Menschen wie Ulrich Wotschikowsky gibt.

Hier finden Sie mehr Informationen zum Förderpreis Wilde Alpen.


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Bayern wild TV stellt sich vor

Bayern wild TVBayern wild TV ist das neue Videoformat rund um die vielen spannenden Wildtierthemen, die Bayern aktuell zu bieten hat. Unterhaltsam gehen wir darin auf aktuelle Entwicklungen ein, die nicht nur Wolf, Luchs und Bär mit sich bringen.
Denn in unseren Interviews stellen wir die Persönlichkeiten und Akteure hinter Projekten und Organisationen vor und beleuchten so nicht nur nebenbei, sondern mit voller Absicht, Bayerns wilde Seite. Regelmäßiges Reinschauen auf www.bayern-wild.tv lohnt sich also.

Die Themen in unseren bisherigen drei Folgen waren die beiden Präsentationen unserer Lehrmaterialen zu Wölfen und Luchsen in Bayern sowie ein Besuch in der Greifvogel-Auffangstation Freising. Alle Folgen können auf Bayern wild TV angesehen werden.

Folge 1: Lehrmaterial Wölfe in Bayern vorgestellt | Interview mit dem Autor Peter Sürth

In diesem Video stellen wir den Wolfsforscher Peter Sürth und unser soeben erschienenes Lehrmaterial zum Thema Wolf vor. Das Unterrichtsmaterial ist für Realschulen und Gymnasien geeignet. Infos, kostenlose Bestellung und Download gibt es hier.

Folge 2: Greifvogelauffang-Station Freising

Ende November 2017 waren wir bei Willi Holzer, dem langjährigen Leiter der Greifvogel-Auffangstation Freising zu Besuch. In dem Interview schildert er uns von seiner Faszination für Greifvögel und zeigt uns, worauf man achten sollte, wenn man bei einem Spaziergang ein totes Tier entdeckt. Denn leider werden noch immer zahlreiche Greifvögel erschossen, vergiftet und in Fallen gefangen.

Folge 3: Lehrmaterial Luchse in Bayern vorgestellt | Interview mit dem Autor Peter Sürth

In diesem Video stellt unsere Fachreferentin Naturschutz Bayern, Franziska Baur den Luchsforscher Peter Sürth und unser soeben erschienenes Lehrmaterial zum Thema Luchse in Bayern vor. Das Unterrichtsmaterial ist für Realschulen und Gymnasien geeignet. Infos, kostenlose Bestellung und Download hier.


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