Fotofallenmonitoring Luchs im Pinzgau

Luchsnachweis Berchtesgaden - Fotofallenmonitoring Luchs

Im Dezember 2015 wurde Luchs „Alus“ im Berchtesgadener Land abgelichtet. Bereits im März 2015 war er im angrenzenden Pinzgau (Österreich) in eine Fotofalle gegangen.

Fotofallenmonitoring Luchs: Hintergrund zum Projekt

Im Dezember 2015 wurde der männliche Luchs (Kuder) „Alus“ mit einem Fotofallenbild im Berchtesgadener Land festgehalten. Er war bereits im März 2015 auf österreichischer Seite dokumentiert worden. Der Kuder war aus Nord-Ost Italien zugewandert. Hier war er im Rahmen eines Projektes als Wildfang aus der Schweiz freigelassen worden. Allem Anschein nach behagte ihm seine neue Heimat nicht und er wanderte 130km in das Bayerisch-Österreichische Grenzgebiet Berchtesgadener Land – Pinzgau. Ob er sich noch immer hier aufhält bzw. ob es vielleicht weitere Luchse hier gibt, soll nun ein Fotofallen-Projekt zeigen.

Kooperationspartner

Die Kooperationspartner für das Projekt Fotofallenmonitroing im Pinzgau (v.l.): Thomas Zanker, Forstbetriebsleiter Saalforste/BaySF, Hendrik Block Jagdspezialist ÖBf/Pinzgau, Stefanie Morbach, Gregor Louisoder Umweltstiftung, Kirsten Weingarth, Habitat Wildlife Services. Reges Interesse fand das Thema bei der Salzburger Jägerschaft. Rechts im Bild: Georg Meilinger, Bezirksjägemeister der Salzburger Jägerschaft.

Die Kooperationspartner für das Projekt Fotofallenmonitoring im Pinzgau (v.l.): Thomas Zanker, Forstbetriebsleiter Saalforste/BaySF, Hendrik Block, Jagdspezialist ÖBf/Pinzgau, Stefanie Morbach, Gregor Louisoder Umweltstiftung, Kirsten Weingarth, Habitat Wildlife Services. Reges Interesse fand das Thema bei der Salzburger Jägerschaft. Rechts im Bild: Georg Meilinger, Bezirksjägermeister der Salzburger Jägerschaft.

Im Projekt „Fotofallenmonitoring Pinzgau“ arbeiten wichtige Akteure zusammen. Das Projekt ist angeregt und finanziert von der Gregor Louisoder Umweltstiftung, die sich im Projekt Bayern Wild (Projektleitung Stefanie Morbach) schon lange Jahre dem Thema Große Beutegreifer annimmt. Unkomplizierte und umfängliche Unterstützung erfahren die Umweltstiftung und die Auftragnehmerin Kirsten Weingarth (Habitat Wildlife Services) durch die Flächeneigentümer im Projektgebiet, die Bayerische Staatsforste und die Österreichische Bundesforste.

Projektgebiet

Befestigung einer Wildtierkamera an ausgewähltem Standort. (Foto: T. Zanker) - Fotofallenmonitoring Luchs

Befestigung einer Wildtierkamera an ausgewähltem Standort. (Foto: T. Zanker)

Das Projektgebiet des Fotofallenmonitoring Luchs liegt auf Flächen der Bayerischen Staatsforste (Saalforste) und den Österreichischen Bundesforsten im Pinzgau, Österreich. Hier wurde der Luchs Alus erstmalig mit Fotofallenbild dokumentiert, später tauchte er auf einem Bild im angrenzenden Berchtesgadener Land (Bayern) auf.
Für das Projekt wurden 12 Fotofallenstandorte nach dem opportunistischen Prinzip ausgewählt. Hier wurde jeweils eine Kamera (Cuddeback Wildkamera Professional color) installiert.

 

 

 

 

Fotofallenmonitoring

Fotofallenmonitoring Luchs - An ausgewählten Standorten wurden Wiltierkameras installiert. Von ihnen erhoffen sich alle am Projekt beteiligten den Nachweis, ob sich ein oder mehrere Luchse im Gebiet aufhalten.

Die Kameras sind in einem Metallgehäuse vor Wind und Wetter geschützt. (Foto: K. Weingarth)

Die Aufnahme von Wildtieren mit Wildtierkameras ermöglicht Vorkommen, räumliche Verteilung und z.T. auch Verhalten von Wildtieren zu dokumentieren ohne die Tiere dabei zu stören. Die Kameras lösen bei Bewegung aus. Im beschriebenen Projekt soll ein weiterer Luchsnachweis erbracht werden. Richtig installiert und mit ein wenig Glück entstehen so Bilder, die das Vorkommen von Luchs(en) eindeutig belegen.

Die selbst auslösenden Kameras speichern die Bilder auf einer SD-Karte. Die lange Akku-Laufzeit ermöglicht es, dass die Kameras über längeren Zeitraum funktionstüchtig bleiben. Eine Metallgehäuse dient als Schutz der Kameras vor Wind und Wetter.

Ziel des Projektes ist es, einen (weiteren) eindeutigen Nachweis (SCALP Kriterien Kategorie 1, C1) eines oder mehrerer Luchse im Gebiet zu bekommen. Luchse haben ein individuelles Fleckenmuster im Fell an dem sie unterschieden werden können. Werden Bilder an verschiedenen Standorten gemacht, kann anhand der Fellmuster erkannt werden, ob es sich um ein und das selbe Tier handelt – vorausgesetzt es sind die gleichen Körperseiten abgelichtet. Optimal hierbei sind zwei Kameras pro Standort, die die Aufnahme beider Flanken ermöglichen. Hierauf wurde zunächst verzichtet.

Für eine erste Untersuchung hat man sich für ein Opportunistisches Monitoring entschieden. Für einen C1 Nachweis auf kleiner Fläche ohne den Anspruch das Streifgebiet des Luchses in gesamter Ausdehnung zu erfassen, bietet sich diese Methode an. Hierbei werden Fotofallenstandorte ausgewählt, an denen die Wahrscheinlichkeit hoch ist einen Luchs aufzunehmen. Berücksichtig wird dabei die Topographie, Wanderwege/Forstwege, „Attraktivität“ für den Luchs (bspw. Winterfütterung Rehwild), aber auch die Praktikabilität. Denn auch im Winter müssen die Standorte zugänglich sein und dürfen einen gewissen Aufwand nicht überschreiten.

 

 

 

 

 

Fotofallenmonitoring Luchs - Hinweisschilder informieren über den Einsatz der Fotofallen im Gebiet. (Foto: K. Weingarth)

Hinweisschilder informieren über den Einsatz der Fotofallen im Gebiet. (Foto: K. Weingarth)

Datenschutz

Das Projekt Fotofallenmonitoring Luchs und der Datenschutz: An den Standorten der Kameras sind Hinweisschilder montiert. Die Fotofallen wurden installiert, um bestmögliche Bilder freilebender Luchse zu machen und sind auf deren Größe eingestellt. Entstehen dennoch personenbezogene Daten werden diese unverzüglich gelöscht. Die Aufnahmen dienen alleinig der Dokumentation möglicher Luchse im Gebiet.

 

 


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Wölfe in Österreich geboren!

Der Wolf ist zurück, nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich. Diese Nachricht an sich ist nicht neu. Neu jedoch ist, dass nun erstmals seit weit über hundert Jahren Wölfe in Österreich Nachwuchs in freier Wildbahn bekommen haben.

Wölfe in ÖsterreichDie kleine Sensation ereignete sich auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel.  An sich ist so ein ein Truppenübungsplatz alles andere als ein ruhiger Ort, um ungestört seine Jungen aufzuziehen. Doch beim Übungsplatz Allentsteig liegen die Dinge etwas anders. Hier haben freilebende Wölfe in Österreich die Gelegenheit – trotz der militärischen Übungen und Manöver – genutzt und ihren Nachwuchs dort zur Welt gebracht. Für das Bundesheer selbst scheint die Geburt der Wölfe auf dem Gelände keine so große Überraschung zu sein, wie für alle anderen Beteiligten.

Das österreichische Bundesheer wende seit mehr als 20 Jahren ein Naturraummanagement für den Truppenübungsplatz an. Der Übungsplatz Allensteig ist Teil des Natura 2000 Netzwerkes. „Damit wurde es möglich, dass sich im Synergieprozess zwischen militärischer Aufgabenerfüllung und den Bedürfnissen des Naturschutzes ein wertvolles ökologisches Refugium bilden konnte, das zahlreichen gefährdeten Arten Schutz und Rückzug bietet. Die jungen Wölfe stehen also gewissermaßen unter militärischem Schutz“, sagt Ottokar Jindrich vom Umweltschutzreferat des Verteidigungsministeriums.

Seit 2009 werden laut WWF jährlich zwei bis sieben Wölfe in Österreich nachgewiesen. Im Vorjahr wurden vier Tiere bestätigt. Diese wurden in Niederösterreich, Salzburg, Vorarlberg, Tirol und der Steiermark gesichtet. Die Wölfe waren mit großer Wahrscheinlichkeit aus Italien, der Schweiz, Slowenien und der Slowakei eingewandert.

Wölfe in Österreich: Mehr Informationen zu Natura 2000 auf dem Truppenübungsplatz Allensteig.


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Luchswiederansiedlung im Pfälzerwald

Auswilderung von Luchsen…

LuchswiederansiedlungIm Pfälzerwald hat man sich große Ziele gesetzt: Die Auswilderung von 20 telemetrisch überwachten Luchs-Wildfängen aus der Schweiz und den Karpaten innerhalb der nächsten fünf Jahre.  Das Gebiet des Pfälzerwalds ist Teil des grenzüberschreitenden Biosphärenreservats Pfälzerwald / Vosges  du Nord. Es hat eine Gesamtfläche von 302.800 ha. Die Fläche auf deutscher Seite ist 179.000 ha groß. Davon sind 36.000 ha als FFH Gebiet ausgewiesen. Damit ist der Pfälzerwald bestens geeignet für die Wiederansiedelung der für den Menschen gewöhnlich unsichtbaren Waldbewohner. Bei Erfolg könnte der Pfälzerwald also Teillebensraum einer großen und stabilen Luchspopulation werden.

Luchswiederansiedlung im Pfälzerwald

Der lange Weg bis zum Ziel: Von einer Idee bis zu deren Vollendung dauert es naturgemäß eine Weile. Bis die ersten drei Jungtiere diesen Sommer ausgesetzt werden konnten, galt es eine Menge Arbeit zu leisten. Angefangen mit Gutachten – das erste bereits im Jahr 1977 – die dem geplanten Gebiet die Eignung zur Luchswiederansiedlung bescheinigten. Des weiteren wurde ein Projektbüro eröffnet und Personal fachgerecht weitergebildet sowie die wissenschaftliche Infrastruktur zur Begleitung des Projekts aufgebaut. Kontakte zu unterschiedlichen Akteuren geknüpft und weitergesponnen. Und vor allem wurde eine vorbildliche Öffentlichkeitsarbeit etabliert, denn gerade wenn es um die Wiederansiedlung von großen Beutegreifern geht, kann man das betroffene Umfeld gar nicht früh genug informieren.

Die ersten drei Luchse sind ausgewildert

Das erste Ergebnis der langjährigen Arbeit konnte diesen Sommer betrachtet werden. Die ersten drei in den Pfälzerwald entlassenen Luchswaisen – ein Männchen und zwei Weibchen – stammen aus den slowakischen Karpaten. Ihre Wiederansiedlung wird von einem ganzen Maßnahmenbündel begleitet. Dazu gehört natürlich auch ein Luchs-Managementplan, den das Umweltministerium im bereits Juni in Kraft gesetzt hatte. In diesem Managementplan wird geregelt, was zum Wohle der Luchse, aber auch was zum Wohle der Landnutzer erforderlich ist. Sollte einer der Luchse ein Schaf töten, bekommt der Tierhalter den Schaden erstattet.

Die Luchse sollen sich nach der Freilassung ein Leben in freier Wildbahn erschließen. Der Einfluss des Menschen soll so gut es geht minimiert werden. Jedes der ausgesetzten Tiere trägt zur Überwachung ein GPS-Halsband. So ist es möglich ihre Aufenthaltsorte zu verfolgen und vieles über ihre Lebensweise zu erfahren. Außerdem nehmen landesweit ehrenamtliche Luchsberater Meldungen über Sichtungen von Luchsen entgegen. So soll ein möglichst weitgehendes Luchs-Monitoring stattfinden.

 

Mehr Informationen zum Luchs-Projekt im Pfälzerwald von der Stiftung Natur und Umwelt Rheinlandpfalz.


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Bayern soll 3. Nationalpark bekommen – Steigerwald politisch ausgeschlossen

3. Nationalpark - Buchenschutzgebiet im Steigerwald

Bayern soll einen 3. Nationalpark bekommen…

3. Nationalpark: Im Rahmen einer Kabinettsklausur Ende Juli hat die Bayerische Staatsregierung auch die Einrichtung eines dritten Nationalparkes auf Staatswaldfläche beschlossen. Ein bereits bestehender Vorschlag kam dabei aber nicht zum Zuge: Einen Nationalpark Steigerwald hatte die Staatsregierung bereits zuvor aus politischen Gründen ausgeschlossen, dies wurde von Ministerpräsident Seehofer nochmals bestätigt.

„Ich bin fest entschlossen, dass wir einen dritten Nationalpark in Bayern gründen. Der Nationalpark soll vor allem den Staatswald umfassen, weil dies ja immer mit den privaten Waldbewirtschaftern sehr schwierig ist“, so Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Am 2.8. hat Umweltministerin Scharf Details der Öffentlichkeit vorgestellt. Demnach soll die Gebietsfestlegung erst nach einer Bürgerbeteiligungsphase erfolgen.

Claus Obermeier, Vorstand der Gregor Louisoder Umweltstiftung zu der neuen Initiative der bayerischen Staatsregierung: „Neue Nationalparks in Staatswäldern sind Garant für längst überfällige Fortschritte im Naturschutz in Bayern: Sie binden im großen Stil schädliche Klimagase, helfen Hochwasser zu reduzieren und verringern den Schadstoffeintrag in Grund-   und Trinkwasser. Vor allem aber bieten sie erholungsuchenden Menschen, bedrohten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum in einer ansonsten fast flächendeckend von intensiver Land- und Forstwirtschaft und ausufernden Gewerbegebieten geprägten Landschaft“. Die Gregor Louisoder Umweltstiftung unterstützt in verschiedenster Weise deutschlandweit und in Bayern entsprechende Projekte und Initiativen.

Die in den letzten Jahren neu gegründeten Nationalparke Deutschlands zeigen, dass es sich lohnt, sich für neue Wildnisschutzgebiete zu engagieren und vor allem das 2-Prozent-Ziel von Bundesregierung, Verbände und Wissenschaftlern endlich vor Ort umgesetzt werden muss.  Mindestens 2 Prozent echte Wildnisflächen in Deutschland – das ist das Ziel von Bundesregierung (Biodiversitätsstrategie), Naturschutzverbänden und Wissenschaftlern – ein kleiner Beitrag Deutschlands zum globalen Naturschutz. 2 Prozent sind für ein reiches Land wie Deutschland nicht viel – da verlangen wir von unseren Partner- und Urlaubsländern in Asien, Afrika und Amerika wesentlich mehr. Dazu müssen in den nächsten Jahren in ganz Deutschland die meistens schon vorliegenden Schutzkonzepte auch umgesetzt werden. So müssen neben der Ausweisung neuer Schutzgebiete vor allem in den bestehenden Gebietskulissen wie FFH-Gebieten die Behörden auf Staatsgrund strenge Schutzzonen ausweisen, wenn ihre eigenen Ziele nicht untergehen sollen. Die bisherige Blockadehaltung mancher Interessensverbände darf sich nicht durchsetzen, wenn Bayerns Naturerbe bewahrt werden soll.

Ausspielen einzelner Vorschläge gegeneinander nicht sinnvoll

Aus fachlicher Sicht sind nur noch wenige Gebiete in Bayern für die Ausweisung neuer Nationalparke erreichbar, so sollten sie mindestens 10000 Hektar umfassen, ausschließlich in Staatsbesitz sein, keine großflächigen pflegebedürftigen Wiesen und Heiden umfassen, nicht von größeren Verkehrsachsen zerschnitten werden und möglichst naturnahe Wälder beinhalten. Claus Obermeier weiter: „Daher kommen aus fachlicher Sicht für weitere zusätzliche Nationalparke zurzeit der Spessart, der Steigerwald, das Ammergebirge und möglicherweise Teile der Rhön in Frage. Die Staatsregierung muss sich jetzt noch dieses Jahr auf ein Gebiet festlegen und in die Umsetzungsplanung einsteigen“.

Es mache zurzeit keinen Sinn, verschiedene fachlich geeignete Gebietsvorschläge gegeneinander auszuspielen. Alle genannten Gebiete müssen umfassend geschützt werden, auch ohne Nationalpark. Die Gregor Louisoder Umweltstiftung wird auch weiterhin die Initiativen Steigerwald (Verein Nationalpark Nordsteigerwald) und Ammergebirge (Förderverein Nationalpark Ammergebirge) unterstützen.

Im Rahmen einer Kabinettsklausur Ende Juli hat die Bayerische Staatsregierung auch die Einrichtung eines dritten Nationalparkes auf Staatswaldfläche beschlossen. Einen Nationalpark Steigerwald hatte die Staatsregierung aber aus politischen Gründen ausgeschlossen, dies wurde von Ministerpräsident Seehofer nochmals bestätigt.

Aktuelle Infos: Ein dritter Nationalpark. Für Bayern.


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Bayerns Natur im Ausverkauf? – Am Riedberger Horn und im Steigerwald kämpft die Staatsregierung gegen den Naturschutz

Riedberger Horn - Riedbergerhorn ZoneC_Copyright DAV

Grafik Planungen Riedberger Horn, c DAV.

Außerhalb Bayerns kann man beide Meldungen kaum glauben, stellen sie doch einen Frontalangriff auf Ziele und Planungen zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen dar, und stehen in Widerspruch zu der Arbeit der anderen Landesregierungen und der Bundesregierung zum Schutz der biologischen Vielfalt. Selbst Insider hätten eine derartige Eskalationstrategie gegen den Naturschutz – teils sogar gegen das eigene Umweltministerium und die Fachbehörden – kaum für möglich gehalten. In beiden Fällen setzten sich anscheindend Hardliner des Bau- und Wirtschaftsflügels unter der Führung des Chefs der CSU-Landtagsfraktion Thomas Kreuzer  durch – er hatte schon mehrfach öffentlich die Naturschutzforderungen abgelehnt. Eine aktuelle Bilanz von Claus Obermeier.

Riedberger Horn

Die Auseinandersetzungen um den Bau einer Skischaukel in einem der wertvollsten Bereiche des Riedberger Hornes mit einer vitalen Birkhuhnpopulation haben sich auf bedrohliche Weise zugespitzt. Die Bayerische Staatsregierung hat in einer Kabinettssitzung beschlossen, dass es in den betroffenen Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein eine Bürgerbefragung geben soll. Bei entsprechendem Votum will sie die notwendigen Schritte zur Genehmigung der Skischaukel einleiten und die Schutzgebietsgrenzen entsprechend verschieben. Geprüft werden könne demnach auch, wie man den Landesentwicklungsplanso so ändern könne, dass in der Zone C des Alpenplans Skigebietserschließungen möglich seien.

Naturschützer wie der DAV-Vizepräsident Rudolf Erlacher sind schockiert: „Das kommt einer Abschaffung des Alpenplans gleich“. Und zur geplanten Befragung sagt er: „Was nach Bürgerbeteiligung klingt, ist in Wahrheit eine Nebelkerze. Die Bürgerbefragung soll verschleiern,dass sichdie Bayerische Staatregierung in eine Klemme manövriert hat, aus der sie alleine nicht mehr herauskommt.“ Unabhängig vom Ausgang der Befragung sprechen nämlich rechtliche Gründe eindeutig gegen die Skischaukel – unter anderem die Alpenkonvention. Ministerpräsident Horst Seehofer erklärte die Causa Riedberger Horn zur Chefsache, nachdem sich die am Genehmigungsverfahren beteiligten Ministerien in den zurückliegenden Monaten nicht auf eine Linie einigen konnten. Trotz entschiedener Ablehnung der Skischaukel-Pläne durch das Bayerische Umweltministerium

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Birkhahn, C LBV/Werth

und der naturschutzfachlich hohen Wertigkeit des Berges stellte er den Skigebietsbetreibern einen für sie positiven Ausgang des Verfahrens in Aussicht.

Sollten diese Pläne trotzdem genehmigt werden, würde ein Präzedenzfall geschaffen, der unabsehbare Auswirkungen auf die gesamten Bayerischen Alpen hätte. Der Alpenplan, ein international hochgelobtes und seit 44 Jahren bestehendes landesplanerisches Instrument, stünde in Frage. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, da die Bundesrepublik Deutschland gemeinsam mit dem Freistaat Bayern den Vorsitz der Alpenkonvention inne hat.Die Position der Naturschützer wie des LBV-Vorsitzenden Norbert Schäffer ist daher eindeutig: „Für uns sind die Natur und der Birkhuhnbestand am Riedberger Horn einzigartig und nicht verhandelbar. Wir werden alle rechtlichen Schritte unternehmen, um das Birkhuhn, die Natur am Riedberger Horn und den Alpenplan zu schützen“. Eine erwogene Änderung des Alpenplans sieht der LBV als Frontalangriff auf den Naturschutz. Der Alpenplan ist das wirksamste Instrument, um eine Übererschließung des Bayerischen Alpenraums zu verhindern. Er wurde 1972 angesichts drohender Erschließungen an überaus prominenten Bergen ins Leben gerufen.

Steigerwald

Der zweite Brennpunkt liegt in den weitläufigen Buchenwäldern des Steigerwaldes. Nach der Ablehnung aller GLUS_Plakat_Natur_Ohne_Schutz_SteigerwaldNationalparkforderungen durch die Staatsregierung werden jetzt auch kleine Buchenschutzgebiete kategorisch abgelehnt, man setzt auf Nutzung und lässt bewusst den Konflikt eskalieren, so mit dem Verfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht um das Schutzgebiet „Hoher Buchenen Wald“ bei Ebrach. Dort hatte der Landkreis ein Buchenschutzgebiet ausgewiesen, doch die Bayerische Staatsregierung änderte sogar das Naturschutzgesetz, um den Landkreisen derartige Kompetenzen entziehen und das bereits rechtkräftige Schutzgebiet wieder aufheben zu können – dagegen hatten die Naturschutzverände – leider in der ersten Instanz erfolglos – geklagt.

Aktuelle Ergebnisse des Kartierungs-Projektes von BN und WWF belegen dort und in den umliegenden Staastwäldern eine beeindruckende Anzahl an Starkbäumen: Auf einer kartierten Fläche von 500 Hektar wurden mehr als 6000 Starkbäume gefunden. Hubert Weiger, Vorsitzender des BN: „Wir fordern die Bayerische Staatsregierung auf, dieses wertvolle Waldgebiet wieder unter Schutz zu stellen. Auch Bayern muss wie alle anderen Bundesländer das völkerrechtlich bindende Ziel umsetzen und mehr Raum für eine natürliche Waldentwicklung und damit für mehr Artenschutz schaffen.

Martin Mößlein, Vorstand des Vereins Nationalpark Nordsteigerwald: „Immer mehr Menschen im Steigerwald wenden sich gegen die starken Hiebsmaßnahmen im Staatswald und betrachten sie als einen fortschreitenden Ausverkauf des größten Naturschatzes in unserer Heimat. Der Nordsteigerwald würde von einem geeigneten Schutzgebiet weit mehr profitieren als von der Holznutzung, deren Erlöse in die Bilanz der Konzernzentrale nach Regensburg abfließen.“

Aktuelles zur Kabinettsentscheidung gegen den Schutz des Riedberger Hornes (Presseinfo Umweltverbände pdf)

Aktuelles zur gerichtlichen Auseinandersetzung um den Schutz der Buchenwälder im Steigerwald

Hintergrundinfo Steigerwald (Bürgerinfo)


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Bayerns Luchse – immer wieder ein Thema

Bayerns LuchseBayerns Luchse: Der Luchs findet immer wieder einen Platz in den Medien. Sei es als Werbe-Ikone für unberührte Waldwildnis und die Ferienregion Bayerischer Wald oder als traurig populäres Beispiel in der Serie „illegales Töten geschützter Wildtiere“. Nun haben es Bayerns Luchse in die „Heimatzeitung“ MUH geschafft. Hier wird die jahrlange Geschichte im Fall der toten Luchse im Bayerischen Wald zusammengefasst. MUH bezeichnet sich als „ein Magazin sein für bayerisches Wesen und Unwesen, bayerische Kulturen und Unkulturen, Gemütlichkeit und Ungemütlichkeiten“. Genau davon handelt die Geschichte und die Verworrenheit im Fall der getöteten Luchse.

Aber nicht nur die Medien beschäftigen sich immer wieder mit dem Luchs. Auch die Staatlichen Stellen müssen sich vermehrt mit den Negativ-Schlagzeilen auseinandersetzen und handeln.

Mit erschreckenden Zahlen über Bayerns Luchse ging unlängst das Bayerische Umweltministerium an die Öffentlichkeit. 5 Luchse sind in den vergangenen Jahren vergiftet, geschossenen und stranguliert worden. Hinzu kommt eine erschreckend hohe Zahl an Tieren – 14 an der Zahl – die als verschollen gelten. Dank des langjährigen Fotofallenmonitorings im Nationalpark Bayerischer Wald und den angrenzenden Flächen gibt es einen guten Überblick über die ansässigen Tiere.

Nach Ablösen von der Mutter streifen junge Luchse allein umher auf der Suche nach einem eigenen Revier. Haben sie dieses etabliert, so gibt es fast nichts was sie forttreiben könnte. Mehrmalige Fotofallen-Aufnahmen tragen dazu bei einen Luchs als resident, also sesshaft in einem bestimmten Gebiet zu bezeichnen. 14 dieser als resident geltenden Tiere sind im Vorfeld des Nationalparks Bayerischer Wald verschwunden. Die Tiere wurden lediglich 3-5 Jahre alt und konnten sich, nach Angaben aus dem Ministerium, nicht länger als 30 Monate in ihren Revieren halten. Was schon lange geunkt wurde ist nun (indirekt) bestätigt. Zwar kann sich das Ministerium nicht für eine klare Aussage begeistern, aber die „illegale Verfolgung durch den Menschen als Ursache für das Verschwinden der Luchse (kann) nicht ausgeschlossen werden“.

Seit Jahren befassen sich Naturschutzverbände mit der Problematik des Verschwindens, die weit mehr ist als das Verschwinden einzelner Tiere. In Bayern ist der Verlust ein herber Rückschlag für die Bemühungen der Behörden und Naturschutzverbände den kleinen „Bayerischen Löwen“ wieder zu stärken. Heimische Tierarten sind nicht nur ein Natur-, sondern auch ein Kulturgut. Und, um es mit der MUH zu sagen: sie sind bayerische Wesen, aus mancher Sicht auch Unwesen, aber sie gehören zu Bayern wie Leberkäs und Lederhosn.

WIR DANKEN DER REDAKTION MUH FÜR DIE BEREITSTELLUNG DES ARTIKELS „DER TOD IM UNTERHOLZ“. EIN HEIMATKRIMI, SOZUSAGEN, DESSEN SERIE HOFFENTLICH BALD ZUM ENDE KOMMT.

MUH 21 – Luchsmorde – Der Tod im Unterholz

 

 

 

 


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Illegale Tötung geschützter Wildtiere

 

Tötung geschützter Wildtiere - Vorderextremitaeten_PI Bad Kötzting

Die Luchs Extremitäten zweier Luchse wurden 2015 abgetrennt aufgefunden. Fünf Luchse kamen in Bayern seit 2012 durch Schuss oder Gift zu Tode. (Foto: PI Bad Kötzting)

Die Spitze des Eisberges

Tötung geschützter Wildtiere: Bei jedem Statement zu den bekannt gewordenen Fällen getöteter Luchse war von „der Spitze des Eisberges“ die Rede. Schlichtweg konnte man nicht sagen wie viele geschützte Wildtierarten – denn das Problem betrifft bei Weitem nicht nur den Luchs – in den letzten Jahren in Bayern eines unnatürlichen Todes starben. Das hat mehrere Gründe:
Zunächst müssen die Fälle bekannt, gemeldet und auch als Straftat erkannt werden. Nicht jeder tote Greifvogel muss vergiftet worden sein. Aber auch vom Gegenteil kann man nicht ohne Weiteres ausgehen. Hier liegt also die erste Hürde. Es bedarf einer guten Aufklärungsarbeit der Bevölkerung Verdachtsfälle unmittelbar zu melden. Klar muss auch sein: an wen kann ich das melden? In erster Instanz ist die Polizei dafür zuständig. Diese muss geschult und sensibilisiert sein. Hier gibt es erste gute Ansätze in Form von internen Gesprächen und einem Handlungspapier zum Vorgehen in derartigen Fällen.

Zeit und Geld ist ein weiterer wichtiger Faktor. Die zuständigen Behörden brauchen Kapazitäten den Fällen nachzugehen und gegebenenfalls notwendige Laboranalysen in Auftrag zu geben. Mit einer monatelangen Lagerung in der Tiefkühltruhe ist noch kein Fall gelöst worden.

Es gibt in Bayern keine zentrale Stelle, bei der alle Fälle gesammelt werden. Es wäre wünschenswert und dringend notwendig eine jährliche Statistik aller Fälle – von Biber bis Rotmilan – zu veröffentlichen. Zum einen kann daraus ein Trend ersehen werden, zum anderen die Tatsache, dass es sich nicht um wenige Einzelfälle handelt. Damit können NGOs wie Behörden ihre Bemühungen bei Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung reflektieren und verbessern.

Die Spitze des Eisberges hat sich mit Veröffentlichung der Zahlen illegal getöteter, geschützter Wildtiere in den Jahren 2010-2015 etwas verbreitert. Dennoch dürfte die Zahl X aus oben genannten Gründen immer noch um ein Vieles mehr sein.

Schwarz auf weiß – offizielle Zahlen bekannt gewordener Fälle

Tötung geschützter Wildtiere

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Auf SPD Anfrage brachte das Umweltministerium Bayern nun ein Auflistung auf Papier:
Seit 2010 wurden drei Fischotter und fünf Luchse getötet. Nach Ansicht des Landesamt für Umwelt gelten 14 Luchse als verschollen.

2010-2015 wurden 85 Vögel (Greifvögel und Eulen) illegal getötet. Auflistung der Jahre 2015/2016 stehen noch aus. Bis auf einen Fall wurden die Fälle nicht zur Anzeige gebracht. In lediglich 22 Fällen wurde polizeilich ermittelt. 21 Fälle gelangten zur Staatsanwaltschaft. 2 Verdächtige konnten ausgemacht werden. Es kam nie zu einer Anklage, geschweige denn Verurteilung. Die ausführliche Antwort auf die Anfrage finden Sie als pdf hier.

Eine ernüchternde Bilanz. Und man muss die Frage stellen: warum konnten die Tathergänge nie einwandfrei nachgewiesen werden, so dass es zu einer Anklage gekommen wäre? Nach offiziellen Aussagen sind die polizeilichen Strukturen in Bayern sehr gut und ausreichend. Was ist dann also die Stellschraube an der gedreht werden muss, damit es endlich zu einer Anklage kommt und damit auch zum deutlichen Zeichen: illegale Tötung geschützter Wildtiere ist eine Straftat, die konsequent verfolgt und bestraft wird.

Österreich verurteilt Luchs-Jäger

Tötung geschützter Wildtiere in Österreich: In Österreich kam es nun erstmalig zu Anklagen und Verurteilungen. Ein Ehepaar hat mindestens 2 Luchse erschossen. Ins Rollen gekommen war der Fall nachdem die Ex-Geliebte des Mannes die Aussagen ihr gegenüber öffentlich machte. Die Ehefrau ist rechtskräftig verurteilt worden. Die Tiere stammen höchstwahrscheinlich aus dem Nationalpark Kalkalpen, in dem eine kleine Anzahl Luchse vorkommt. Statt zunächst 2880€ Geldstrafe und Schadensersatz an den Nationalpark Kalkalpen in Höhe von 12.000€, musste die Angeklagte nach Berufung nur 1920€ zahlen. Mehr dazu hier. Der Ehemann steht derzeit vor Gericht. In erster Instanz wurde er zu 11.160€ Strafe und 12.101€ Ersatzzahlung an den Nationalpark Kalkalpen verurteilt. Das Urteil ist (Stand 30.6.2016) nicht rechtskräftig. Mehr dazu hier.

Der legale Abschuss eines Luchses bspw. in Rumänien kostet ca. 800€. Hinzu kommen Anreise, Unterkunft etc. Eine Geldstrafe bei illegalem Abschuss muss diese Summe um ein Vielfaches überschreiten.

Illegale Tötung geschützter Wildtiere hat weitaus mehr Nebenwirkungen als den Tod eines Tieres. Gerade bei Vergiftungen ist die Gefahr andere Tiere oder auch Menschen zu Gefährden hoch. Für einige Arten ist die Tötung Bestandes bedrohend. Und selbstverständlich werden sofort Mutmaßungen angestellt, wer Interesse am Tod der Tiere haben könnte. Dies trägt zum schlechten Bild ganzer Gruppen bei, aus deren Reihen es letztendlich nur Einzelne sein werden, die derartige Straftaten begehen.

Die große Mehrheit verurteilt die illegale Tötung von Wildtieren. Dennoch wiegen und wähnen sich die Täter in Sicherheit.

 

 

 

 


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Bayern ist Wolfsland – aktuelle Positionen und Forderungen von LBV / NABU veröffentlicht

Bayern ist Wolfsland - Abschuss von Wölfen

© Miha Krofel

Bayern ist Wolfsland: „Im Hinblick auf den Wolf beginnt ab jetzt ein neues Zeitalter. Er ist da und ist keine Ausnahmeerscheinung mehr, darüber freuen wir uns“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des bayerischen NABU-Partners Landesbund für Vogelschutz (LBV). Neben den acht bestätigten Sichtungen dürften in derselben Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit noch etliche weitere Tiere unbemerkt geblieben sein. Deshalb kann nicht mehr von Einzelmeldungen gesprochen werden, sondern von einem regelmäßigen Auftreten. „Wölfe lassen sich nicht geografisch eingrenzen. Gerade junge Männchen wandern sehr lange Strecken und können mittlerweile jederzeit und überall in Bayern auftauchen. Wir sehen natürlich auch, dass dies zu Schwierigkeiten führen kann“, so Schäffer weiter. Bayern muss sich deshalb fit für die Rückkehr des Wolfs machen.

Der jüngste Wolfsnachweis stammt aus dem Bayerischen Wald. Bereits am 17. April nahm eine Wildkamera im Landkreis Regen ein Tier auf, das Experten bei der Auswertung jetzt eindeutig als Wolf identifizierten. Angesichts mehrfacher Sichtungen von Wölfen im bayrisch-tschechischen Grenzgebiet stellt sich die Frage, ob es sich immer um das gleiche Tiere handelt oder ob es mehrere Wölfe sind. Damit würde die Wahrscheinlichkeit steigen, dass sich ein Paar findet, das dann über kurz oder lang auch für Nachwuchs sorgen würde.

Herdenschutz überfällig – Schafhalter müssen vorbereitet sein

Dazu gehört vor allem, insbesondere die Schafhalter zu unterstützen, für die Wölfe eine zusätzliche Belastung bringen. Grundsätzlich müssen bayerische Schafhalter ab jetzt in jedem Landkreis auf Wölfe vorbereitet sein und deshalb alle gängigen Vorsorgemaßnahmen selbst treffen, wie zum Beispiel die Tiere nachts in einem Stall oder einer mit Elektrozaun geschützten Koppel unterzubringen. „Bei regelmäßiger Anwesenheit eines Wolfs, müssen den Schäfern aber endlich auch Beratung und Präventionsmöglichkeiten wie Elektrozäune finanziert werden“, fordert Norbert Schäffer. Denn bei dauerhafter Anwesenheit des Wolfs in Bayern müssen Schafhalter in der Lage sein, ihre Tiere zu schützen, weshalb umgehend Fördermaßnahmen definiert werden müssen. Wichtig ist jedoch, dass die Schäfer auch einen eigenen Beitrag leisten und freiwillig ihre Haltungsbedingungen anpassen. „So müssen sie akzeptieren, dass in Zukunft nicht mehr überall eine Freiweide möglich sein wird“, betont Schäffer.

Forderungen nach „Wolfsfreien Zonen“ sind illegal

Für den LBV ist die Forderung einiger Nutzerverbände und Politiker nach „wolfsfreien Zonen“ in Bayern illegal, zudem sei sie in der Praxis ohnehin nicht umsetzbar. Geht man nach dem Willen der Bevölkerung, so ist ein Großteil (80 Prozent) grundsätzlich positiv zur Rückkehr des Wolfes eingestellt. Das zeigte im vergangenen Herbst eine repräsentative Umfrage des NABU. Bei der Zustimmung zum Wolf gab es auch keine großen Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Gemeinsam mit anderen Verbänden hat der LBV bereits seit Jahren einen Ausgleichsfonds für Verluste an Weidetieren und Gehegewild aufgelegt, um finanzielle Schäden, die Luchse oder Wölfe anrichten – so wie zuletzt im mittelfränkischen Neuhaus – schnell und unbürokratisch auszugleichen. Die bayerischen Fachbehörden arbeiten gemeinsam mit Nutzerverbänden wie dem Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern und Naturschutzverbänden wie dem LBV an einem Managementplan Wolf, um auf das Auftreten von Wölfen vorbereitet zu sein. Es wird angesichts der zunehmenden Wolfsnachweise in Bayern dringend Zeit, sich auf eine dauerhafte Ansiedlung vorzubereiten. „Beratung und sofortige Hilfe für betroffene Schäfer ist jedoch nur möglich, wenn die überfällige zweite Stufe des vorliegenden Management Plans nicht mehr blockiert, sondern endlich beschlossen wird“, so der LBV-Chef.

Die breite Abstimmung mit anderen Interessensgruppen ist aus LBV-Sicht entscheidend für ein erfolgreiches Miteinander von Mensch und Wolf. „Deshalb ist es so wichtig, dass beispielsweise auch die Jagdverbände mit im Bündnis sind“, sagt Schäffer. „Wir suchen den Schulterschluss von Naturschutz, Jagd und Schäferei.“

Presseinfo LBV / NABU

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„Leben am Limit“ im Bärenland

Bärenland - Team "Leben am Limit" mit Fotografin und Autorin Christine Sonvilla.

Team „Leben am Limit“ mit Fotografin und Autorin Christine Sonvilla (links im Bild).

„Leben am Limit“ im Bärenland: Christine Sonvilla, österreichische Fotografin und Autorin, arbeitet seit Jahren in der Natur und für die Natur. Ihre Bilder und Texte bringen Tiere, Pflanzen und Landschaften näher und vermitteln ansprechend und anschaulich viel Interessantes aus dieser, oftmals auch verborgenen Welt.

Mit dem Projekt „Leben am Limit“ ziehen Christine Sonvilla und ihre Kollegen den Bären in Slowenien nach. Auch in Österreich sind wenige Bären unterwegs. Bayern hat seinen – seit Jahrhunderten ersten und letzten – Bären Bruno vor 10 Jahren wieder entfernen müssen. Hoffen wir auf einen besseren Ausgang für den nächsten Bären-Gast in Bayern! Dazu tragen sicher auch Bilder, Eindrücke und Erfahrungen aus anderen Ländern bei.

Wir freuen uns über diesen Gastbeitrag und über weitere Berichte aus dem Projekt!

 

„Leben am Limit“ im Bärenland (Gastbeitrag von C. Sonvilla)

Bärenland - Baer_3

Bärenland: Auf der Suche nach dem Braunbären in Slowenien. (Foto: C. Sonvilla)

Bärenland:

Anfang Mai 2016. Drei Österreicher durchstreifen gemeinsam einen Wald in Südslowenien. Soweit nichts Besonderes, wäre da nicht ihre „Mission“. Sie sind nämlich auf der Suche nach einem der gefürchtetsten Raubtiere Mitteleuropas, dem Europäischen Braunbären.

In Österreich auf Braunbären zu stoßen, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Sie führen in der Tat ein „Leben am Limit“. Wobei in den letzten Tagen haben sich die Chancen auf Bärensichtungen mächtig gesteigert, denn Rudolf – ja, er hat schon einen Namen – ist unterwegs. Zwischen Goldeck, Villacher Bahnhof und Dobratsch streift der Jungbär auf Reviersuche umher (http://kaernten.orf.at/news/stories/2774634/). Nur hier im südlichen Kärnten zeigen sich Braunbären auch in Österreich. Experten schätzen, dass sich im Dreiländereck von Österreich, Italien und Slowenien etwa acht bis zehn Bären tummeln. Und jedes Mal, wenn einer dieser Grenzgänger gesichtet wird, landet er zielsicher in den Schlagzeilen.

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In Ländern wie Österreich und Bayern ist jede einzelne Erscheinung eine Schlagzeile, in Slowenien gehört der Bär zum Alltag. (Foto: S. Sonvilla)

Würden die slowenischen Zeitungen auch über jede Braunbärensichtung berichten, müssten sie jeden Tag eine Extra-Beilage einschieben. Bären sind hier eine Alltagserscheinung, 500 bis 600 halten sich in ganz Slowenien auf. Und irgendwie scheint das dort einfach zu funktionieren, dieses Zusammen- oder nennen wir es lieber Nebeneinanderleben von Bär und Mensch. Irgendetwas läuft jenseits der Karawanken offenbar anders ab und genau das wollen die drei Naturfotografen, Filmer und Autoren Marc Graf (http://www.grafmarc.at/), Christine Sonvilla (http://www.sonvilla.at/) und Robert Haasmann (http://www.roberthaasmann.com/) herausfinden. Sie haben sich zur Plattform „Leben am Limit“ (http://lebenamlimit.at/) zusammengeschlossen, um die Limits der wilden Natur aufzuzeigen und um Wege des besseren Miteinanders ausfindig zu machen.

Deswegen zieht es sie seit letztem Jahr immer wieder nach Slowenien. Sie wollen mehr über die vielerorts wenig beliebten Raubtiere herausfinden, sie in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten und auf spannende Weise fotografisch wie filmisch dokumentieren.

Der Foto-Film-&-Recherche-Plan für 2016 ist auf jeden Fall randvoll und beinhaltet u. a.: Fotofallen aufstellen, Erlebnisse und Meinungen sammeln, Wissenschaftler, Jäger, Touristiker und Schafhirten treffen, fotografieren, filmen, schreiben.

Bärenland - Selbstauslösende Fotofallen gehören zur Ausrüstung des Teams. Damit können professionelle Fotos von Bären in freier Wildbahn aufgenommen werden. (Foto: S, Sonvilla)

Selbstauslösende Fotofallen gehören zur Ausrüstung des Teams. Damit können professionelle Fotos von Bären in freier Wildbahn aufgenommen werden. (Foto: S, Sonvilla)

Und wofür? – Um es letztlich mit möglichst vielen Menschen zu teilen, um ihnen persönliche Erlebnisse zu schildern, fundierte Erkenntnisse zu liefern und packende Foto-Einblicke in eine Welt zu gewähren, die nur die wenigsten zu sehen bekommen. Denn ihrem gefährlichen Image werden die Bären selber nicht gerecht. Kaum erblicken sie einen Menschen, ergreifen sie auch schon die Flucht. Das gilt übrigens auch für Wölfe und Luchse, mit dem Zusatz, dass Wölfe und Luchse von Haus aus so gut wie unsichtbar bleiben.

Vielleicht gibt es ja auch im Herzen Mitteleuropas wieder einmal mehr Platz für große Beutegreifer. Marc, Christine und Robert möchten ihren Teil dazu beitragen, deswegen kooperieren sie nicht nur mit Partnern in Slowenien, sondern auch in ihrer Heimat. Einige österreichische Nationalparks, Wildnisschutzgebiete und Naturschutzorganisationen unterstützen ihre Bemühungen. Gemeinsam lässt sich eben mehr bewegen.

Noch aber gibt es viel Arbeit zu tun! Wer über das Projekt am Laufenden bleiben möchte, kann sich in die Facebook-Seiten der drei Fotografen reinklicken bzw. die gemeinsame Projekt-Webseite im Auge behalten: http://lebenamlimit.at/

Momentan ist die Webseite noch etwas ruhig, aber ab Sommer soll sie regelmäßig aktualisiert werden.

 


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Herdenschutz – eine Aufgabe für alle

Herdenschutz - Wir können Nutztiere vor Übergriffen von Wölfen geschützt werden? Mit dem Thema müssen wir uns heute auseinandersetzen, bevor morgen der Wolf da ist. (Foto: S. Jaeger)

Wie können Nutztiere vor Übergriffen von Wölfen geschützt werden? Mit dem Thema müssen wir uns heute auseinandersetzen, bevor morgen der Wolf da ist. (Foto: S. Jaeger)

Herdenschutz wird auch in Bayern ein zunehmend drängendes Thema. Mit der Rückkehr der Wölfe müssen sich Nutztierhalter damit auseinandersetzen wie sie ihre Tiere vor Übergriffen weitgehend schützen können. Dass dies zunächst mit Umdenken, Arbeit und Geld verbunden ist, ist kein Geheimnis. Ebenso ist es aber auch kein Hexenwerk. Die Rückkehr großer Beutegreifer allein ist nicht der Grund für das Aussterben der Schafbetriebe. Hierfür gibt es seit Jahren wesentlich unmittelbarere Probleme – aber das ist ein anderes Thema.

Herdenschutz beginnt im Kopf

Mit der Ausrottung großer Beutegreifer, wie Bär, Wolf und Luchs mussten wir uns keine weiteren ernsthaften Gedanken zum Schutz unserer Nutztiere auf freien Fläche machen. Füchse und Kolkraben töten ab und an v.a. Lämmer, in manchen Gegenden sind freilaufende Hunde mit laizze-faire Hundebesitzern oder ganz ohne Begleitung eher das Problem. Nun steht der Wolf vor der Tür und stellt v.a. die Schafhaltung auf eine neue Probe. Begeistert hört man wohl kaum einen Schafhalter von der Rückkehr der Wölfe sprechen. Dennoch gibt es ein paar, die sich schon seit Jahren damit befassen, sich fortbilden und Systeme (von Zäunung bis Schutzhund) ausprobieren. Sie wollen gerüstet sein, wenn es eines Tages heißt: Wölfe sind dauerhaft zurück in Bayern. Eine Verweigerungshaltung löst das Problem nicht. Eine Nutztierhalterin, die sich mit dem Thema eingehend befasst, erzählte, dass sie von Kollegen als „Wolfsfreund“ beschimpft wurde. „Ich bin nicht für den Wolf. Ich bin für meine Tiere“ war ihre Antwort. Jetzt ist die Chance ohne akuten Druck durch dauerhafte Wolfspräsenz, zu lernen, wie sich Tiere schützen lassen, wie die Arbeit und der Umgang mit Herdenschutzhunden ist etc. Das sollten wir alle – Nutztierhalter, Behörden und Naturschutzverbände – nutzen!

Herdenschutz in Bayern – erste Hilfestellung  

Bereits vor Jahren veröffentlichte das Landesamt für Landwirtshaft den Leitfaden: Rückkehr von Luchs, Wolf und Bär – Was tun als Nutztierhalter? . Hier wird ausführlich auf die Schutzmaßnahmen von Bienen, Schafen und Dammwild eingegangen. Das Heft gibt eine gute Zusammenfassung der Situationen und Möglichkeiten. In der Praxis wird noch viel diskutiert und gefachsimpelt. Letztendlich müssen wir gestehen: keine Ahnung, wie es in Bayern sein wird, wenn es wieder Wolfsrudel gibt. Es gibt Erfahrungen aus Ländern in denen Bär, Wolf und Luchs nie ausgestorben waren (hier gibt es auch heute noch Schafhaltung!), wie z.B. Slowenien oder Rumänien. Es gibt Erfahrungen aus Ländern, in denen es wieder Wölfe gibt, wie z.B. Bundesländer Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern etc oder Frankreich. Und hier gehen die Meinungen dann schon auseinander. Die einen sagen: alles kein Problem. Die anderen: alles unmöglich. Die Wahrheit wird, wie so oft, dazwischen liegen. Landschaften und Haltungsformen unterscheiden sich, ebenso die gesellschaftlichen Voraussetzungen (Besiedlung, Lohn…). So helfen uns die Erfahrungen aus anderen Gebieten sicher ein Stück weit, letztendlich müssen wir alle aber so frei sein selbst zu lernen.

Finanziell unterstützt werden Herdenschutzmaßnahmen in Bayern bislang nur in geringem Umfang. Beispielsweise muss der Nutztierhalter die Anschaffung und die Haltung von Herdenschutzhunden selbst leisten, ebenso Kosten für evtl. Umbau des Zaunes.  Unterstützung erfährt man von Seiten des Landesamt für Umwelt über Beratung, Informationsveranstaltungen oder Exkursionen. Ebenso werden Elektrozäune bereitgehalten, die bei  Übergriffen durch den Wolf angefordert werden können und so ein erster Schutz vor weiteren Angriffen sein können.

Eine Förderrichtlinie Herdenschutz gibt es in Bayern, anders als bspw. Sachsen oder Niedersachen, noch nicht. Mit der Beratungsstelle ist ein erster Schritt gemacht, der hier aber nicht enden kann. Von staatlicher Seite muss weiterhin daran gearbeitet werden, wie die Rückkehr von Wölfen und die Nutztierhaltung zusammengebracht werden können.

Herdenschutz in Bayern – praktische Umsetzung

Ein paar Nutztierhalter in Bayern testen bereits Formen der Schutzmaßnahmen. Neben Zäunen, die entsprechende Standards erfüllen, finden Herdenschutzhunde Einsatz bei Schafen, Rindern und Pferden. Sie bringen bereits Erfolge gegen Übergriffe von Füchsen und Kolkraben und lehren ihre Besitzer, was es bedeutet einen Herdenschutzhund als Mitarbeiter zu führen. Auswahl des geeigneten Tieres und Umgang will gelernt sein. Auch als Spaziergänger und Wanderer dürfen wir uns darauf einstellen, dass ein Herdenschutzhund seinem Namen alle Ehre macht und seine Herde beschützt. Das müssen wir verstehen und akzeptieren.

Herdenschutz - Freiwilligen-Einsatz in Mecklenburg-Vormpommern. Hier werden Zäune Wolfssicher gemacht.

Freiwilligen-Einsatz in Mecklenburg-Vorpommern. Hier werden Zäune Wolfssicher gemacht.

Eine Initiative, die ihren Ursprung in Mecklenburg-Vorpommern nahm, breitet sich nun in mehrere Bundesländer aus: WikiWolves. Hier helfen Freiwillige mit ihrem Engagement und ihrer Arbeitskraft Nutztierhaltern bei Zaunbau und weiteren Arbeiten, die zum erfolgreichen Herdenschutz beitragen. Neben der praktischen Hilfe ermöglicht dieser Einsatz ein gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen. Eine prima Initiative, die wir weiterhin verfolgen werden und der wir bald einen eigenen Blogeintrag widmen!

In Deutschland unterstützen zwei Vereine die Arbeit mit Herdenschutzhunden: Die AG Herdenschutzhunde und der Verein für arbeitende Herdenschutzhunde. Hier finden Interessierte kompetente Ansprechpartner, Erfahrung und Beratung.

Herdschutz ist eine Aufgabe für alle

Herdenschutz ist eine Aufgabe für Nutztierhalter, die sich konkret mit der Fragestellung auseinandersetzen und praktische, praktikable Lösungen finden müssen. Naturschutzverbände, die ihren eigenen Forderungen nach Rückkehr von heimischen Wildtieren und Erhalt von angepassten Tierhaltungsformen/Pflege von Naturschutzflächen zusammenbringen müssen und letztendlich die politische Instanz, die die Voraussetzungen und Unterstützung dafür schaffen muss.

 

 


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